21.04.2021 - 17:27 Uhr
Deutschland & Welt

K-Frage: Die Grünen nutzen ihre Harmonie auf Social Media

Die K-Frage wurde bei den Grünen harmonisch gelöst, bei der Union gipfelte sie in einem Duell. Das hat auch Auswirkungen auf die sozialen Plattformen der beteiligten Personen - im zweiten Teil unserer Serie wollen wir diese analysieren.

Die Grünen und die Union streiten um die Macht in Deutschland - auch die digitalen Plattformen werden in dem Wahlkampf inmitten der Pandemie eine große Rolle spielen.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Der Kandidat der Union und die Kandidatin der Grünen sind in diesem Jahr die größten Anwärter auf das Kanzleramt. Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) kämpfen um die Nachfolge von Angela Merkel (CDU). Beide Parteien hatten jeweils zwei Anwärter, die für ihre Partei oder Parteienfamilie als Spitzenkandidatin oder Spitzenkandidat in die Bundestagswahl gehen wollten. Die Grünen klärten die K-Frage harmonisch, bei der CDU/CSU kam es zu einem hitzigen Duell. Im zweiten Teil unserer Social-Media-Serie anlässlich der Bundestagswahl 2021 analysieren wir folgende Fragen: Wie wirkte sich die K-Frage auf die sozialen Plattformen aus? Und wie agierten die beteiligten Personen dabei auf Instagram, Facebook & Co.

Die Sieger der K-Duelle im Social-Media-Vergleich:

Annalena Baerbock will eine neue Ära einleiten, das macht sie auch auf Instagram klar.

Annalena Baerbock will für Erneuerung stehen, für eine neue Art der Politik. Das macht sie auf ihren sozialen Plattformen schnell klar. Nach der Bekanntgabe, dass sie als Kanzlerkandidatin die grüne Partei in den Bundestagswahlkampf führen wird, gab ihr PR-Team mächtig Gas. In einer großen Story-Serie auf Instagram, die mit dem Satz "Ich bin Annalena Baerbock." begann, stellte sie sich als Mensch, aber auch die wichtigsten Inhalte ihrer Politik vor. Sie präsentierte sich in der Story vielseitig - mal sportlich, seriös und auch kämpferisch. Auch von außen betrachtet, merkt man schnell: Hier war alles bis hin zum kleinsten Detail geplant.

Armin Laschet garniert seine Posts mit dem Hashtag "zusammenmachen".

Wenn man auf die Profile der CDU Deutschlands und die von Armin Laschet blickt, wir schnell klar: In den letzten Tagen gab es wichtigere Themen als die Aktualität der Social-Media-Plattformen. In den Stories gab es nur dezente Hinweise auf aktuelle Pressekonferenzen, in diesen das Chaos der letzten Wochen erklärt wurde, und als Posts wurden allgemeine Platzhalter hinzugefügt - mit Sätzen wie "Armin Laschet. Für Deutschland." Alle Posts werden zudem mit dem eher unglücklich gewählten Hashtag "zusammenmachen" versehen - war der Zusammenhalt doch genau das große Problem der Union in den letzten Tagen.

Fazit:

Mit dem Start ihrer Social-Media-Kampagne hat Annalena Baerbock gezeigt, wie es geht. Das PR-Team um die erste grüne Kanzlerkandidatin lässt es menscheln, versucht aber auch die Politikern als gute Staatsfrau zu präsentieren. Es soll eine Mischung aus Annalena und Frau Baerbock werden. Top vorbereitet, hat Annalena Baerbock den zeitlichen Vorsprung der Entscheidung in der K-Frage genutzt und einen Punktsieg gelandet. Für Armin Laschet und sein Social-Media-Team heißt es jetzt: Arbeiten, arbeiten, arbeiten und aufholen. Vor allem in Sachen Social-Media-Marketing wird die Union in diesem Bundestagswahlkampf neue Wege gehen müssen. Man muss ihr am Ende abnehmen, dass ihr Social Media als wählernahes Instrument wichtig ist und nicht nur ein notwendiges Übel - vor allem in einem Wahlkampf inmitten der Pandemie, in dem die sozialen Kontakte noch mehr ins Digitale rutschen.

Die Verlierer der K-Duelle im Social-Media-Vergleich:

Robert Habeck erklärte seinen Rückzug in der Kanzlerkandidaten-Frage in einem Videostatement auf Instagram.

Robert Habeck erklärte per Videostatement in zwei Minuten und 47 Sekunden, warum er nicht Kanzlerkandidat der Grünen wird, wie es zu dieser Situation der K-Frage gekommen ist und welche Aufgaben nun auf ihn bei diesem Bundestagswahlkampf zukommen werden. Die Aufmachung wirkt schlicht und zurückgenommen - das ist sicher kein Zufall. Der grüne Parteivorsitzende überlässt Annalena Baerbock die große Bühne. Er selbst ist jetzt nur noch der Arbeiter, der sich nun in die Reihen der Partei einhakt. Zudem versieht er seinen Post mit einem kleinen Seitenhieb in Richtung der Union: "Geteilte Macht ist doppelte Stärke. Ein neues Verständnis von Macht und Führung ist so erwachsen, ein dialogisches, ein Angebot, wie Politik auch sein kann."

Markus Söder zitierte in einem Post keinen geringeren als den römischen Feldherrn Julius Cäsar, dem der Spruch "Die Würfel sind gefallen" zugesprochen wird.

"Die Würfel sind gefallen: Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union", schrieb Markus Söder unter anderem auf seinem Instagram-Account. Die Redewendung "die Würfel sind gefallen" wird übrigens auf den römischen Feldherrn Julius Cäsar zurückgeführt. Irgendwie bezeichnend, dass Markus Söder die Worte eines Feldherrn wählt, hat er doch in den letzten Tagen mit seinen politischen Truppen verbal um die Vormacht in der Union gekämpft. Ähnlich wie bei Armin Laschet werden die Profile der CSU und von Markus Söder noch von den aktuellen Ereignissen und dem Duell rund um die K-Frage dominiert: "Wir haben ein Angebot gemacht und dafür unglaublich viel Zuspruch erhalten. Aus ganz Deutschland haben uns Nachrichten erreicht." Noch leckt Markus Söder also auch digital seine Wunden.

Fazit:

Markus Söder kommt nun vor allem auch auf Social Media eine Schlüsselrolle zu. Der bayerische Ministerpräsident hat schon in den letzten Jahren bewiesen, dass er durchaus gut auf den sozialen Plattformen agieren kann. Er hat ein Gespür für Facebook, Instagram und Twitter. Zudem bringt er auf allen drei Plattformen die größte Follower-Power mit. Ein weiterer großer Vorteil für Söder im künftigen Social-Media-Duell der Unterlegenen könnte sein, dass Robert Habeck sich von Facebook und Twitter verabschiedet hat. Hier fehlt dem Grünen also die Reichweite.

Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen digitalen Wahlkampf Söders ist aber, dass das Versprechen "Jetzt zählt der gemeinsame Erfolg", welches Söder nach seiner Niederlage im K-Duell nochmals bekräftigt hat, auch wirklich gilt. Die Sticheleien müssen ein Ende haben, die Egos zurückgestellt werden. Auch hier geben die Grünen (noch) den Takt vor und ein Beispiel ab, wie es gut funktionieren kann. Robert Habeck hat es geschafft, sich auf seinen sozialen Plattformen als Verlierer mit Stil zu präsentieren. Und das wichtigste dabei ist: Viele User nehmen ihm das ab. Diese schwierige Aufgabe steht nun Markus Söder bevor.

Die regionalen Vertreter im Social-Media-Vergleich:

Stefan Christoph demonstriert auf Instagram Geschlossenheit und zeigt sich mit der neuen Kanzlerkandidatin.

"Letztes Jahr war Annalena in der Schlussgeraden des Kommunalwahlkampfs bei uns in Regensburg und hat uns den Rücken gestärkt. Jetzt ist sie unsere Kanzlerkandidatin", schreibt Stefan Christoph auf seinem Instagram-Account. Da ist sie wieder: Die Annalena, die nun zur Kanzlerkandidatin Frau Baerbock geworden ist. Der Post des Fraktionsvorsitzenden der Regensburger Grünen ist ein Beispiel aus der Basis, welches die Gesamtstimmung in der Partei gut widerspiegelt. Die Grünen wollen zeigen: Wir sind eine große Familie.

Alois Karl stellte auf Facebook Meldungen rund im die K-Frage richtig, die seiner Meinung nach falsch wiedergegeben wurden.

Alois Karl, CSU-Bundestagsabgeordneter für Amberg-Sulzbach-Neumarkt, hatte dagegen seinen ganz eigenen Ärger rund um die K-Frage in der Union. Er diskutierte in der denkwürdigen Fraktionssitzung von CDU/CSU am 13. April eifrig mit, wurde aber seiner Ansicht nach falsch zitiert. Er benutzte seine Social-Media-Plattformen, um nochmals klarzustellen, dass er sich in der Fraktionssitzung weder klar für Markus Söder noch für Armin Laschet ausgesprochen habe.

Fazit:

Das Beispiel von Alois Karl zeigt: Die nervenaufreibende K-Frage hatte auch tiefe Auswirkungen in die Parteibasis der Union. Der Oberpfälzer Bundestagsabgeordnete sah sich immerhin gezwungen, öffentlich zu erklären, was aus seiner Sicht in der Fraktionssitzung gesagt wurde. Auch den regionalen Vertretern der CDU/CSU brachte das Kanzlerkandidaten-Duell von Söder und Laschet also viel Stress und Ärger ein.

Die grüne Basis dagegen konnte das ruhige Vorgehen ihrer Parteispitzen nutzen, um positive Inhalte zu veröffentlichen, Geschlossenheit zu demonstrieren und sogar noch selber ein bisschen Wahlkampf für regionale Parteifreunde zu machen.

Überblick:

Die Follower-Zahlen der thematisierten Politiker

Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen): 137.000 Abonnenten auf Instagram, 48.699 Abonnenten auf Facebook, 195.488 Follower auf Twitter

Armin Laschet (CDU): 61.400 Abonnenten auf Instagram, 46.813 Abonnenten auf Facebook, 137.978 Follower auf Twitter

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen): 102.000 Abonnenten auf Instagram, auf Facebook und Twitter nicht aktiv

Markus Söder (CSU): 281.000 Abonnenten auf Instagram, 266.982 Abonnenten auf Facebook, 279.545 Follower auf Twitter

Stefan Christoph (Bündnis 90/Die Grünen): 1014 Abonnenten auf Instagram, 1489 Abonnenten auf Facebook, 853 Follower auf Twitter

Alois Karl (CSU): 1095 Abonnenten auf Instagram, 1835 Abonnenten auf Facebook, auf Twitter nicht aktiv

(Stand aller Zahlen: 21. April 2021, 13:20 Uhr)

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