Als Markus Söder am frühen Nachmittag erneut zur K-Frage in der Union vor die Presse tritt, drängt sich der Eindruck auf, er habe den Kreidevorrat in der CSU-Parteizentrale vorher ratzeputz aufgefressen. Hatte er die Tage zuvor stets gewirkt, als ob er die Kanzlerkandidatur auf Biegen und Brechen für sich beanspruchen würde, klingt seine Einlassung nach der CSU-Präsidiumsschalte fast schon wie eine Kapitulation. "Wo und wie entscheidet die CDU allein", sagt er. Als CSU sei man nur die kleine Schwester. Und wenn das entscheidende Gremium am Abend der CDU-Bundesvorstand sei, "dann werden wir, auch ich, das respektieren - egal wie es ausgeht". Es fehlt fast nur noch, dass er Armin Laschet schon zum Erfolg gratuliert.
Tut er aber nicht. Das heißt, er gratuliert schon, aber der Grünen Annalena Baerbock zu deren Nominierung. Mit ihr als Konkurrentin werde es hoffentlich ein guter, fairer und ambitionierter Wahlkampf. "Ich würde mich freuen, diesen Wahlkampf zu führen", betont Söder nun mit fester Stimme und erklärt erneut seine Bereitschaft zur Kandidatur der Union, "wenn eine breite Mehrheit der CDU das will und trägt". Nein, der CSU-Chef belässt sich im Rennen, und alle Schmeicheleien in Richtung der großen Schwester und die Betonung von "Stil und Anstand" dienen allein seiner persönlichen Gesichtspflege.
Söder: "Gibt Zuspruch für mich"
Im Grunde erklärt Söder genau das noch einmal, was er eine Woche davor schon an selber Stelle erklärt hatte. Dazwischen liegt für ihn ein klärender Prozess, den er, sollten es die Entscheidungsträger in der CDU nicht mitbekommen haben, sicherheitshalber in einem "Zwischenergebnis" zusammenfasst. Das Hineinhorchen in die Gliederungen der CDU habe ergeben, dass es "Zuspruch für mich gibt" - in den CDU-Landesverbänden, in der Bundestagsfraktion und aus der Bevölkerung. Söder lässt auch nicht unerwähnt, dass die Union in Umfragen erstmals wieder zugelegt habe in der vergangenen Woche. Dass er da einen Zusammenhang mit seiner Bereitschaft zur Kandidatur sieht, muss er gar nicht explizit sagen. Es gehe jetzt um die "Schlagkraft, damit wir überall in Deutschland erfolgreich sind". Die Argumente lägen alle auf dem Tisch.
Zurück in den Kreidemodus
Dann schaltet Söder zurück in den Kreidemodus. Trotz des Angebots Laschets werde er sich zur CDU-Vorstandssitzung am Abend nicht zuschalten. Schließlich wolle er sich in diese Angelegenheit der CDU nicht einmischen. Dabei ist die halbe Stunde Pressekonferenz am Nachmittag nichts anderes als eine Einmischung in die Angelegenheit der CDU. "Ohne Groll" werde er jede Entscheidung aufnehmen, und sollte es "der Armin" werden, habe der seine "volle Rückendeckung". Ein Nachkarteln werde es nicht geben.
Wie es nun weitergehe, sei eine "Entscheidung, die allein die CDU trifft". Es ist eine Feststellung, bei der ungesagt mitschwingt, dass die CDU dann auch alle Konsequenzen zu tragen hat, sollte sie sich für Laschet entscheiden. Ob der nach dieser Woche CDU-Chef bleiben könne, sollte die Wahl doch auf ihn, Söder, fallen, wird der CSU-Chef noch gefragt. "Da sehe ich überhaupt kein Problem. Null." Als Politprofi müsste es Söder eigentlich besser wissen. Aber es ist halt wie im Märchen: Auch ein kreidefressender Wolf ist noch immer ein Wolf.















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.