19.07.2018 - 23:44 Uhr
Deutschland & Welt

Kapitän Söder, der CSU-Dampfer und die seichten Ränder

Kommentar zur Zerreißprobe in der Union.

Markus Söder (CSU, rechts) als Kapitän eines Schiffes am Ammersee.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Wenn man in diesen Tagen mit Weidens angenehm unaufgeregtem Bürgermeister Lothar Höher spricht, wünscht man sich die vor Selbstbewusstsein strotzende CSU zurück: einen Horst Seehofer, der als Herz-Jesu-Katholik den Sozialstaat vor Marktradikalen verteidigte; den altersmilden Gustl Lang, der in seiner Kanzlei Flüchtlinge vertrat - Macher statt Machtpanik.

Als reiche es nicht, dass sich die SPD in immer kürzeren Abständen teilt - erst die Abwanderung linksalternativer Kreise als Folge Schmidtscher Atom- und Industriepolitik, dann die Abnabelung linker Gewerkschafter nach Schröders Agenda. Jetzt droht der konservativen Volkspartei der Spaltpilz.

"Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben", lautete das Mantra von Franz Josef Strauß. In Wirklichkeit gab es diese immer wieder: 1966 zog die NPD mit 7,1 Prozent in den Landtag ein. Bei der Europawahl 1989 holten die Republikaner in Bayern 14,6 Prozent. Die Rechtsextremen warben mit dem Slogan: Das Boot ist voll. 1966 beantragten 4379 Menschen in Deutschland Asyl, 1989 waren es 121 318. Für rechte Egoisten ist das eigene Land ein Schlauchboot und jeder Flüchtling einer zu viel.

Die CSU sollte zum Kurs der Mitte zurückfinden - Bayern ist kein Schlauchboot, sondern ein stattlicher Dampfer. Kapitän Markus Söder muss darauf achten, nicht an seichten Rändern auf Grund zu laufen. Nie ging es den Bayern so gut wie heute. Ein Grund mehr, für Schwächere Rettungsringe auszuwerfen. Der Ministerpräsident kann sich darauf konzentrieren, Gutes noch besser zu machen.

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