03.03.2020 - 15:46 Uhr
KonnersreuthDeutschland & Welt

Die Resl von Konnersreuth erlöste den Künstler Egino Weinert

Von diesem Künstler hatte Resl von Konnersreuth eine Vision: Der Teufel habe vom Heiland das Leben des Malers Egino Weinert gefordert. Der habe geantwortet: "Nix da, er muss noch viel für mich arbeiten." Das Allround-Talent hätte am 4. März seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Jesus schenkt der Resl von Konnersreuth ihre Stigmata.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen (Hiob 1,21): Franz Stanislaus Günter Przybilski - den Nachnamen der Familie ließ der Vater in den 1930er Jahren in Weinert ändern - alias Egino Weinert gab er Talent. Und Glauben. Aber er nahm ihm die rechte Hand. Der Klosterschüler und Goldschmiedemeister überlebt mit viel Glück und Mut die Nationalsozialisten: 1941 wird er verhaftet, weil er den Hitlergruß verweigerte. Später wird er wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt und zum Tode verurteilt - der Vollstreckung entgeht er knapp, versteckt sich vor den Nationalsozialisten mit Hilfe der Fürsten von Thurn und Taxis.

Sprengfalle zerfetzt rechte Hand

Als das Grauen endlich vorbei zu sein scheint, entreißt ihm ein schrecklicher Unfall sein wichtigstes Werkzeug. Er soll in einem von den Sowjets besetzten Berliner Wohnhaus eine Sicherung einsetzen - diese erweist sich als Sprengfalle. Der gläubige Künstler muss völlig umlernen. Mehr als ein Jahr braucht Weinert, bis er einfache Goldschmiedearbeiten mit der linken Hand ausführen kann.

Der Abt der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg entsendet den gelernten Restaurator an die Kölner Werkschule, wo Weinert beteiligt ist, den bei der Evakuierung im Zweiten Weltkrieg zerlegten Dreikönigsschrein wieder zusammenzusetzen. Doch auch hier findet der eigenwillige Mann keinen Frieden: 1949, wenige Wochen vor den Ewigen Gelübden, wird er durch Konventsbeschluss aus dem Kloster ausgeschlossen. Weinert hat von der Kunstschule weibliche Aktzeichnungen mitgebracht und den konservativen Benediktinern erscheinen auch seine Heiligendarstellungen als zu abstrakt.

Päpstliche Aufträge

Der Künstler gründet 1951 sein erstes eigenes Atelier in Bonn, fährt für Aufträge in die Schweiz, eröffnet eine zweite Werkstatt im spanischen Dénia und ein Ausstellungshaus in Frechen-Königsdorf. Er lässt sich schließlich mit eigenem Atelier in Köln nieder, wo er bis zu seinem Tod am 4. September 2012 residiert. Der vielseitige Bildhauer erschafft Altäre, Kelche, Kreuze, Leuchter, Madonnen, Tabernakel, Tauf- und Weihbecken vor allem für katholische Kirchen. Zum Höhepunkt seines Schaffens arbeitet er für mehrere Päpste, etwa für Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

Soweit die bekannte Vita des Künstlers, der mit den Kunststars seiner Zeit Kontakt pflegt: darunter Max Pechmann, Georg Grosz, Max Liebermann und Otto Dix. Emil Nolde rät ihm von religiöser Kunst ab: "Junge, lass die Finger von diesen frommen Sachen, male lieber die Hühner in eurem Hühnerstall." Über einen Bischof aus Afrika, der Resl von Konnersreuth besucht, lässt die Oberpfälzer Seherin Egino ausrichten: "Male so, wie du glaubst." Erlösend und befreiend habe dieses Plazet der stigmatisierten Bauernmagd auf ihn gewirkt. Begegnet ist er der Resl aber nie.

Reliefarbeit zur Resl von Konnersreuth.

Teufel fordert die rechte Hand

"Das benediktinische Ora et labora wirkte weiter", schreibt der katholische Theologe Veit Neumann. Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer preist den starken Glauben Weinerts, sein schwer zu überbietendes Zeugnis: "Täglich betete Weinert, der Kunst und Glaube vereinte, den Rosenkranz." Und auch zu seiner verlorenen rechten Hand ist eine Legende überliefert: "Der Teufel forderte die rechte Hand des Künstlers", habe Resl von Konnersreuth das Gespräch zwischen Gott und dem Belzebub geschildert. Jesus aber habe erklärt: "Ich werde dir zeigen, wie viel er für mich auch mit nur einer Hand arbeitet, besonders über mein Kreuz." www.eginoweinert.de

Theaterstück von Bernhard Setzwein:

Wiederaufnahme „Resl unser“

Bernhard Setzweins Stück „Resl Unser“ (Regie Till Rickelt) hat bei der Uraufführung 2019 in Weiden überregional für Aufsehen gesorgt – ein Anlass für das Landestheater Oberpfalz (LTO), das Stück in der neuen Spielzeit wiederaufzunehmen. Die Verantwortlichen freuen sich besonders darüber, das Stück nun in Fockenfeld zeigen zu können, an einem Ort, der ganz besonders mit Therese Neumann verbunden ist.

◘ Termine: Samstag, 14. März (20 Uhr), Kloster Fockenfeld; Samstag, 28. März (20 Uhr), Kloster Fockenfeld; Sonntag, 29. März (20 Uhr), Kloster Fockenfeld

◘ Blick hinter die Kulissen: Am Sonntag, 29. März (18 Uhr), lädt das LTO zu einer Podiumsdiskussion ins Kloster Fockenfeld mit dem Autor Bernhard Setzwein ein.

www.landestheater-oberpfalz.de

◘ Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550,09621/306-230 oder 09661/8729-0, www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.

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