20.12.2020 - 16:25 Uhr
Hof an der SaaleDeutschland & Welt

Kritik an Verfahren zur Endlager-Suche: Daten aus 20 Jahre alten Büchern

Ein renommierter Gutachter sieht Mängel im Verfahren zur Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland. Der Geologe Andreas Peterek pflichtet ihm bei und glaubt, dass die Region rund um das Fichtelgebirge bald aus dem Rennen ist.

Symbolische Atommüllfässer stehen unweit vom ehemaligen Erkundungsbergwerk Gorleben im Wald. In Deutschland wird nach einem neuen Atommüll-Endlager gesucht.
von Redaktion ONETZProfil

Von Matthias Bäumler

Vielleicht noch vier Jahre. Dann sollte das Fichtelgebirge bei der Suche nach einem Endlager für strahlende Akw-Abfälle aus dem Rennen sein. Davon geht Dr. Andreas Peterek aus, der ab Januar den Kampf Oberfrankens gegen ein Atommüll-Endlager koordiniert. Bestärkt hat den Geologen, der auch Geschäftsführer des Geoparks Böhmen-Bayern ist, eine Videokonferenz des Nationalen Begleitgremiums. Diese Organisation begleitet das Standortauswahlverfahren unabhängig von staatlichen Stellen.

Veraltete Daten

In der Konferenz stellte Dr. Florian Fusseis von der Universität Edinburgh dem Begleitgremium sein Gutachten vor. Die Vorgehensweise der Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) hält er für nachvollziehbar. Dennoch kritisierte er unter anderem dass mit Daten aus 20 Jahre alten Geologie-Lehrbüchern für Anfänger gearbeitet werde.

"Als gestandenem Wissenschaftler geht einem hier die Hutschnur hoch", schließt sich Peterek der Kritik an. Für eine derart bedeutende Suche müssen natürlich Primärquellen, also Forschungsberichte, verwendet werden", sagte er auf Nachfrage der Frankenpost. Als weiteren wunden Punkt bei der Endlagersuche sehen Peterek und Fusseis die globale Anwendung von Kriterien. "Die BGE berücksichtigt zum derzeitigen Zeitpunkt des Verfahrens leider die jeweilige Situation vor Ort überhaupt nicht und kommt damit zwangsläufig zu den bei Weitem überdimensionierten Teilgebieten", sagen beide unisono.

Bis ein Standort für das Atommüll-Endlager gefunden ist, werden noch viele Jahre ins Land ziehen. Die BGE peilt das Jahr 2031 an, um dann 20 Jahre später mit dem Befüllen des fertigen Lagers beginnen zu können. Mindestens eine Million Jahre sollen die Behälter mit dem strahlenden Hinterlassenschaften der deutschen Atomkraftwerke in der Erde schlummern. Noch gibt es für den gefährlichen Abfall keine sicheren Behälter. "An dem Material wird geforscht. Es wird aus einem Metall sein, das möglicherweise mit einem Bentonit-Mantel umhüllt wird, um es vor Wassereinflüssen zu schützen." Bentonit wird zum Beispiel als Katzenstreu verwendet.

Granit nicht geeignet

Peterek hält das in weiten Teilen Oberfrankens vorherrschende Granitgestein für nicht geeignet. Salz und Ton seien besser, da in dessen tiefen Schichten über 200 Millionen Jahre kein Wasser eingedrungen ist. Granit hingegen ist klüftig. In den Klüften sammelt sich Wasser und zersetzt mit der Zeit Teile des Gesteins. "Ich bin mir sicher, dass es in Deutschland bessere Standorte gibt als in unserer Region. Wir werden sicherlich nicht zu den Top-Gebieten gehören und schon beizeiten als ungeeignet ausscheiden."

Das könnte aber noch einige Zeit dauern. In der nächsten Fachkonferenz vom 5. bis 7. Februar wird Peterek seine Argumente einbringen. "Dann stellt sich die Frage, wie schnell die BGE unsere Kritik berücksichtigt." Noch befindet sich der Suchprozess in einer frühen Phase. Im nächsten Schritt wägen die BGE-Wissenschaftler weitere geowissenschaftliche Kriterien ab und nehmen eine Sicherheitsprüfung vor. Hinzu kommt die Anwendung planungswissenschaftlicher Kriterien. "Das heißt: Wenn zwei Gebiete geologisch gleichermaßen geeignet wären, entscheiden planungswissenschaftliche Kriterien. Hier sehen sich die Entscheider an, ob es Wasserschutz- oder Naturschutzgebiete oder dichte Besiedlungen gibt", erläutert Peterek.

Region kommt nicht infrage

Sein Fazit: Die Bundesgesellschaft für die Endlagersuche verwende zwar bei der Standortsuche durchaus gesetzeskonforme Kriterien, allerdings seien diese nach dem Stand der Wissenschaft nicht immer aktuell und vor allem ortsbezogen. Hier müsse nachgebessert werden. "Ja, ich bin der Überzeugung, dass unsere Region und die weitere Region nicht für ein Atommüll-Endlager infrage kommen."

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Info:

Nationales Begleitgremium für die Endlagersuche

Was macht das Nationale Begleitgremium eigentlich aus? Wer engagiert sich im NBG und wer unterstützt das Gremium im Hintergrund? Eine Selbstbeschreibung des Gremiums:

  • Das Nationale Begleitgremium ist ein unabhängiges, pluralistisch zusammengesetztes gesellschaftliches Gremium.
  • Wissenschaftler, Studierende, interessierte Bürger - die Bandbreite der Mitglieder spiegelt die Vielfalt der Gesellschaft wider.
  • Ko-Vorsitzender Professor Amin Grundwald, Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag
  • Ko-Vorsitzende Professorin Miranda Schreurs, Professorin für Umwelt und Klimapolitik, TU München
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