20.12.2020 - 15:32 Uhr
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Meinung zum Deal mit Atommüll Hoher Preis für Endlager-Zustimmung

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Bei der Endlagersuche bemüht sich die Bundesregierung um Transparenz und Wissenschaftlichkeit. Die Betroffenen werden dennoch wenig Freude haben, kommentiert Jürgen Herda. Es sei denn, der Preis stimmt.

Baufahrzeuge an einem Bohrplatz der Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) am Standortortgebiet Stadel-3. Hier sollen Sondierbohrungen für eine Standortwahl eines Tiefenlagers für radioaktive Abfälle vorgenommen werden.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Vieles von dem, was sich die Atomenthusiasten nach dem Zweiten Weltkrieg einfallen ließen und was wir jetzt bei der Endlagersuche ausbaden müssen, erinnert an die Science-Fiction-Satire "Per Anhalter durch die Galaxis": Man möchte nicht glauben, auf welch absurder Grundlage der Bau der ersten Atomkraftwerke beruhte.

Erst bauen, dann überlegen: Wohin mit dem Müll? Also in etwa so: Wir konstruieren ein Auto, lassen es mal losfahren und überlegen uns während der Fahrt, wie wir eine Bremse einbauen.

Besser als unter Strauß und Albrecht

Bis heute besteht keine Einigkeit, welche geologische Formation die bessere ist - Salzstock, Ton, Granit oder gar im Meeresboden der Nordsee. Und am geeigneten Material für die Behälter, das den radioaktiven Müll die paar Millionen Jährchen sicher verwahrt, wird noch geforscht.

Aber immerhin: Anstatt wie Franz Josef Strauß bei der WAA oder Ernst Albrecht bei Gorleben einfach Regionen auszusuchen, die man politisch für unproblematisch hält, soll die Endlagersuche jetzt nach wissenschaftlichen Kriterien ablaufen.

Wertverlust in der betroffenen Region

Das ist der richtige Weg, wird aber die Akzeptanz vor Ort selbst dann kaum erhöhen, wenn die Experten tatsächlich die bestmögliche Lösung vorschlagen: Wer will schon auf Atommüll leben, selbst wenn das voraussichtlich unbedenklich wäre? Allein der Wertverlust der Immobilien im Umkreis steht dagegen.

Vielleicht sollte man deshalb den Vorschlag des Kommunikationsforschers Jens Wolling von der TU Ilmenau in Betracht ziehen: Man bietet der betroffenen Region einen Deal an. "Das wird sicherlich nicht billig", sagt Wolling, "aber es wäre der Marktpreis."

Kritik an Instrumenten der Endlagersuche

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