Falkenberg
24.02.2026 - 15:05 Uhr
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Von Wirtschaft über Romantik bis zur AfD: Landratskandidaten beziehen Stellung

In einer Diskussion in Falkenberg müssen sich die sechs Landratskandidaten für den Landkreis Tirschenreuth vielfältigen Fragen stellen. Es geht um Wirtschaft, Bildung und Gesundheit, aber auch um Romantik und den Umgang mit der AfD.

Meist harmonisch, überwiegend sachlich, aber auch stellenweise kontrovers: So lässt sich der Verlauf einer Podiumsdiskussion der sechs Landratskandidaten im Tagungszentrum der Burg Falkenberg zusammenfassen. Der Kreisjugendring (KJR) Tirschenreuth als Organisator ermöglichte am Montagabend eine Live-Übertagung im Internet, noch 30 Tage lang ist die Aufzeichnung abrufbar. Vorsitzender Max Siller spricht von einem "vollen Erfolg" und verweist auf knapp 1500 Live-Zuschauer. "Im Vorfeld gingen etwa 150 Fragen ein, während der Diskussion knapp 100 weitere", berichtet Siller.

Einem Publikum saßen Landrat Roland Grillmeier (CSU), Hubert Schicker (Freie Wähler), Muhammet Dal (SPD), Josef Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Bernd Withöft (FDP) und Stefanie Haaf (Die Linke) vor Ort nicht gegenüber. Routiniert durch die mehr als zweistündige Diskussion führte das OTV-Moderatorenduo Lea Sommer und Harald Rippl. Letzterer gab auch so manchen spitzen Kommentar ab. "Haben Sie auch ein CSU-Parteibuch?", wollte Rippl etwa von Josef Schmidt wissen, nachdem der Grünen-Kreisrat wiederholt mit Landrats-nahen Positionen aufgefallen war.

Einigkeit bei vielen Punkten

Überhaupt herrschte häufig Einigkeit in der ganzen Runde, sei es beim Ehrenamt, bei der Kinderganztagsbetreuung oder bei der Jugendsozialarbeit. Harald Rippl fühlte sich zwischenzeitlich sogar an eine "große Koalition" erinnert. Die größten Gegensätze zeigten sich vor allem beim Thema Gesundheitsversorgung. Hier verteidigten Roland Grillmeier und Josef Schmidt gefasste Kreistagsbeschlüsse gegen Kritik von allen anderen Kandidaten.

"Das kann man nicht an dieser Zahl messen", antwortete Landrat Grillmeier auf die wiederholte Frage Rippls, wie viele Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern in den vergangenen Jahren angelockt wurden. Grillmeier verwies auf die positive Entwicklung vieler Handwerksfirmen und großer Unternehmen, machte aber auch deutlich, dass die Neuansiedlung von Betrieben Sache der Bürgermeister sei. "Viele bestätigen, dass es läuft", erklärte der Landrat zur Wirtschaftsförderung. Dabei würden im Zuge von Genehmigungsverfahren auch Spielräume genutzt. Josef Schmidt stellte hier ebenfalls positive Veränderungen heraus. Es gelte aber, weiter an der Umwandlung in eine Servicebehörde zu arbeiten.

Kümmerer und digitale Angebote

Hubert Schicker sah die Notwendigkeit, noch mehr auf Unternehmer zuzugehen und sie zu beraten. "Wir brauchen einen Kümmerer, der das löst", meinte er zur Problematik der "gefühlten Bürokratie" und forderte mehr praxisorientiertes Handeln. Bernd Withöft beklagte, dass die Landkreisverwaltung noch nicht ausreichend als Dienstleister agiere. Bauanträge müssten schneller vom Tisch kommen, zudem brauche es mehr digitale Angebote. Stefanie Haaf kritisierte, dass die Angebote des Landratsamtes nicht niederschwellig genug seien, auch vermisse sie den breiten Einsatz Leichter Sprache. Zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung im Landkreis plädierte Muhammet Dal für eine Art gemeinsamen Tisch zum intensiveren Austausch zwischen Jugendlichen, Schulen und Betrieben.

Im Themenblock Bildung warb Hubert Schicker dafür, bei Schulneubauprojekten künftig rein zweckmäßig und dadurch kostengünstiger zu planen. "Wir müssen weg von Prachtpalästen", meinte Schicker. Auch Josef Schmidt bekannte, dass man keine "Hochglanzgebäude" brauche. Vielmehr sollten Schüler auch öfters mal praktische Erfahrungen sammeln, etwa auf einem Bauernhof. Muhammet Dal stellte die Bedeutung des Mannschaftssports für die Persönlichkeitsentwicklung heraus. Bildung gelte es auch außerhalb der Schulen zu fördern, etwa in Zusammenarbeit mit Vereinen, so Dal. Wenn es um die Finanzierung von Bildungsprojekten geht, muss nach Ansicht von Stefanie Haaf stets gefragt werden: "Können wir es uns leisten, etwas nicht zu tun?"

Uneinigkeit in Sachen AfD

Wie wollen die Kandidaten mit möglichen AfD-Kreisräten umgehen? Diese Frage gab Harald Rippl aus der Zuschauerschaft weiter. "Ich distanziere mich klar. Es gibt kein Miteinander, da es für mich keine demokratische Partei ist", kündigte Stefanie Haaf an. Eine Zusammenarbeit schloss auch Muhammet Dal aus, dazu verwies er auf die Einstufung durch den Verfassungsschutz und verschiedene Gerichtsurteile. "Die AfD ist einer der Gründe, warum ich kandidiere", ließ Dal wissen. Nach Meinung von Josef Schmidt müsse mehr sichtbar gemacht werden, was die die AfD alles fordere. "Als Landrat würde ich öfter nachfragen: Und, wie machen wir es jetzt?" Den Wählern müsse man verdeutlichen, dass es sich um eine "sehr substanzlose Partei" handele.

"Man wird es ertragen müssen", sagte Roland Grillmeier zur Wahl von AfD-Mandatsträgern auf kommunaler Ebene. Welche Beiträge sie bringen, werde man sehen. In Gremien, wo er schon mit der AfD am Tisch sitze, komme von dieser Seite bisher nichts außer "heißer Luft". Der Landrat bat die Wähler, genau hinzuschauen, wer auf den Listen steht, ob sich jemand irgendwo engagiert oder nur "plumpe Forderungen" stellt. "Wenn sie gute Ideen haben, dann hört man sie an", erklärte Hubert Schicker. Sollten sie aber sechs Jahre lang nichts für den Landkreis tun, dann werde sich das Problem bei den nächsten Wahlen von selbst erledigen. Ähnlich sah es Bernd Withöft: "Es kommt darauf an, was diskutiert wird und mit welchen Argumenten." Würde Unsinn geäußert, dann gäbe es für ihn keine weitere Gesprächsbasis.

Am Ende mussten die Kandidaten noch verraten, was sie bei einem Date als herausragendste und schlimmste Eigenschaft sowie als romatischsten Ort im Landkreis nennen würden. "Charmant", "ungeduldig" und "Burg Falkenberg" lauteten die Antworten von Roland Grillmeier. Bernd Withöft erklärte, gut zuhören zu können und manchmal etwas zu genau zu sein. Als Ort für ein Date würde Withöft die "Kipp" bei Wiesau wählen. Muhammet Dal bezeichnete sich als empathisch und rastlos, Ort der Wahl wäre für ihn die "Schoareuther Anhöhe" mit Blick über Erbendorf. Josef Schmidt bekannte, gut kochen und backen zu können, aber ungeduldig zu sein. Für ein Date ginge es zu den "Wilden Weiden" in der Waldnaabaue. Stefanie Haaf beschrieb sich als starke, unabhängige und naturverbundeme Frau mit hohen Standards, bei einem Date würde sie durch den Steinwald zur Burgruine Weißenstein wandern. Hubert Schicker gab an, charmant und freundlich zu sein, aber nicht kochen zu können. Zum Date-Ort erklärte er: "Der bleibt ein Geheimnis meiner Frau und von mir."

Aufzeichnung der Podiumsdiskussion abrufbar im Internet unter https://vimeo.com/event/5731933

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