Politik in Leichter Sprache? Das klingt wie ein Widerspruch. Ist es aber nicht zwangsläufig, wie eine Podiumsdiskussion mit fünf Landratskandidaten in den Stiftlandwerkstätten St. Elisabeth in Mitterteich bewiesen hat. Erschienen sind dazu am Mittwoch Landrat Roland Grillmeier (CSU) und seine Herausforderer Hubert Schicker (Freie Wähler), Muhammet Dal (SPD), Josef Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Bernd Withöft (FDP). Stefanie Haaf (Die Linke) hatte aus beruflichen Gründen abgesagt, wie es hieß.
Wer sind die Kandidaten und was sind ihre Positionen, gerade im Hinblick auf Menschen mit Behinderung? Mit diesen Fragen war die Podiumsdiskussion überschrieben, zu der die Katholische Jugendfürsorge (KJF) der Diözese Regensburg eingeladen hatte. Um möglichst allen der rund 150 Zuhörinnen und Zuhörer aus der Belegschaft die Inhalte verständlich zu machen, sollte ein besonderes Augenmerk auf Leichter Sprache liegen. Die fünf Kandidaten zeigten einen recht unterschiedlichen Einsatz dabei, dem gerecht zu werden. Besonders deutlich wurden die Bemühungen bei Bernd Withöft durch betont langsames und Josef Schmidt durch teils sehr lautes Sprechen.
Launige Moderation
Doch die Veranstalter hatten vorgesorgt: Als "Übersetzer" schaltete sich immer wieder Sebastian Müller ein, der Leiter des KJF-Büros für Leichte Sprache. Demokratie, Ingenieur, Haushalt – als diese und viele weitere Begriffe fielen, nahm Müller jeweils kurze Erklärungen vor. Das trug dazu bei, dass die Diskussion mehr als zweieinhalb Stunden dauerte. Für einen dennoch meist lockeren Verlauf und viele Lacher sorgte Erika Stelzl, Vorsitzende des Werkstattrats einer KJF-Einrichtung in Mitterfels und Bezirkssprecherin der KJF-Werkstatträte. Sie übernahm den Großteil der Moderation, wobei sie häufig nachhakte und den Kandidaten so manches Versprechen abrang. Ihr humorvoll-strenger Stil brachte ihr am Ende gar das Prädikat "Rampensau" ein: Ausgesprochen voller Anerkennung von Stiftlandwerkstätten-Geschäftsführerin Melanie Eibl.
"Wichtig ist, ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft zu erhöhen", meinte Hubert Schicker zur Frage nach konkreten Maßnahmen für die hiesigen Menschen mit Einschränkungen. Daher strebe er die Ausrichtung eines alljährlichen Sommerfestes an, bei dem jeder mit jedem ins Gespräch kommen könne. Erika Stelzl nagelte ihn sehr zur Freude des Publikums prompt darauf fest, unabhängig vom Wahlausgang. Roland Grillmeier erinnerte an bereits etablierte Events, wie etwa das Werkstattfest oder den Inklusionslauf der Lebenshilfe. "Eventuell können wir mal wieder eine Modenschau veranstalten", meinte er in Anspielung auf frühere Aktionen mit Behinderten und Nichtbehinderten und bot sich auch selbst für den Laufsteg an. "Wir sind schon gut unterwegs", lautete seine Bilanz zu den bisherigen Anstrengungen des Landkreises. Der Landrat verwies dazu unter anderem auf einen Inklusionsplan, die Befragung von 1800 Betroffenen und die anstehende Verbesserung der Barrierefreiheit im Hallenbad in Tirschenreuth.
Zum Mitarbeiten verpflichtet
Bernd Withöft stellte die Bedeutung des inklusiven Wohnens heraus. Er bedauerte, dass Projekte derzeit nicht schnell genug umzusetzen seien. "Aber ich kenne die Regeln", gab der Jurist zu verstehen. Muhammet Dal sah den Sport als gute Möglichkeit an, die Integration zu vertiefen. Zudem sollten Kontakte zur Wirtschaft verstärkt und Aktionen wie Probearbeiten ausgeweitet werden. Erika Stelzl drehte später den Spieß um und forderte die Kandidaten auf, selbst mal in den Werkstätten mitzuarbeiten. "Aber nicht nur für zwei Stunden, sondern von 8 bis 16 Uhr, und nicht im Anzug", betonte sie. Keiner aus der Runde wagte einen Widerspruch.
Josef Schmidt versprach, die Belange von Menschen mit Handicap noch mehr in den Blick der Politik zu rücken. "Sie sollen auch die Schönheit des Landkreises mehr miterleben können." Das Angebot an die Zuhörer, seinen Bio-Bauernhof in Erbendorf zu besichtigen, kam im Saal gut an. Auf Nachfragen von Erika Stelzl sicherte Schmidt auch Verköstigung und Kontakt mit Tieren zu. Der Grünen-Kreisrat erinnerte aber daran, dass es für Behinderte generell schwierig sei, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen. Erika Stelzl wollte daraufhin von Bernd Withöft wissen, ob er denn nicht den Bus für den Ausflug bezahlen würde. "Eine gute Idee", erwiderte der FDP-Kandidat und fragte dann das Publikum nach Erfahrungen mit dem Baxi. Kritik wurde etwa an unpassenden Fahrzeiten laut.
Roland Grillmeier warf ein, dass das Baxi frühzeitig und unkompliziert auch per App gebucht werden könne. Weiter könne er sich gut vorstellen, ein innerstädtisches E-Baxi in Mitterteich einzurichten. "Aber das muss der Bürgermeister auch wollen und mit bezahlen", so Grillmeier. Hubert Schicker erkannte in der Runde Einigkeit beim Thema Mobilität, hier müsse sich noch einiges bessern. Der FW-Kandidat brachte die KJF-Werkstätten selbst als möglichen Anbieter im Bereich Personenbeförderung ins Spiel. Das wäre vorteilhaft für Betroffene, zudem ließe sich eine weitere Einnahmequelle schaffen.
Tränen und tosender Applaus
Emotional ging es zu, als gegen Ende das Thema Gesundheitsversorgung auf den Tisch kam. Lautstarken Applaus erhielt ein Zuhörer, der die Schließung des Krankenhauses Waldsassen, den Abzug von Abteilungen aus Tirschenreuth und verlängerte Fahrzeiten kritisierte. Unter Tränen berichtete eine Frau, dass sie der Rettungsdienst wegen einer Blutvergiftung bis nach Plauen bringen musste. Kreisrat Josef Schmidt verteidigte den Beschluss, die Häuser der Kliniken Nordoberpfalz AG neu auszurichten und Aufgabenbereiche zu bündeln. Muhammet Dal wusste von großen Ängsten in der Bevölkerung und meinte: "Die Gesundheitsversorgung darf nicht vom Geld abhängen."
Landrat Grillmeier meldete sich zu Wort, als eine andere Zuhörerin direkt von ihm wissen wollte, warum er ein "Krankenhaus zugesperrt" habe. "Es war ein Beschluss des Kreistags", stellte er klar und verwies darauf, dass Bund und Krankenkassen für die Finanzierung verantwortlich seien. Auf bestehende Zwänge habe man mit der Umwandlung in ambulant-stationäre Versorger reagiert. Zur Notfallversorgung merkte Grillmeier an, dass die Vorgaben zur Rettungsdienst-Hilfsfrist im Landkreis Tirschenreuth erfüllt würden. Ebenso wie Bernd Withöft kritisierte Hubert Schicker das Fehlen einer rund um die Uhr geöffneten Notaufnahme in Tirschenreuth. "Wir müssen nochmal ran an die Notfallversorgung!", betonte Schicker und erntete dafür tosenden Applaus.
Leichte Sprache
- Ziel im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention: Menschen mit Einschränkungen die Teilhabe an Gesellschaft und Politik ermöglichen
- Kennzeichen: unter anderem möglichst kurze Hauptsätze, weitgehender Verzicht auf Nebensätze, Erklärung schwieriger Wörter
Quelle: www.bpb.de






















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