30.12.2020 - 16:57 Uhr
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Die Crux mit den Bons

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Zum Jahreswechsel 2019/20 war es noch das Aufregerthema schlechthin: die Bonpflicht. Dann kam Corona und der Streit um den Kasselzettel geriet schnell in Vergessenheit.

In Pandemiezeiten geriet das Thema "Bonpflicht" aus dem Blick, das Gesetz aber gilt weiter.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Vom Tisch ist die neue Kassensicherungsverordnung, die seit dem 1. Januar 2020 gilt und die Belegausgabe zur Pflicht macht, trotz Corona-Pandemie natürlich nicht. Die sogenannte "Bonpflicht" besagt, dass dem Kunden „in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit dem Geschäftsvorfall“ ein Beleg zur Verfügung zu stellen ist. Dies gilt nur dann nicht, wenn eine "offene Ladenkasse" genutzt wird.

Die allermeisten Betriebe dürfen von solchen Kassen allerdings längst keinen Gebrauch mehr machen. Und so erhitzte die Bonpflicht vor allem bei Handwerksbetrieben wie Bäckern die Gemüter: Für jede Semmel muss ein Kassenbeleg ausgegeben werden. "In der Praxis wollen die meisten Kunden den aber nicht", sagt Wolfgang Schmid, Bäckermeister und Obermeister der Bäckerinnung Nordoberpfalz, aus Kulmain im Kreis Neustadt/WN.

Was Schmid ärgert, sind vor allem die mit der Bonpflicht verbundenen Kosten gerade für kleinere Betriebe. "Jeder Bäcker muss eine moderne Kasse haben, die die Sicherheitsstandards erfüllt, da könnte man auf die Belege verzichten." Doch auch für den Umweltschutz sei die Neuregelung problematisch: "Unsere Bons sind aus Thermopapier, das wir im Sondermüll entsorgen müssen. Dabei haben wir unsere Tüten alle auf Altpapier umgestellt." Abhilfe, meint der Innungsobermeister, könnte in Zukunft die Nutzung einer App schaffen. "Damit lässt sich der Kassenbon aufs Kundenhandy schicken." Bis das Realität ist, werde aber wohl noch einige Zeit vergehen.

Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, sagt zur Bonpflicht: „Unsere Betriebe wenden sie bestmöglich an. Doch nach wie vor gibt es die Kritik, dass sie ein zusätzliches bürokratisches Hemmnis ist. Genauso wie weiterhin die Forderung des Handwerks nach Rücknahme dieser Maßnahme besteht. Als Handwerkskammer versuchen wir, unseren Betrieben bestmögliche Unterstützung zu geben. Unsere Berater informieren zur Bonpflicht und wir haben im ,Büro 4.0' mit dem Regensburger Startup ,anybill' beispielhaft ein Produkt zum Testen und Ausprobieren. Das Ziel: aus der Pflicht eine Tugend machen und einerseits digitale Technik zur Erfüllung der Bonpflicht anwenden und andererseits dies gleich noch zur Kundenbindung nutzen.“

Hintergrund:

Bis April 2021 ausgesetzt

Die ursprünglich mit der neuen "Bompflicht" einhergehende Ausstattung der elektronischen Kassen mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) sowie die Meldepflicht hinsichtlich der Kasse und der dazugehörigen TSE ans Finanzamt wurden mangels technischer Voraussetzungen zunächst bis zum 1. Oktober 2020 ausgesetzt. Der Freistaat Bayern hat, wie auch einige andere Bundesländer, diese Frist auf Grund der Coronakrise bis zum 1. April 2021 verlängert. Allerdings muss der Betrieb nachweisen können, dass er bereits bis 30. September 2020 die erforderlichen technischen Systeme bestellt hat.

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