17.11.2019 - 11:52 Uhr
KulmbachDeutschland & Welt

Erste Spuren schon vor 3000 Jahren

In Bier steckt jede Menge (Hand-)Arbeit drin. Unser Autor Holger Stiegler hat sich im Bayerischen Brauereimuseum in Kulmbach umgesehen und dabei viel Neues entdeckt.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Schon im alten Griechenland erkannte mancher Zeitgenosse die vielschichtige Bedeutung des Gerstensaftes. „Bier ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste, unter den Nahrungsmitteln das angenehmste“, ist vom bekannten Schriftsteller und Philosophen Plutarch überliefert. Inwiefern er damit den Kern getroffen hat, sei einmal dahingestellt – er hat sich zumindest von knapp 2000 Jahren Gedanken macht. Es muss einen also nicht überraschen, dieses Zitat auch beim Rundgang durch das Bayerische Brauereimuseum in Kulmbach zu entdecken.

Reise durch die Brau- und Biergeschichte

Den Besucher erwartet auf einer Ausstellungsfläche von über 3.000 Quadratmetern eine faszinierende Reise durch die Welt der Brau- und Biergeschichte. Wenn sich das Museum selbst als „wahre Schatzkammer der Bierkultur“ bezeichnet, dann ist das nicht einmal übertrieben. In diesem Jahr besteht das Museum bereits seit 25 Jahren. Kulmbach in Oberfranken ist der ideale Standort für eine solche Einrichtung. „Keine Region eignet sich für ein Bayerisches Brauereimuseum besser als Oberfranken – nirgendwo sonst gibt es eine derart ausgeprägte Bierkultur“, betonte die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber bei einem Besuch vor wenigen Wochen. Die Zahlen sprechen für sich: Oberfranken ist nicht nur die Heimat von 1.000 verschiedenen Biersorten, sondern weist mit mehr als 260 Brauereien auch die höchste Brauereidichte der Welt auf.

Ältestes Indiz für Bierbrauen

In diesen Kontext passt auch ein ganz besonderes Exponat der Ausstellung – nämlich eine Amphore, die in einem 3000 Jahre alten Grabhügel bei Kasendorf (Landkreis Kulmbach) gefunden wurde. Diese gilt als ältestes Indiz für Bierbrauen in Deutschland, denn Inhalt der Amphore waren Reste von „Bierbrot“ und Eichblättern: Bierbrot verwendete man üblicherweise als Grundsubstanz – der Sauerteig aus Getreide ließ sich gut vergären. Und Eichenblätter waren vor der Entdeckung des Hopfens ein geeignetes Mittel, um das Getränk haltbar zu machen.

Wer das Museum besucht, muss kein Bier- und Brauexperte, aber man dürfte um einiges Faktenwissen reicher wieder nach Hause gehen. Verschiedene Abteilungen sorgen dafür „Die Kunst des Bierbrauens“ unter anderem mit der Inszenierung einer Brauerei um 1900, „Das Produkt Bier“ unter anderem mit Antworten auf die Fragen, was Bier überhaupt ist und welche Zutaten dazugehören, „Bierkultur im Wandel der Zeit“ mit Erklärungen zu rechtlichen, religiösen und wirtschaftlichen Aspekte sowie Trinkgewohnheiten und unterschiedliche Trinkgefäße, „Bier in der Werbung“ mit umfangreichen Sammlungen von Plakaten, Gläsern, Etiketten sowie „Brauerei-Architektur“, in der es über vier Stockwerke durch die ehemalige Mönchshof-Brauerei und die einzelnen Stationen des Brauens geht.

"Bierkultur im Wandel der Zeit"

Die Eindrücke, die das Museum vermittelt, sind vielfältig: Gleich zu Beginn wird deutlich, mit welcher körperlichen Anstrengung das Bierbrauen – und beispielsweise auch die damit verbundene Fassmacherei - um 1900 verbunden war. Aufgezeigt werden die Unterschiede zwischen unter- und obergäriger Hefe sowie Brau- und Nutzwasser, der historischen Entwicklung der Bierherstellung beginnend bei den Sumerern und Ägyptern bis in die Gegenwart wird nachgegangen.

Verschiedene Brauvorschriften und -rechte werden präsentiert, der Besucher erfährt, was es mit dem „Anschreiben“ auf sich hat und wie sich die Veränderung vom Humpen zum Krug vollzogen hat. Sammlungen von Kronkorken und Bierfilzen sowie eine authentische „Sudhaus“-Atmosphäre ergänzen sich mit vielen weiteren Exponaten zu einer informativen und kurzweiligen „Nabelschau“ des Brauwesens. Ein Ausflug nach Kulmbach, in die gar nicht mal so „heimliche Hauptstadt des Bieres“, lohnt sich definitiv.

Info:

Das Bayerische Brauereimuseum (Hofer Straße 20, 95326 Kulmbach Telefon 09221/ 80514) ist geöffnet Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene sechs Euro, Kinder bis 6 Jahre sind frei. Weitere Informationen zum Museum, zu Führungen und weiteren Ermäßigungen unter www.kulmbacher-moenchshof.de.

Das Brauereimuseum ist jedoch nicht das einzige Museum, das an diesem Standort erlebt werden kann: So gibt es mittlerweile auch ein Bäckereimuseum sowie ein Gewürzmuseum. Und dann ist da noch etwas: Studieren, probieren, spielen - unter diesem Motto lädt das Museumspädagogische Zentrum (MUPÄZ) der Museen im Mönchshof ein, sich ganz praktisch mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen. Das MUPÄZ ist kein neues Museum, sondern eine Ergänzung zu den drei bestehenden Museen im Kulmbacher Mönchshof.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.