Die Lehren aus dem Fall Relotius

"Tausend Zeilen Lüge" heißt das Buch von Juan Moreno über den Relotius-Skandal. Was sich im Journalismus durch den Fall verändert hat, kommentiert Frank Werner.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wurde durch den Fall Relotius in seinen Grundfesten erschüttert.
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Was für eine Steilvorlage für die "Lügenpresse"-Krakeeler! Der Fall Claas Relotius war Öl ins Feuer derjenigen, die schon immer an der Wahrhaftigkeit der deutschen Presse gezweifelt haben. Nicht nur am Magazin "Spiegel", an allen Medien. Relotius hat gelogen und betrogen, er war ein Fälscher mit fast schon krimineller Energie.

Es bedurfte eines Einzelkämpfers, um den Märchenonkel Relotius zu enttarnen. Joan Moreno hat sich seine Geschichte und seine Wut im Buch "Tausend Zeilen Lüge" von der Seele geschrieben. Eine bittere Lektion für den Journalismus.

Es hat sich vieles verändert in den Redaktionen in den letzten Jahren. Die Leser hinterfragen nicht erst seit dem Fall Relotius Inhalte stärker. Die sozialen Medien befeuern dieses Grundmisstrauen. Und Meinungsmacher wie US-Präsident Donald Trump zweifeln die Arbeit der Journalisten mit ihren "Fake-News"-Parolen öffentlich an.

Keine Frage, es ist das gute Recht des Publikums, den Redaktionen auf die Finger zu schauen. Auch unser Medienhaus ist transparenter geworden, hat unter anderem mit dem Leseranwalt eine Institution geschaffen, die die tägliche Arbeit erklärt. Seminare zum Faktencheck liegen im Trend, Erklärstücke sind gefragt.

Der Sündenfall Relotius ist eine Mahnung zur Wachsamkeit an alle Journalisten. Aber er ist kein Beispiel für die Arbeit in den Redaktionen. Schon gar nicht für den Lokaljournalismus. Die Menschen, über die wir täglich berichten, nehmen jede Verdrehung der Tatsachen unmittelbar wahr. Sie klopfen uns sofort auf die Finger, wenn etwas nicht stimmt. Und das ist gut so.

Oberpfalz
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Kommentare

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A. Schmigoner

Erstaunlich wie sich in diesem Fall die Springer-Presse, allem voran die "Bild" zu Wort meldet. Sitzen dort tagein, tagaus mutmaßlich viele Relotius-Redakteure.

28.09.2019