München/Amberg. Der bayerische Philologenverband hat für den Schulstart nach Ostern eine "klare und verlässliche Teststrategie" für die bayerischen Gymnasien gefordert. Am Präsenzunterricht sollten dann nur noch negativ getestete Schüler teilnehmen dürfen, erklärte Verbandschef Michael Schwägerl am Dienstag. Freiwillige Tests reichten nicht aus. Derzeit herrsche an den Schulen "Chaos". Keiner wisse, wann welche Tests in welcher Stückzahl zur Verfügung stünden. Am sinnvollsten wäre, die Tests unter Aufsicht von Fachpersonal durchzuführen. "Wir Lehrkräfte sind Experten für Unterricht und nicht für die Pandemiebekämpfung", sagte Schwägerl. Deshalb müssten die Tests auch "außerhalb des Schutzraums Klassenzimmer" erfolgen.
Thomas Prechtl vom Amberger Max-Reger-Gymnasium verwies auf praktische Probleme bei der Umsetzung. Wenn die Staatsregierung vorschreibe, dass sich Schüler in der Schule testen müssten, werde verkannt, dass ein Großteil von ihnen vorher in Bussen oder Bahnen unterwegs gewesen sei. "Was hilft es, wenn wir in der Schule feststellen, dass einer positiv ist und vorher gar nicht mit dem Bus hätte fahren dürfen", fragte er. Zudem seien Tests im Klassenverband stigmatisierend, wenn Schüler befürchten müssten, bei einem positiven Ergebnis "wie ein Aussätziger abgesondert" zu werden. Prechtls Kollegin Bianca Rauchenberger betonte, die Lehrkräfte seien nicht gegen das Testen, man wehre sich aber dagegen, "Versuchskaninchen" zu sein. So verfüge das Aufsichtspersonal in den Testzentren über Schutzkleidung, die Tests im Klassenzimmer müssten die vielfach noch ungeimpften Lehrkräfte aber nur mit einer Schutzmaske anleiten.
Auch der Vorsitzende der bayerischen Direktorenvereinigung, Walter Baier, sprach sich für Pflichttests als "elementare Voraussetzung für Präsenzunterricht" aus. Bisher erteilten viele Eltern nur zögerlich die Erlaubnis zu einem Test in der Schule. Die Zustimmungsquote liege an vielen Schulen deutlich unter 50 Prozent. Dies sei nicht ausreichend. Auch andere Lehrerverbände forderten verlässliche und unter professioneller Anleitung anzuwendende Teststrategien für die Schulen außerhalb der Klassenzimmer. Die Pläne der Staatsregierung überzeugten bislang nicht, hieß es vom Realschullehrerverband.
Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bestätigte, dass die Selbsttests nach Ostern unter Aufsicht an den Schulen stattzufinden hätten, wenn kein aktueller PCR- oder Antigenschnelltest vorgelegt werden könne. Er räumte ein, dass die Testaufsicht für Lehrkräfte eine zusätzliche Aufgabe sei. Piazolo betonte aber auch, dass Lehrkräfte kein medizinisches Personal seien, das Tests an Schülern durchführen könne. Die in Frage kommenden Selbsttests seien aber aus seiner Sicht auch für Schüler handhabbar. Er habe diese an sich selbst ausprobiert.





















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