11.03.2021 - 14:56 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Lehrerverband sorgt sich um Gesundheitsschutz und Leistungsdruck

Beim Lehrerverband BLLV hat zur Schulpolitik in Corona-Zeiten allerhand Unmut angestaut. Jetzt hat Präsidentin Fleischmann zum Rundumschlag ausgeholt. Es müsse Schluss sein mit der Schönrednerei zur Lage an den Schulen.

Der Ersatz-Mundschutz einer Schülerin liegt während des Unterrichts in einer vierten Klasse einer Grundschule in München auf dem Federmäppchen der Schülerin.
von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, hat die für kommenden Montag geplanten weiteren Schulöffnungen in Frage gestellt. Sie bezog bei ausdrücklich den in Hotspot-Regionen möglichen "Tag des offenen Klassenzimmers" ein. "Bevor nicht Test- und Impfangebote für alle Schulen vorliegen, können wir Schule nicht weiter öffnen", sagte Fleischmann. Der Gesundheitsschutz für Lehrkräfte, Schüler und deren Angehörige müsse Vorrang haben. Fleischmann kritisierte zudem, dass die Schultests nur freiwillig erfolgen sollen. Das sei wegen der Infektionsgefahren durch die vielen Kontakte an Schulen "falsch verstandene Eigenverantwortung" und eine neuerliche Zusatzbelastung für das Lehrpersonal.

Kein Verständnis zeigte Fleischmann vor diesem Hintergrund für den "Tag des offenen Klassenzimmers" in Hotspot-Regionen, dessen Besuch freiwillig sein soll. Dies sei der "vergebliche Versuch", das allgemeine Problem zu lösen, dass vor allem jüngere Schüler wieder Sozialkontakte mit Gleichaltrigen dringend nötig hätten. Sie erkenne dieses Bedürfnis an, doch müsse der Gesundheitsschutz vorgehen. Fleischmann vermutete hinter dieser Idee von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) dessen Bemühen, auf entsprechende Forderungen von ostbayerischen Landräten einzugehen. Einmal mehr habe er mit der Entscheidung aber die Schulfamilie übergangen. Die Verantwortung sei ohne Rücksprache auf die Schulleitungen übertragen worden.

Auf Übertrittszeugnisse verzichten

Für die 4. Klassen Grundschule forderte Fleischmann in diesem Jahr den Verzicht auf die Übertrittszeugnisse. Wegen der besonderen Lage sollte den Eltern die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn ihrer Kinder auf der Grundlage einer Empfehlung durch die Lehrkraft überlassen werden. In vielen Regionen Bayerns hätten Viertklässler in diesem Schuljahr maximal vier Wochen regulären Präsenzunterricht gehabt. "Unter diesen Bedingungen ist kein fairer Übertritt möglich", erklärte Fleischmann. Um eine Gleichbehandlung aller Schüler zu gewährleisten, müsse das Übertrittszeugnis deshalb landesweit entfallen. Den Schülerinnen und Schülern müsse in dieser belastenden Situation der für das Zeugnis notwendige Notendruck erspart bleiben. Sie bräuchten derzeit mehr individuelle pädagogische Begleitung.

Auch die von Piazolo bisher angekündigten Maßnahmen zum Aufholen von im Distanzunterricht nicht vermitteltem Stoff hielt Fleischmann für nicht ausreichend. Sie plädierte für ein "freiwilliges individuelles Förderjahr" für Schüler, deren Lernfortschritt im Distanzunterricht aus unterschiedlichen Gründen Lücken aufweise. Kritik an der aktuellen Schulpolitik kam zudem von anderen BLLV-Vertretern. So beklagte der Leiter der Fachgruppe Förderlehrer, Jochen Fischer, dass seine Kollegen kaum noch Förderunterricht geben könnten, weil sie zur Notbetreuung oder für Aufsichten abgeordnet seien. Ähnliches gelte für Fachlehrer.

Lasche Konzepte im Skeretariat

Fritz Schäffer, beim BLLV Leiter der Abteilung für Schul- und Bildungspolitik, forderte bessere Schutzkonzepte für Gymnasiallehrer, die im Präsenzunterricht wöchentlich mehrere 100 Schülerkontakte hätten. Schon tags zuvor hatte der Philologenverband deswegen eine priorisierte Impfung von Gymnasiallehrkräften angemahnt und eine Klage angekündigt. Im Namen der Verwaltungsangestellten an den Schulen beschwerte sich Monika Engelhardt vom staatlichen Schulamt in Kronach über viel zu lasche Schutzkonzepte in den Schulsekretariaten. "Wir stehen an vorderster Front und haben mit die meisten Kontakte", erklärte sie. Die Sekretärinnen fühlten sich innerhalb der Schulfamilie als die "Vergessenen der Pandemie".

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