16.06.2019 - 20:39 Uhr
LeuchtenbergDeutschland & Welt

Amadeus erntet Beifallsstürme

Ein musikalisches Drama über Mozart feiert Premiere bei den Burgfestspielen Leuchtenberg. Dabei übertrifft "Amadeus" in einer bemerkenswerten Inszenierung des Landestheaters Oberpfalz alle Erwartungen.

Stets spürt Hofkomponist Antonio Salieri (Ruppert Grünbauer, rechts) sein persönliches Verhängnis im Nacken. Das musikalische Wunderkind Mozart (Julian Struck) macht ihm seine Position streitig.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Das eine Gift tötet schnell, das andere nagt und zermürbt. Als Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri in Wien aufeinandertreffen, beginnt ein dreckig geführter Wettstreit der Komponisten, der mit einem vermeintlichen Giftmord endet. Letztlich soll ihre Rivalität aber beide vernichten.

Es ist eine seltene Wucht an Emotionen, Tiefgang und Belustigung, die das Premierenpublikum bei der LTO-Inszenierung "Amadeus" aufgewühlt zurücklässt. "Spektakel müssen sein", wiederholt Kaiser Joseph II. am Freitagabend sein Credo gebetsmühlenartig. Er hätte es nicht besser ausdrücken können. Salieris dramatische Lebensbeichte gehört in der stimmigen Version des Landestheaters Oberpfalz für die Burgfestspiele Leuchtenberg jetzt schon zu den Hits des Theatersommers. Und wird von den Zuschauern mit vier Vorhängen und tosendem Beifall belohnt.

Mozarts Genie erschüttert das Weltbild Salieris. Das Ausnahmetalent konfrontiert ihn mit seiner eigenen Mittelmäßigkeit und bringt seine schlimmsten Seiten zum Vorschein. Er versprüht sein Gift, leitet den arglosen, naiven Mozart von einer Falle in die nächste und zerstört ihn systematisch. Ohne Skrupel. Der neidzerfressene Machtmensch, der gewohnt ist, zu intrigieren, nimmt Mozart Aufträge, Förderer und seinen guten Ruf.

Ruppert Grünbauer spielt den Bösewicht schlicht grandios. Eindringlich arbeitet er als neidzerfressener Salieri und Erzähler alle Feinheiten des komplexen Charakters heraus. Unwiderstehlich werden die Zuschauer als Komplizen wider Willen in das Dilemma Salieris hineingezogen. Vergeblich versuchen sie, aus Nuancen von Menschlichkeit Sympathie zu ihm aufzubauen. Selbst kleinste Ansätze zerschlägt dieser aber brutal.

Mehr Opfer als Gegner

Mozart dagegen, mehr Nervensäge mit zwischenmenschlichen Schwächen als echter Antagonist, bekommt von Julian Struck, der die Rolle sichtlich genießt, die richtigen Dosen Albernheit, Psychosen und Ego-Trips mit, die dem abgedrehten Genie attestiert werden. Denn auch Amadeus hat mit Dämonen zu kämpfen und trägt als klassisches "Wunderkind" so einige Probleme mit sich herum.

Regisseur Till Rickelt lässt in seiner stringenten, perfekt ausgestatteten Bearbeitung seinen glänzenden Protagonisten jeden Raum, ihre Figuren zu entfalten, sie miteinander zu konfrontieren und den Sog des Dramas zu entwickeln. Zugleich bettet er sie in ein Umfeld mit zugespitzten bunten, teils komischen Nebenfiguren. Während Mozarts temperamentvolle Frau Constanze (stark: Theresa Weidhas) eine tragende Rolle spielt, lockern Bernhard Neumann als kulturell einfach gestrickter Kaiser (mit komischem Wiener Schmäh), sowie seine überzeichneten Hofschranzen und bornierten Hüter der Kunst (Trio infernale: Daniel Pfeifer, Maximilian Hegner und Peter Hösl) gefällig die Handlung auf. Der schelmische, derbe Witz Mozarts und der trockene Humor Salieris tun ihr Übriges.

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In der fiktiven - historisch nicht korrekten - Schwarz-Weiß-Malerei der Figuren bewegen insbesondere ihre kleinen Schattierungen. Wenn Mozarts Werke erklingen, die das "unverschämte Kind" provozierend federleicht aus dem Ärmel schüttelt, zeigt sich kurz ein anderer Salieri.

Mozarts größter Fan

Eingehüllt in die überwältigende Musik schmilzt Salieris zynischer Gesichtsausdruck, seine Züge werden weich. Als erstklassiger Komponist ist er einer der wenigen, der Mozarts wahre Brillanz zu schätzen weiß. Auf abartige Art und Weise ist er ein echter Bewunderer Mozarts. Insgeheim weiß er, dass er den Kampf gegen seine Nemesis nicht gewinnen kann.

Verkleidet als Alptraumfigur seines gebrochenen Gegners versetzt er ihm zwar quasi noch den Todesstoß. Dessen schleichendes "Gift", seine Genialität, verfehlt seine Wirkung aber ebenfalls nicht. Geschlagen mit einem langen Leben muss Salieri mitansehen, wie Mozarts Musik unsterblich und sein eigenes Lebenswerk vergessen wird. Bis auf einen Marsch, den er Mozart einst schenkte und den dieser - veredelt - in eines seiner Stücke einbaute. Eine kleine, ganz brauchbare Passage in einer göttlichen Komposition.

Termine und Tickets:

Weitere Termine: Sonntag 23. Juni, Samstag 29. Juni, Donnerstag, 4. Juli, Freitag 5. Juli, Freitag 19. Juli, Samstag 20. Juli, jeweils 20 Uhr, Burg Leuchtenberg; Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 sowie unter www.nt-ticket.de

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