Das wird man doch wohl noch sagen dürfen: Wer Hass sät, erntet Mord

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen, rechtfertigen AfD-Anhänger jeden denkbaren Unsinn. Und den sagen sie dann auch, um anschließend zu jammern, dass man in Deutschland nichts mehr sagen dürfe.

In einem Video, das seit 2018 im Netz kursiert, bezieht sich ein Sprecher auf die „Atomwaffen Division“. Unterlegt von martialischer Musik marschieren vermummte Neonazis. Ein schwarzgekleideter Sprecher mit Totenkopfmaske verkündet vor einer Hakenkreuzflagge: »Der Natio­nalsozialismus lebt trotz einer ganzen Welt, die ihn zerstören will.«
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Warum? Wurden sie vom "Schweinesystem" verhaftet, von Vertretern der "Altparteien" aus ihren Jobs gejagt? Mitnichten, sie ernten Widerspruch. Und den dulden sie nicht.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen: "Wir werden die Rechten dieser Welt vereinen und dafür sorgen, dass Abschaum wie Sie gejagt und erschossen werden ", schreibt das Netzwerk Atomwaffen Division Deutschland, Ableger einer kriegslüsternen US-Gruppe, die Charles Manson verehrt, in der Todesdrohung an Cem Özdemir.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen, hat auch das Berliner Landgericht entschieden, als sich Grünen-Feindbild Renate Künast versuchte, gegen üble Beschimpfungen im Netz zu wehren: "Drecks Fotze", "Schlampe", "Stück Scheiße, der man die Fresse polieren" müsse. So viel Meinungsfreiheit muss sein, findet das Gericht.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen, finden die 23,4 Prozent der Thüringer, die Björn Höcke wählten: Dass sich unser Land "im letzten Degenerationsstadium" befinde, die "Rassenfremden" weg müssten, dass "brandige Glieder nicht mit Lavendelwasser geheilt werden können, die muss man abschneiden", um den "Volkstod durch Bevölkerungsaustausch" zu verhindern. "Wir werden nicht herumkommen um wohltemperierte Grausamkeit", prophezeit der Möchtegern-Führer.

Man muss hier Horst Seehofer in Schutz nehmen, der vorschnell die Gamer ins Visier nahm: In den Zitaten der Hass-Säher sind beim besten Willen kein Programm, geschweige denn Lösungen zu finden. Sie lassen sich irgendwo zwischen Hitler-Imitation, blutrünstigen Ego-Shooter-Fantasien und reinem Wahnsinn einordnen. Gemeinsam ist ihnen der Hass auf alles und jeden - und auch Selbsthass scheidet als Mordmotiv nicht aus, weiß man aus der Psychiatrie.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Diese deutlichen Worte von Herrn Herda sind sehr zu begrüßen. Insbesondere, da auch er als Journalist sicherlich oft genug ähnliche Angriffe wie Cem Özdemir oder Renate Künast ertragen muss. Leider werden rechtsextreme Politiker, Wähler und Pöbler viel zu oft mit Samthandschuhen angefasst. Da sie sich ja auch bei den kleinsten Angriffen eh schon weinerlich in die Opferrolle werfen und sich drin suhlen, kann man es auch gleich sein lassen und sie beim Namen nennen.
Sie werden auch nicht in eine rechte Ecke gestellt. Mit dem Erscheinen auf entsprechenden Wahllisten, Kreuzen auf diesen Wahllisten und dem Absetzen rechter Auswürfe im Internet oder am Wirtshaustisch stellen sich diese Leute selbst ganz tief in die dunkelste rechte Ecke.
Da muss man auch nicht lange suchen, was es ist, das solche Parteien wieder erstarken lässt. Das können schon Abgehängte, Verlierer, Opportunisten oder mit der aktuellen Politik Unzufriedene sein, aber was sie alle eint, ist Fremdenfeindlichkeit, extrem rechtes Gedankengut, Hang zum Faschismus und der Wunsch nach einer starken führenden Hand. Da gibt es leider nichts mehr zu beschönigen.

03.11.2019