Menschen, Eindrücke, Augenblicke

Papier, Holz, Zement, Acrylfarbe – auf vier ganz unterschiedlichen Wegen passiert Kunst in Kastl. Der historische Steinstadel aus grobem Mauerwerk, altem Gebälk und modernem Glaseingang bietet den passenden Rahmen dafür.

Es sind bereits die 7. Kastler Kunsttage, die zum Besuch einladen. Vier ganz unterschiedliche Künstler haben die Kastler Kunsttage-Macher versammelt: Karin Allar (Malerei), Helene Tschacher (Papierkunst), Michael Pickl (Holzarbeiten) und Wolfgang Bittner (Zementobjekte).
von Marielouise ScharfProfil

Noch wird geschoben, geschleppt und gehängt, um den besten Platz auszuloten. Im großzügigen Eingangsbereich finden die gewichtigen Zementobjekte von Wolfgang Bittner den passenden Standort. Auf schwarze Podeste baut er die bis zu 30 Kilogramm schweren Unikate. Alles architektonische Formen im schlichten Bauhausstil. „Es sind aber keine Gebäude. Die Objekte entstehen aus der Fantasie heraus“ erläutert der Künstler aus Leipzig, der Architektur studiert hat und mit informeller Malerei seinen Kunstweg begonnen hat.

Seit etwa 10 Jahren ist grauer Beton sein bevorzugter, aber in der Kunstszene eher selten genützter Werkstoff. „Er macht Dreck, ist schwer und man braucht einen Atelierraum, um damit zu arbeiten“ so seine Erläuterung, „Torhaus“ ist so eine geometrisch-abstrakte Arbeit mit Fenster- und Türöffnungen, Ein- und Ausblicken, festen Wänden und feinen Treppen, Brüstungen, Durchgängen und Rampen. Die Oberfläche ist meist unbehandelt, aber auch schon mal mit Putz eingefasst. Spuren der Verschalung oder auch Luftporen bringen Lebendigkeit ins spröde Äußere. Vom Entwurf über die Verschalung und den Guss bis zur Fertigstellung kann der aufwändige Schaffensprozess bis zu acht Wochen dauern.

Mit den strengen Skulpturen korrespondieren die farbigstrahlenden Acryl-auf Leinwand Bilder von Karin Allar aus Neumarkt ganz hervorragend. Menschen, Situationen, Augenblicke hält sie zuerst mit der Kamera auf Reisen in unterschiedlichsten Schnappschüssen fest. Wieder zuhause erinnert sie sich sozusagen künstlerisch an diese Sehnsuchts-, Glücks- und Lieblingsmomente. Im plakativen Gestus und im individuellen Farbklang stellt sie den Menschen in den Mittelpunkt. Zeigt Szenen im Café, beim Lesen auf dem Motorroller. Titel wie „Leselust“ oder „Roma“ legen eine Spur ohne zu reglementieren. Immer ist ihre Aussage positiv, dynamisch, charmant.

Eine großzügige Holztreppe führt im vorderen, rechten Bereich in den ersten Stock. Hier unter der gedrungenen Holzdecke ist Papierkunst von Helen Tschacher aus Mainburg zu sehen. Aus Büchern, Katalogen und Druckerzeugnissen jedweder Art gestaltet sie Bilder, die filigrane Meisterwerke sind.

Ihre Kunst verlangt handwerkliches Fachwissen im Umgang mit dem Material, das sie sich als ausgebildete Buchbinderin auch erworben hat. Das Papier wird geschnitten, verformt, geklebt, gefaltet, zu Muscheln, Wellen, Mustern arrangiert und vorwiegend hinter eigens angefertigten Setzkastenrahmen hinter Glas zur Schau gestellt. Auch Schmuck- und freistehende Schauobjekte entstehen so. Die Titel der Arbeiten wählt sie nach den jeweils verwendeten Druckerzeugnissen.

Diesen stillen Bildmomenten stellt Bildhauer Michael Pickl aus Kastl seine ruhig-lebendigen Holzfiguren gegenüber. Ausdrucksstarke Schnitzereien in geradliniger Haltung, mit „roter Hose“ oder „weißem Kleid“, große Büste oder kleine Menschenskulptur - fast alle wurden sie aus heimischer Linde geschnitzt. „Ich gehe mit dem Förster in den Wald, schlage den Baum, lasse ihn drei Jahre trocknen“. Dann erst entsteht eine Zeichnung, die Grundarbeit wird mit der Motorsäge geleistet und erst zum Schluss kommt das Schnitzeisen zum Einsatz. Mit einer eigens entwickelten Technik wird Farbe aufgetragen. „Die Arbeiten sind aus einem Stück gemacht – das ist fast mein Markenzeichen!“ berichtet Pickl. Etwa 14 Objekte mit Charakter, warme, einnehmende Wesen aus Holz runden die vielseitige Kunst-Schau ab.

Info:

Service

INFO

Vernissage:

Freitag, 27.9. 19:00 Uhr

Ausstellung:

Samstag, 28.9. 14 - 18 Uhr

Sonntag, 29.9. 12 -18 Uhr

Donnerstag, 3.10. 12 - 18 Uhr

Samstag, 5.10. 14 - 18 Uhr

Sonntag, 6.10. 12 -18 Uhr

Samstag, 12.10. 11 - 18 Uhr

Sonntag, 13.10. 11 -18 Uhr

Offene Ateliers 2019

Während der Kastler-Kunst-Tage 2019 sind folgende Ateliers geöffnet:

Samstag, 12.10. 11 - 18 Uhr

Sonntag, 13.10. 11 - 18 Uhr

Michael Pickl

Bildhauer

Hohenburger Straße 15

92280 Kastl

www.michael-pickl.de

Stefan Stock

Lichtobjekte

Hainthalstr. 38

92280 Kastl

www.stefan-stock.de

Info:

Service II

Die Ausstellung im Steinstadel an der Brauhausgasse ist geöffnet am 28./29. September, am 3./5./6. Oktober, jeweils von 14 bis 18 Uhr und am Wochenende 12./13. Oktober jeweils von 11 bis 18 Uhr. An den beiden letztgenannten Tagen öffnen zusätzlich drei Kastler Künstler ihre Ateliers: Lichtobjekt-Künstler Stefan Stock, Hainthalstraße 38, Michael Pickl Hohenburger Straße 15 oder Fotokunst von Georg Pickl im Schaufenster in der Hohenburger Straße 13. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 13. Oktober, an den Wochenenden sowie am Tag der deutschen Einheit geöffnet.

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