"Der November", sagt Markus Söder zum Ende seines Vortrags über die neuen Corona-Beschlüsse der Staatsregierung, "der November ist immer ein etwas düsterer Monat im Jahr. Mein Lieblingsmonat war er noch nie - und er wird es auch dieses Jahr nicht werden." Kein Wunder, denn der Ministerpräsident muss das Land wegen der rasant steigenden Zahl an Corona-Infektionen wieder in eine Art Dämmerschlaf versetzen. Es gehe nicht anders, wolle man den ganz großen Schaden abwenden. "Wenn man sieht, dass sich etwas entwickelt und man traut sich nicht zu entscheiden, dann begeht man eine politische Sünde", rechtfertigt sich Söder.
Nein, Spaß machen tue ihm das nicht, "aber wir sind alle in tiefer Sorge um das Land und um die Menschen". Denn Corona habe "nichts von seinem Schrecken verloren". Mehr Infizierte, mehr Intensivpatienten, mehr Tote - und so werde das auch nach dem Start des "Lockdown light" am Montag zunächst weitergehen, bis die Maßnahmen zu wirken begännen. "Es gibt keine Garantie, dass sich die Kurve abflacht, aber es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür", übt sich Söder in ein wenig Optimismus. Im Frühjahr während der ersten Welle habe der Lockdown ja auch funktioniert. Aus den Lehren von damals habe man aber auch entschieden, nicht wieder alles zum Erliegen zu bringen.
Was es jedoch dringend brauche, sei die Einschränkung persönlicher Kontakte. Um mindestens 75 Prozent empfehle die Wissenschaft. Wenn aber Schule, Kitas, Arbeitswelt und Einzelhandel offen bleiben sollen, dann müsse der Schwerpunkt der Kontaktvermeidung eben auf den Freizeitbereich gelegt werden. Er wisse, dass Kulturveranstalter, Gastronomen und Inhaber von Fitness-Studios viel in Hygienekonzepte investiert hätten, aber irgendwo müsse man halt ansetzen. Außerdem gelte: "Bei dem hohen Level an Infizierten und bei der breiten Streuung ist Ansteckung leider überall möglich."
Klar, das Schließen von Restaurants, Hotels und Kultureinrichtungen sei "besonders schmerzhaft", aber Söder wirbt mit den Staatshilfen, die als Ausgleich beschlossen wurden. 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 werden bei Betrieben bis 50 Mitarbeiter ersetzt, 60 Prozent bei allen größeren. "Ich wage zu behaupten, dass das mehr ist, als man bei irgendeiner Form von Öffnung in diesem November einnehmen könnte", sagt Söder. Rückendeckung bekommt er ausgerechnet von seinem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), dem nach dem ersten Lockdown die Öffnung von Hotellerie und Gastronomie gar nicht schnell genug gehen konnte. Es habe sich ja zuletzt schon bei geöffneten Lokalitäten abgezeichnet, dass die Gäste mehr und mehr ausgebleiben. "Ich bin nicht glücklich damit", bekennt Aiwanger in Sachen Schließungen, "aber da müssen wir jetzt durch."
Dass Treffen und Feiern nun in private vier Wände verlagert werden, glaubt Söder nicht. Schließlich seien die ab maximal zehn Personen aus höchstens zwei Hausständen "verboten und sanktionsbewehrt". Nun werde die Polizei nicht einfach so an Haus- und Wohnungstüren klingeln, aber wenn sie Hinweise auf eine illegale Party bekomme, werde natürlich eingeschritten. Verwandtenbesuche im kleinen Kreis seien also möglich, und Zweifel könne man ja auch mal telefonieren.
Wie es nach dem November weitergehen wird, lässt Söder offen. In zwei Wochen werde Zwischenbilanz gezogen, in vier Wochen über das weitere Vorgehen entschieden. "Ich hoffe, dass auf den dunklen November ein heller Dezember kommt", versucht Söder, Zuversicht zu verbreiten. "Ob das gelingt, hängt an uns allen!"















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