Es waren düstere Bilder, als Markus Söder im April eigenhändig ein Kreuz im Eingangsbereich der Staatskanzlei aufhängte. Der Kruzifix-Erlass war eine der ersten Amtshandlungen des damals frisch gewählten Ministerpräsidenten. Aktionismus und Hektik prägten fortan die wenigen Monate des Wahlkampfes in Bayern.
Nun hat Söder eine weitere Etappe seiner Karriere erreicht. Er ist für die nächsten fünf Jahre als Ministerpräsident bestätigt, er führt die Kuschel-Koalition mit den Freien Wählern. Nur eine Gegenstimme aus diesen Reihen - geschenkt. Doch der Weg zum richtigen Landesvater, zur Lichtgestalt, ist für den Franken noch sehr weit.
Immerhin, bei seiner ersten Rede nach der Wiederwahl traf Söder den richtigen Ton, zeigte sich versöhnlich statt verletzend. "Das Ringen um das Beste macht den Parlamentarismus stark. Wer den anderen nur schlecht macht, wird selber nie erfolgreich sein." Diesen Worten müssen nun Taten folgen.
Entscheidend wird für Söder sein, wie es mit Horst Seehofer weitergeht. Ein Miteinander der Alphatiere kann es nicht geben. Der Bundesinnenminister hat zu viel verbrannte Erde hinterlassen, als dass er als CSU-Vorsitzender weiter tragbar ist.
Söder muss Seehofer so schnell wie möglich loswerden und selbst die Partei führen, auch mangels Alternative. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt weiß die Partei nicht komplett hinter sich. Eher schon der Niederbayer Manfred Weber. Er wird die Posten des Parteichefs und möglichen EU-Kommissionspräsident aber kaum unter einen Hut bringen. Söder muss es allein richten. Eine Herkulesaufgabe in Zeiten schrumpfender Volksparteien.














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