Wandern beim Mühlsteinbruch bei Massenricht

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Expedition Erdgeschichte: Heute machen wir eine eher leichte Wanderung, die das Erdzeitalter mit dem Mittelalter verbindet. Erdgeschichte und Menschheitsgeschichte treffen hier aufeinander - und wunderschöne Natur gibt es obendrein zu bewundern.

Ein imposantes Felsmassiv, die Steilwand ist teilweise überhängend und bei Kletterern beliebt.
von Autor INDProfil
  • Rundwanderung ca. 6 km
  • Zeitbedarf ca. 2 Stunden
  • Schwierigkeit: Eher leicht, auch für Familien mit Kindern geeignet. Insgesamt nur 107 Höhenmeter auf 5,5 Kilometer, jedoch nicht für Kinderwagen geeignet.
  • Hervorragend informativ gestaltet durch Schautafeln (Initiative und Ausführung Josef Kohl, Massenricht).

Der historische Mühlsteinbruch bei Massenricht (Hirschau, Kreis Sulzbach-Rosenberg) ist eine über den Landkreis hinaus bekannte, einmalige und im wahrsten Sinne des Wortes "herausragende" geologische Formation. Gleich vorweg: Anstrengend wird diese Wanderung nicht, da kaum beschwerliche Steigungen vorkommen. Sie ist jedoch äußerst interessant, einmalig geologisch und historisch enorm wichtig zugleich - eine echte Expedition in Erde und Geschichte. Los gehts:

Start: Rödlaser Berghütte

Wir starten diese Rundwanderung in Raum und Zeit bei der Rödlaser Berghütte. Es geht vom Parkplatz auf der Teerstraße bergab, nach 200 Metern folgen wir links der Straßenführung (nicht dem grünen Punkt!) Die erste ausgeschilderte Abzweigung nach links zum Marterl hoch lassen wir noch liegen, die ist für den Rückweg, und erst nach 600 Metern biegen wir wieder links in einen Feldweg ein. Der größte Teil des Wanderwegs ist mit grünem Punkt auf weißem Grund ausgeschildert, weicht jedoch auch davon ab. Es empfiehlt sich, die Karte mitzunehmen.

Wir überqueren die AS 18 und gehen in den Feldweg, der uns abwärts direkt rechts am Träglhof vorbeiführt. Bereits nach wenigen Metern treffen wir auf eine von mehreren sehr informativen Schautafeln, die uns die Geologie einführen, welche mit der Geschichte der damals hier lebenden Menschen eng verbunden ist.

Noch geht es bis zum Waldbeginn leicht bergab. Achtung: Auf halber Höhe, an der Markierung, biegen wir rechts in den Wald ein. Viele sind hier schon vorbeigelaufen. Auch wenn man es diesen kleinen, romantisch anmutenden Waldwegen nicht mehr ansieht, wir befinden uns auf damals bedeutenden alten Wegen, auf denen die wertvollen und sehr schweren Mühlsteine abtransportiert wurden. Es waren pulsierende Lebensadern des frühen Mittelalters bis hinein in die Neuzeit, Seitenarme der goldenen Straße Nürnberg-Prag. Der Flurname heißt Hahnenholz, und nun sieht man deutlich die Freihunger Bruchzone. Entstanden ist sie bereits vor rund 100 Millionen Jahren. Als eine der nachweislich bedeutendsten geologischen Störungen des Bruchschollenlands verdankt sie ihre Entstehung der Auffaltung der Alpen. Von da an reiht sich ein Steinbruch an den anderen, erleb- und erfahrbare Erdgeschichte zum Anfassen.

In dem gut markierten Wandernetz verläuft sich niemand. Der grüne Punkt auf weißem Grund ist Hauptbestandteil unserer Tour.

Steinbruch und Tümpel

Durch die Beschilderung "Mühlsteinbruch Hahnenberg" werden wir kurz nach rechts vom Weg weggelotst und gehen ca. 50 Meter aufwärts. Der erste kleinere Steinbruch wird sichtbar, zu seinen Füßen ein runder smaragdgrüner Tümpel. Es ist ein Ausläufer des folgenden weit größeren Bruchs. Wir kehren zum Hauptweg zurück und überqueren einen kleinen, scheinbar unbedeutenden Bach, in dessen Umfeld jedoch Artefakte aus der Hallstattzeit, rund 1000 v. Chr., geborgen wurden. Es war ein ideales Siedlungsgebiet, da es Wasser, Anbauflächen, Schutz und Zuflucht zu den Felsen gleichermaßen bot.

Rechts ist eine bewachsene und bewaldete künstliche Anhöhe zu erkennen (ausgeschildert), die zur Lagerung des Abraums verwendet wurde. Es kreuzt ein neuer breiter Waldweg unsere historische Fahrrinne und wir erkennen gerade voraus links und rechts Hügel, durch die sich der schmale Weg hindurchschlängelt. Der tiefe Einschnitt eines aufgelassenen Hohlweges mit querliegenden Bäumen ist auf der linken Seite gut zu sehen.

Vor der Felswand

Leicht geht es wieder bergan. Völlig überraschend und unerwartet öffnet sich plötzlich der Blick und man steht vor einer langen, massiven, steilen Felsenwand. Es ist, als ob sich plötzlich ein überdimensionaler Theatervorhang hebt und man vor einer imposanten natürlichen Felsenkulisse steht. Das hätte man bei der bisher so lieblich und sanft geschwungenen Landschaft nicht vermutet. Und tatsächlich ist dies eine einmalige geologische Formation in unserem Landkreis und weit darüber hinaus.

Zwei Besonderheiten sind es, die diesen Mühlsteinbruch auszeichnen und seine Bedeutung gegenüber anderen hervorheben. Die Geologin Dr. Angela Wirsing schreibt dazu: "Es ist ein sehr harter Sandstein, kein Granit, der durch Kieselsäure verkittet und gehärtet wurde und nur hier in einem sehr schmalen Bereich vorkommt. Die zweite Besonderheit ist vor mehr als 90 Millionen Jahren entstanden: Durch die Bewegung der Erdkruste wurde die vorher horizontal liegende Gesteinsschicht steil und vertikal aufgestellt. Dadurch entstand diese großartige Felsformation."

Blick vom Aussichtsturm bis zum Fichtelgebirge, die Vulkankegel des Rauhen Kulms und des Parksteins sind gut zu sehen, ebenso im Südosten der Arber – aber nur bei sehr guter Sicht.

Geschichtliches

Wir stehen hier vor sichtbar gewordener Erdgeschichte und bestaunen die bis zu 20 Meter hohen, teilweise überhängenden Felswände. Die Menschen des Mittelalters erkannten die hohe Qualität und die Härte dieses Steines, Quarzit. Vor mehr als 400 Jahren wurden hier Steine gebrochen und als hochwertige Mühlsteine weit hinein ins Böhmische oder Fränkische transportiert.

Von der damaligen Betriebsamkeit des Mühlsteinbruchs lebten viele Menschen der Region. Sie holten das Gestein aus einer Tiefe bis zu 36 Klafter (etwa 63 Meter), bearbeiteten es und transportierten den fertigen, oft bis zu 34 Zentner schweren Stein mühsam ab. Der Wert des Steines entsprach im Jahr 1736 ungefähr dem eines Pferdes, also 25 bis 30 Gulden.

Weiter durch den "Urwald"

Unbeschwert dürfen wir nun auf dem alten Transportweg, auf dem viel Schweiß beim Abtransport der schweren Mühlsteine vergossen wurde, weiterwandern. Der Weg wird zum schmalen Pfad, der etwas oberhalb des früheren Transportweges verläuft. Zu beiden Seiten stehen bemooste Felswände, die Luft ist hier ständig feucht und kühl. Ein bemerkenswertes Kleinklima - die Bäume sind mit starken Flechten überzogen, liegen quer im alten Fahrweg. Die Kraft der Natur scheint hier ihre Ursprünglichkeit wiedergewonnen zu haben. Wunderbar ruhige Urwaldstimmung, untermalt mit Vogelgezwitscher, breitet sich hier aus.

Langsam steigen wir über angelegte Stufen hoch und verlassen das kleine Naturparadies. Nun haben wir zwei Möglichkeiten: Gehen wir nach rechts aus dem Wald hinaus und folgen der offiziellen Beschilderung, oder wenden wir uns nach links, damit wir eine weitere Besonderheit sehen können? Wir entscheiden uns für links und folgen der Markierung mit dem roten Punkt, später mit dem weißen Rechteck.

Die Tour ist gemütlich mit wenigen Steigungen. Bild: Hans Meindl

Schon nach einigen Metern entdecken wir eine auffällig gewachsene Buche (Markierung weißes Rechteck), bei der wir 5 Meter steil hinauf steigen. Auf dieser kleinen Hochfläche, von unten nicht einsehbar, stehen drei von Buben, deren Spielplatz noch die Natur ist, mit Ästen und Moos gebaute Lager. Sie sehen aus wie aus der Steinzeit gefallene Hütten, was den Einfallsreichtum der Bauweise und die besondere Lage betrifft.

Wir können diesen Abstecher auch seinlassen und der Markierung, die uns nun wieder abwärts führt, weiter folgen. Nach einiger Zeit müssen wir die Furt des Dürrnbaches überspringen, da hier keine Brücke ist. Bei anhaltender Trockenheit führt er jedoch kein Wasser. Danach kommen wir auf einen größeren Waldweg, dem wir dann nach links folgen.

Auf der linken Seite finden wir dann die Offenbarung eines im Jahre 2015 lange gut gehüteten Geheimnisses. Damals durfte keiner wissen, wo der Baum steht, der einmal als Christbaum den Petersplatz in Rom zieren sollte. Links vom Baumstumpf steht nun dieses von Alfons Nagler stilvoll geschnitzte Denkmal. Es soll an das einmalige Ereignis der Christbaumbaumspende an den Papst erinnern, das damals für Schlagzeilen sorgte.

Zum Aussichtsturm

Weiter geht es auf dem breiten Waldweg, bis wir links wieder den Träglhof erkennen. In diese Richtung biegen wir ab und stoßen auf den Weg, den wir gekommen sind. Wir folgen ihm, bis wir eine Markierung nach rechts zum Rödlaser Aussichtsturm finden. Etwas aufwärts, an einem Marterl und dem Wasserhochbehälter vorbei, kommen wir dem Turm näher. Gleich nach dem Hochbehälter scharf links liegt der Turm in greifbarer Nähe. Der Aufstieg über die 158 Stufen lohnt sich, denn die Mühe wird mit einem Ausblick über die gesamte Nordoberpfalz bis zum Fichtelgebirge und bei guter Sicht auch im Südosten bis zum Arber belohnt. Von nun an geht es nur noch abwärts und nach den vielen Millionen Jahren Erdgeschichte kehren wir in die Gegenwart zurück - und genehmigen uns in der Berghütte eine deftige Brotzeit. Falls Kinder dabei sind, können sie das Damwild im Rehgehege beobachten.

Die Rödlaser Berghütte wartet auf durstige und hungrige Wanderer. Jetzt ist sie wieder von Freitag bis Sonntag bewirtschaftet.
Die Rundwanderung startet bei der Rödlaser Berghütte.
Weitere Informationen:

Wer mehr über die Region unserer Wanderung erfahren möchte: Es gibt geführten Geo-Wanderungen der AOVE (Arbeitsgemeinschaft Obere Vils – Ehenbach) mit Dr. Angela Wirsing. Aktuelle Termine unter Telefon 09664/95 24 67 oder online unter:

www.aove.de

Zudem bietet der Geopark Bayern-Böhmen Führungen mit Georangern an. Infos unter Telefon 09602/9 39 81 66 oder online unter:

www.geopark-bayern.de

Außertourige Führungen für Wandergruppen, Schulklassen oder als Vereinsausflug übernimmt Josef Kohl, Kontakt unter E-Mail wander wege[at]massenricht[dot]de. Wanderkarten gibt es online unter:

www.massenricht.de

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