In Bayern wird ab diesem Mittwoch die umstrittene 2G-Plus-Regel entschärft. So entfällt die zusätzliche Testpflicht für geboosterte Personen ab dem 15. Tag nach der Auffrischungsimpfung. Davon ausgenommen sind Besucher von Alten- und Pflegeheimen. Außerdem gilt 2G-plus in Freizeit- und Kultureinrichtungen künftig nur noch für Innenbereiche. Wo sich Besucher überwiegend im Freien aufhalten wie in Zoos, botanischen Gärten, Freizeitparks und auf Ausflugsschiffen ist dagegen kein zusätzlicher Test für Geimpfte und Genesene mehr erforderlich. Das gilt auch für die sportliche Betätigung sowie für einige öffentliche Veranstaltungen unter freiem Himmel. Auch im touristischen Busverkehr entfällt 2G-plus. Dieser wird mit Rückkehr zur 3G-Regel wieder dem öffentlichen Nahverkehr gleichgestellt.
Ausnahme für Schüler um zwölf Tage verlängert
Weiter beschloss der Ministerrat auf seiner Sitzung am Dienstag, die Sonderregelung zur Ausnahme von 2G für minderjährige Schüler zunächst bis zum Ende der Weihnachtsferien am 12. Januar zu verlängern. Sie dürfen damit vorerst weiter auch ungeimpft in die Gastronomie sowie im Innenbereich Sport ausüben, Theater spielen und musizieren. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) appellierte an die Jugendlichen, die Verlängerung der Ausnahmeregel zur Impfung zu nutzen.
Unverändert gilt 2G-plus für Besucher von Sport- und Kulturveranstaltungen, für Messen und Kongresse, für Ausstellungen sowie für Bäder, Thermen, Saunen, Solarien und Fitnessstudios. Für die Silvester-Nacht hob die Staatsregierung die Sperrstunde in der Gastronomie auf. Dagegen bleibt es zum Jahreswechsel beim Böller-Verbot und dem Verbot von Menschenansammlungen von mehr als zehn Personen.
Kopfschütteln über Kardinal bei Söder
Mit Erleichterung nahm Söder den Rückgang der Infektionszahlen in Bayern auf. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag am Dienstag nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit bayernweit bei 383 und damit fast um die Hälfte niedriger als beim bisherigen Höchststand Ende November. Auch die Belegung auf den Intensivstationen ist seit einigen Tagen leicht rückläufig, trotzdem werden dort noch immer gut 1000 Covid-Patienten behandelt. Söder gab dennoch keine Entwarnung, da Wissenschaftler die neue Omikron-Variante des Corona-Virus als nach wie vor potenziell gefährlich einschätzen würden. "Delta schwächt sich ab, aber Omikron liegt auf der Lauer", sagte Söder. In Bayern gebe es derzeit 39 bestätigte Omikron-Fälle und 87 weitere Verdachtsfälle. Zum Schutz sei es nötig, die Impfkampagne "mit Volldampf" fortzusetzen.
Verständnislos reagierte Söder auf die jüngsten Äußerungen des früheren Regensburger Bischofs, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der in einem Interview Verschwörungsmythen verbreitet und Corona-Schutzmaßnahmen kritisiert hatte. "Ich verstehe es nicht", sagte Söder. Auf der einen Seite gebe "höchste wissenschaftliche Erfolge", auf der anderen einen "Rückfall in die Abkehr von Wissenschaft mit seltsamsten Theorien". Es brauche jetzt einen "großen Zusammenhalt", jeder sollte den Schutz der Menschen in den Vordergrund stellen.
Grüne: Müller bedient antisemitische Chiffren
Die zwei Oberpfälzer Bundestagsabgeordneten der Grünen, Stefan Schmidt (Regensburg) und Tina Winklmann (Schwandorf) sowie zwei weitere ostbayerische Grünen-Bundestagsabgeordnete kritisierten Kardinal für dessen Äußerungen zur Corona-Pandemie scharf. Sie warfen ihm vor sich "brandgefährlicher antisemitischer Chiffren" zu bedienen. In einem offenen Brief an Müller und dessen Nachfolger i in Regensburg, Bischof Rudolf Voderholzer, nannten sie Müllers Äußerungen "schockierend". "Gerade bei einem ranghohen und prominenten Diener der katholischen Kirche hätten wir es nicht für möglich gehalten, dass dermaßen krude und demokratiefeindliche Verschwörungstheorien ganz offen und ungehemmt zu Tage treten". heißt es im Schreiben von Schmidt, Winklmann, Marlene Schönberger (Rottal-Inn) und Erhard Grundl (Straubing). (mit paa)















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.