01.07.2020 - 17:41 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Mehr Oberpfälzer Bauern geben auf

Das Höfesterben in Bayern hat sich verlangsamt. Von 2017 bis 2019 gaben nur noch 1,3 Prozent der Landwirte ihren Betrieb auf. In der Oberpfalz lief der Strukturwandel dagegen schneller ab.

Bayern will den Umbau der Nutztierhaltung mit einem Investitionszuschlag für besonders tierfreundliche Stallsysteme vorantreiben.
von Jürgen UmlauftProfil

Im Jahr 2019 gab es in Bayern noch 105.297 landwirtschaftliche Betriebe, von denen knapp zwei Drittel im Nebenerwerb geführt wurden. Mit minus fünf Prozent die größten Verluste gab es bei den Betrieben in der Größenordnung von 10 bis 50 Hektar. Die Zahl der Großbetriebe über 100 Hektar stieg dagegen um 4,3 Prozent. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) sprach bei der Vorstellung des neuen Agrarberichts im Landtag von einem "erfreulichen niedrigen Niveau" des Strukturwandels. Dieses bestätige die "Krisenfestigkeit und den Beharrungswillen" der bayerischen Landwirte und spreche für den Erfolg der Agrarpolitik im Freistaat.

In der Oberpfalz sank die Zahl der Bauernhöfe mit einem Rückgang um 2,5 Prozent schneller als im Landesdurchschnitt. Die Zahl der Betriebe verringerte sich auf 13 069. Die Spanne reichte von einem Rückgang um 3 Prozent in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf bis zu minus 1,4 Prozent im Landkreis Tirschenreuth. Die Nebenerwerbsquote lag in der Oberpfalz bei 51,5 Prozent, die durchschnittliche Betriebsgröße bei 36,6 Hektar (Bayern: 30,2 ha). Stärkere Einbrüche verzeichneten die Tierhalter. Die Zahl der Höfe mit Milchkühen sank in der Oberpfalz um 10,8 Prozent und folgte damit der gesamtbayerischen Entwicklung.

Kaniber sah in der Krise der Tierhalter ein Alarmzeichen. Die Tierproduktion dürfe wegen zu hoher Auflagen nicht zusehends ins Ausland abwandern, wo oft laxere Bestimmungen gelten würden. Dennoch kündigte sie an, dem sich abzeichnenden Kompromiss zum Verbot der Kastenstandhaltung für Zuchtsauen am Freitag im Bundesrat zuzustimmen. Die Übergangsphase von acht Jahren sei akzeptabel und gebe den Landwirten Planungssicherheit. Kaniber kündigte für die bayerischen Ferkelzüchter eine "lukrative Umbauförderung" an. Man werde den von der EU zugelassenen Förderrahmen "voll ausschöpfen".

Nach dem außergewöhnlich guten Wirtschaftsjahr 2017/18 mussten die bayerischen Bauern in der Periode 2018/19 einen Gewinnrückgang um 17 Prozent auf durchschnittlich 54 696 Euro hinnehmen. Das Gesamteinkommen eines Betriebsinhaberehepaars inklusive aller Nebeneinkünfte sank um 11,4 Prozent auf 68 004 Euro. Laut Kaniber lag der Gewinn dennoch über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Hauptgründe für das Minus waren gesunkene Verkaufserlöse bei tierischen Produkten und hohe Futtermittelzukäufe aufgrund der Dürresommer. Gut die Hälfte des bäuerlichen Einkommens stammte aus staatlichen Beihilfen und Entgelten für Naturschutzmaßnahmen.

Besser sah die Einkommenslage im Öko-Landbau aus, dessen Betriebszahl von 2016 bis 2019 von 8414 auf 10 532 stieg. Dort sank der Unternehmensgewinn nur um 7,7 Prozent auf 58 271 Euro. Der Anteil der staatlichen Beihilfen betrug hier jedoch 75 Prozent. In der Oberpfalz lag der Anteil der Öko-Betriebe bei 6,5 Prozent. Die höchste Quote gab es mit 11,2 Prozent im Landkreis Neumarkt, die niedrigste im Landkreis Schwandorf (4 Prozent).

Die Corona-Krise und die Mastbetriebe

Weiden in der Oberpfalz
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