07.01.2021 - 18:28 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Minister Piazolo: "Mit Volldampf" in den Distanzunterricht

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sieht die bayerischen Schulen für den am Montag beginnenden Distanzunterricht gerüstet. Die Erwartungen an die Lernplattform Mebis schraubt er aber herunter.

Michael Piazolo (Freie Wähler), Kultusminister von Bayern
von Jürgen UmlauftProfil

"Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Distanzunterricht haben werden", sagte Piazolo am Donnerstag vor der Presse in München. Es sei dafür ein "verbindliches Rahmenkonzept" erstellt worden, die Teilnahme sei für alle Schüler verpflichtend. Experten seines Ministeriums sowie der Staatsverwaltung hätten zudem über die Weihnachtsferien "mit Volldampf" daran gearbeitet, die technischen Voraussetzungen zu schaffen. So sei die Lernplattform Mebis noch einmal aufgerüstet worden. Diese sei aber nur ein Baustein für den Distanzunterricht. "Wir haben viele Tools, und Mebis ist weiß Gott nicht das wichtigste", erklärte Piazolo. Die heftige Kritik an den Mebis-Pannen vor Weihnachten nannte er eine "beinahe unnatürlich gehypte Debatte".

Mebis sei vor mehreren Jahren als digitale Ergänzung zum normalen Präsenzunterricht konzipiert worden und nicht dafür, diesen zu ersetzen, erläuterte Piazolo. Es sei nicht für das zeitgleiche Lernen im Klassenverband gedacht gewesen. Dafür stünden den Schulen nun Programme wie MS-Teams und andere Video-Tools zur Verfügung. Aus dieser Grundkonzeption heraus sei auch zu erklären, warum Mebis oft Probleme mit einer hohen Zahl gleichzeitiger Nutzer habe. Piazolo empfahl den Schulen deshalb, die Plattform nicht für den täglichen "Startschuss" zum digitalen Unterrichtsbeginn zu nutzen, sondern dafür auf andere Tools auszuweichen.

Überforderung vorbeugen

In einem kultusministeriellen Schreiben werden die weiterführenden Schulen gebeten, den Aufruf von Mebis-Inhalten zunächst zeitlich zu staffeln, um einer Überforderung des Systems vorzubeugen. Dazu wurde eine bayernweite Rangliste erstellt. Vor allem am ersten Schultag solle Mebis "nur sehr zurückhaltend" genutzt werden, um Spitzenlasten zu vermeiden. Nach den Erfahrungen der ersten Schultage könne die Nutzung dann sukzessive ausgeweitet werden. Piazolo ergänzte, dass Distanzunterricht zwar überwiegend, aber nicht ausschließlich digital stattfinden solle. "Hefte, Schulbücher und Arbeitsblätter gehören wie im normalen Schulalltag genauso dazu", sagte er.

Insgesamt verteidigte Piazolo die Entscheidung, den Präsenzunterricht bis Ende Januar auszusetzen. Die sei vor dem Hintergrund weiter hoher Corona-Infektionszahlen "im Sinne des Gesundheitsschutzes" getroffen worden. Wenn andere Länder nun davon abwichen, gingen sie damit "voll ins Risiko". Er hoffe, dass Anfang Februar die ersten Schüler in Bayern wieder an die Schulen zurückkehren könnten. Priorität sah der Minister bei den Erstklässlern sowie den Abschlussklassen.

Absage der Ferien verteidigt

Piazolo verteidigte den Beschluss zur Absage der Faschingsferien, der auf Vorschlag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) getroffen worden sei. Man habe sich dabei von pädagogischen Argumenten leiten lassen. Zum einen bestehe die Chance, im dann hoffentlich wieder möglichen Präsenzunterricht Defizite aus dem Distanzunterricht auszugleichen, zum anderen wäre es wenig sinnvoll, die Schüler nach einer oder zwei Wochen Präsenzunterricht gleich wieder nach Hause zu schicken. Ob während der Faschingsferien Unterricht nach regulärem Stundenplan erfolgen werde, sei noch nicht geklärt. Möglich sei auch, Schwerpunktkurse in bestimmten Fächern anzubieten. Darüber werde in den nächsten Wochen entschieden.

Hintergrund :

Änderungen im Schuljahr

# Der Termin für das Zwischenzeugnis wird vom 12. Februar auf den 5. März verschoben. Auch die Übertrittszeugnisse in der 4. Klasse gibt es im Mai eine Woche später.

# In der 4. Klasse wird die Zahl der zum Übertritt verpflichtend angesetzten Proben von 18 auf 14 reduziert. An den Realschulen und Gymnasien kann es in den Jahrgangsstufen 5 mit 10 weniger Schulaufgaben geben.

# In allen Abschlussklassen sollen nicht prüfungsrelevante Themen nicht behandelt werden. Die Abschlussprüfungen werden an allen Schularten nach hinten verschoben. Die neuen Termine stehen noch nicht fest.

# Um Lernrückstände aus der Phase des Distanzunterricht aufzuholen, sollen für betroffene Schüler wieder Brückenkurse eingerichtet werden.

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