Update 05.08.2020 - 14:33 Uhr
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Mordfall Lübcke: Verdächtiger gesteht tödlichen Schuss

Der des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke beschuldigte Stephan Ernst hat die Tat gestanden. Das teilte sein Anwalt am Mittwoch mit. Lübcke war im Juni 2019 auf seiner Terrasse durch einen Kopfschuss getötet worden.

Stephan Ernst gestand am Mittwoch, den tödlichen Schuss auf Walter Lübcke abgegeben zu haben.
von Agentur DPAProfil

Frankfurt/Kassel. Im Prozess um den Mordfall Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst erstmals vor Gericht die Tat eingeräumt. Er habe den tödlichen Schuss abgegeben, ließ der 46-Jährige am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt über seinen Anwalt erklären. Bereits in einem ersten Geständnis, das Ernst vor Polizisten abgelegt hatte, hatte er die Tat eingeräumt. Später stellte er die Geschehnisse vor einem Ermittlungsrichter als Unfall dar und bestritt, die Waffe zum Zeitpunkt des Schusses gehalten zu haben.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel getötet worden. Der Deutsche Ernst muss sich wegen der Tat vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts verantworten. Laut Generalbundesanwalt handelte der 46 Jahre alte Familienvater aus rechtsextremistischen Motiven. Der zweite Angeklagte, Markus H., wird der Beihilfe beschuldigt. H. sei am Tatort dabei gewesen, sagte Ernst nun vor Gericht.

Dreifache Entschuldigung vor Gericht

Den Schilderungen seines Anwalts zufolge, fuhr Ernst zusammen mit Markus H. zum Wohnort des CDU-Politikers. H. habe ihm kurz zuvor noch gesagt: "Wenn er blöd kommt, dann erschieß' ihn." Angeblich sollte sich erst vor Ort entscheiden, ob der 65-Jährige "nur" bedroht und eingeschüchtert werden sollte oder ob die Waffe zum Einsatz komme. "Der Einsatz der Waffe war auf jeden Fall eine Alternative, die wir in Betracht zogen", lässt Ernst über seinen Anwalt sagen.

Ganz nahe habe er in jener Juni-Nacht 2019 Lübcke die Waffe vors Gesicht gehalten und ihm sinngemäß vorgehalten: "Für so was gehe ich jeden Tag arbeiten". H. habe noch, an Lübcke gerichtet, gesagt: "Zeit zum Auswandern." Wenig später sei der Schuss gefallen. Der Regierungspräsident sei zusammengesunken. Auf der Flucht habe er, Ernst, zu H. gesagt: "Ich glaube, ich habe ihn im Kopf getroffen."

Mit seiner Einlassung richtet sich der 46-Jährige, selbst Familienvater, auch an die Witwe und die beiden Söhne seines Opfers. "Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid." Gleich drei Mal. Die Familie sitzt ihm gegenüber, wie an fast jedem Verhandlungstag. "Was wir gemacht haben, war falsch, grausam und feige." Dann lässt er seinen Anwalt sagen: "Ich würde es gerne rückgängig machen." Er habe sich von "falschen Gedanken und falschen Personen leiten lassen". H. nennt er seinen "Mentor", der ihn radikalisiert habe.

Richter: "Hören Sie auf mich"

Im Januar hatte Ernst vor einem Ermittlungsrichter noch eine andere Version des Tathergangs geschildert: Er sei mit H. zu Lübckes Wohnhaus gefahren. Beide hätten den Politiker einschüchtern und bedrohen wollen. Der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe. Beide Tatversionen von Ernst sind in der Verhandlung bereits als Video gezeigt worden.

Warum Ernst sich nun wieder zur Tat bekennt, war zunächst unklar. Zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel die Angeklagten zu einem Geständnis aufgefordert: "Hören Sie nicht auf Ihre Verteidigung, hören Sie auf mich", sagt er. Ein frühzeitiges und von Reue getragenes Geständnis helfe immer.

Während des zweiten Geständnisses war Ernst von dem Rechtsanwalt Frank Hannig vertreten worden. Dieser wurde vergangene Woche auf Antrag des zweiten Verteidigers Mustafa Kaplan als Pflichtverteidiger abberufen. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte dazu erklärt: Die Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen Ernst und Hannig sei nachvollziehbar.

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