In Bayern wurden 2022 gut 109 000 Personen rechtskräftig verurteilt. Das entspricht fast exakt dem Wert des Vorjahres, wie aus der von Justizminister Georg Eisenreich (CSU) am Montag vorgestellten Strafverfolgungsstatistik hervorgeht. Es gab nur ein leichtes Plus um 0,1 Prozent. Nach einer Auflistung des Landesamtes für Statistik waren 2021 und 2022 damit die Jahre mit den niedrigsten Verurteiltenzahlen seit 2012. Ein Grund dafür könnte das in Bayern insgesamt, aber vor allem während der Corona-Pandemie gesunkene Kriminalitätsniveau sein. Die 2022 abgeurteilten Straftäter hatten ihre Delikte überwiegend 2021 und 2022 verübt.
Gewaltkriminalität von Jugendlichen gestiegen
An einigen Punkten verändert haben sich im vergangenen Jahr aber die Ursachen für eine Verurteilung. So stieg die Zahl der wegen Volksverhetzung Verurteilten um 17,9 Prozent auf 297 und die der Schleuser von illegal einwandernden Personen um 16,2 Prozent auf 525. Zugenommen hat auch die Zahl der wegen Gewaltkriminalität verurteilten Jugendlichen. Sie stieg um 4,6 Prozent auf 641. Auffällig dabei die Steigerung bei der gefährlichen Körperverletzung. Hier gab es 14,7 Prozent mehr Verurteilungen (477) als im Jahr davor. Es handelte sich dabei zum Beispiel um Angriffe mit Messern und Baseballschlägern oder aus Gruppen heraus, wie Eisenreich mitteilte.
Hass und Hetze im Internet
Im Durchschnitt aller Deliktsfelder ist 2022 die Zahl verurteilter Jugendlicher und Heranwachsender aber leicht gesunken. Umso mehr sprach sich Eisenreich für mehr Prävention und eine frühzeitige Intervention bei Gewaltkriminalität aus. "Jugendliche Intensivtäter müssen frühzeitig gestoppt werden", betonte er. Ein großer Teil der schweren Taten werde durch eine kleine Gruppe an Intensivtätern verübt. Hier gelte es anzusetzen. Auch gegen Hass und Hetze im Internet will Eisenreich wegen der gestiegenen Fallzahlen schärfer vorgehen. "Der Kampf gegen Hasskriminalität steht ganz oben auf meiner persönlichen Agenda", sagte er. Leider finde Hasskriminalität wie zuletzt durch den Terror-Angriff der Hamas auf Israel immer wieder neuen Nährboden.
Mehr Verurteilte im Bereich der Kinderpornografie
Als Folge der Verschärfung des Strafrechts bei Kinderpornografie stieg die Zahl der Verurteilten in diesem Bereich um 21,1 Prozent auf 676. Zu den Betroffenen gehörten aber auch Eltern, die einschlägige Fotos aus Chats ihrer Kinder zu Warnzwecken arglos an andere Eltern weitergeleitet hatten. Eisenreich begrüßte, dass sich die Justizministerkonferenz in solchen Fällen für eine Überarbeitung des Gesetzes ausgesprochen habe. Ins Visier der Justiz müssten vor allem die wirklichen Täter. Weiteren Handlungsbedarf sah Eisenreich im Kampf gegen Antisemitismus, beim Schutz vor Stalking sowie bei Cybercrime. Hier müsse das Strafrecht mit der zunehmenden Digitalisierung Schritt halten.
Von den 2022 rechtskräftig verurteilten 109 131 Personen waren 82,2 Prozent Männer. Für rund 40 Prozent der Betroffenen war es bereits mindestens die zweite Verurteilung in ihrem Leben. Der Anteil der verurteilten nicht-deutschen Täter lag - bereinigt um Verstöße gegen das Ausländerrecht - bei 42,3 Prozent (Vorjahr 41,8 Prozent). Insgesamt standen 2022 128 729 Personen vor einem bayerischen Strafrichter. Neben den gut 109 000 Verurteilungen gab es 2292 Freisprüche, 17 306 Verfahren wurden ganz oder gegen Auflagen eingestellt.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.