München
10.09.2024 - 16:41 Uhr

Kultusministerin Stolz plant heimatnäheren Einsatz junger Lehrkräfte

Seit Jahrzehnten klagen Junglehrer auch aus der Oberpfalz über zwangsweise Versetzungen in andere Regierungsbezirke. Kultusministerin Anna Stolz will das Problem nun anpacken. Hoffnungen auf die Wunschstelle für alle zerstreut sie aber.

Die bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) spricht auf einer Pressekonferenz zum Schuljahresanfang. Bild: Lennart Preiss/dpa
Die bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) spricht auf einer Pressekonferenz zum Schuljahresanfang.

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) will im Laufe des heute begonnenen Schuljahrs ein Konzept zum heimatnäheren Einsatz junger Lehrkräfte vorlegen. "Ich will überprüfen, ob wir mit den seinerzeit vom Landtag beschlossenen Versetzungskriterien noch zeitgemäß aufgestellt sind", sagte Stolz nach einer Sitzung des Ministerrats. Ziel sei es, den Junglehrern mehr Planungssicherheit zu geben. Es gehe ihr um Wertschätzung, fairen Umgang und die Verbesserung der Attraktivität des Lehrerberufs. Trotz aller Bemühungen werde es aber nicht möglich sein, jedem Bewerber seine Wunschstelle zu vermitteln, betonte Stolz. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits vor knapp zwei Jahren vom Kultusministerium ein Konzept zu heimatnäheren Verwendung junger Lehrkräfte gefordert.

Hintergrund ist an allen Schularten eine steigende Zahl frisch ausgebildeter Lehrkräfte, die die vom Freistaat angebotene Beamtenstelle nicht annehmen, sondern lieber einen befristeten Anstellungsvertrag mit einer Schule in Wohnortnähe abschließen oder in die Wirtschaft wechseln. Diese Schritte gehen inzwischen häufig Junglehrer aus Ober- und Unterfranken sowie aus der Oberpfalz, die sonst vor allem in den Ballungsraum München versetzt würden. Dieser hat nach Angaben von Stolz wegen des steten Zuzugs junger Familien einen weiter steigenden Lehrerbedarf. Eine allgemein befriedigende Lösung des seit Jahrzehnten schwelenden Versetzungsproblems sei deshalb schwierig. "Ich muss die Lehrer schließlich zu den Schülern bringen, nicht umgekehrt", betonte Stolz.

Nach einer Mitteilung der bayerischen Philologenverbandes (BPV) haben zum Start des neuen Schuljahres mehr als ein Drittel der frisch ausgebildeten Gymnasiallehrer die ihnen angebotene Beamtenstelle nicht angetreten. Konkret waren es 460 von 1235 Bewerbern. Als Hauptgrund für die Ablehnung nennt der BPV ein wohnortfernes Stellenangebot. Es müssten deshalb unbedingt Anreize geschaffen werden, um Orte, die den Bewerbern nicht zusagten, wenigstens zu einer "Option auf Zeit" zu machen, erklärte der im BPV die Nachwuchslehrkräfte vertretende Alexander Steenpaß. Wer als Lehrkraft heimatfern eingesetzt sei, müsse nach zwei bis sechs Jahren die Gewissheit haben, wunschgemäß versetzt werden zu können. "Es macht einen großen Unterschied, ob ich an einen Ort, der aktuell nicht in meine Lebensplanung passt, auf unbestimmte oder für begrenzte Zeit gehe", sagte Steenpaß.

Für das aktuelle Schuljahr sah Stolz die Lehrerversorgung bayernweit als gesichert. "Ja, wir haben Lehrermangel in Bayern, aber die Situation ist gut beherrschbar", bilanzierte sie. Besonders schwierig sei die Lage an den Mittelschulen. Insgesamt seien überall der Kernunterricht abgedeckt, die mobilen Reserven aufgefüllt und Kapazitäten für ergänzende Förderkurse und Neigungsgruppen vorhanden. Zum Schulstart würden rund 3800 Lehrkräfte neu eingestellt, 1600 davon zusätzlich, berichtete Stolz. Für 1,72 Millionen Schülerinnen und Schüler habe am Dienstag das neue Schuljahr begonnen, 31 000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Erstklässler stieg leicht auf 134 000.

Als übergeordnetes Ziel hat sich Stolz für dieses Schuljahr gesetzt, Druck aus dem Schulalltag zu nehmen, ohne die hohe Bildungsqualität zu gefährden. Auf den Prüfstand will sie in diesem Zusammenhang die unangekündigten schriftlichen Leistungsnachweise stellen. Im Dialog mit der Schulfamilie soll erörtert werden, ob auf diese – nach Schularten differenziert – ganz oder teilweise verzichtet werden könne. Zudem kündigte Stolz an, die Lehrpläne zu "entschlacken" und umfassend zu modernisieren.

 
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