Wegen mehrerer Großbaustellen im bayerischen Schienennetz müssen sich Fahrgäste in den kommenden beiden Jahren auf größere Unannehmlichkeiten einstellen. Die jeweils fast ganzjährigen Streckensperrungen zwischen Nürnberg, Regensburg und Passau sowie zwischen München und Salzburg werden viele Kapazitäten für Ersatzverkehre mit Bussen (SEV) binden, die dann möglicherweise in der Fläche fehlen.
Zudem werden die Ersatzverkehre sowie die aus den Sperrungen resultierenden Mindererlöse und weiteren Kosten dazu führen, dass ohne "frisches Geld" Mittel in dreistelliger Millionenhöhe für den Betrieb des Schienennahverkehrs in Bayern fehlen werden. Das wurde bei einem Fachgespräch im Verkehrsausschuss des Landtags deutlich.
An der Notwendigkeit der Baumaßnahmen zur Ertüchtigung des Schienennetzes in Bayern bestand bei Experten und Abgeordneten kein Zweifel. Allerdings forderten die Vertreter der Bahnunternehmen und Fahrgäste einen verlässlichen Ersatzbetrieb. Als Probleme wurden die knappen Planungskapazitäten der für die Baumaßnahmen zuständigen Bahn-Tochter "InfraGo" und das schon heute spürbare Fehlen von Bussen und Busfahrern genannt.
Gefahr für Unternehmen
Die Betreiber der Züge beklagten zudem, dass sie für die Kosten der Ersatzverkehre aufkommen müssten, obwohl sie für die Sperrungen nicht verantwortlich seien. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Besteller des Schienennahverkehrs im Freistaat fürchtet gar, dass einzelne Verkehrsunternehmen die langen Ausfallzeiten "nicht überleben" könnten. Nach dem Verursacherprinzip brauche es eine finanzielle der Beteiligung der "InfraGo" an den Ersatzverkehren.
Unabhängig von den Problemen aus den beiden Großbaustellen forderte Norbert Moy vom Fahrgastverband "Pro Bahn", die Baustellen an den Schienen insgesamt besser zu koordinieren. Oft würden Strecken mehrfach wegen zahlreicher Einzelmaßnahmen gesperrt, anstatt die Gewerke zusammenzulegen und gleichzeitig abzuarbeiten. Außerdem müssten die Ersatzverkehre mit Bussen digitalisiert werden, damit sowohl Fahrgäste als auch Busfahrer laufend über Fahrpläne und mögliche Anschlüsse informiert seien. So ließen sich auch ärgerliche Pannen in der Streckenführung oder bei der Anfahrt der SEV-Haltestellen vermeiden.
Mehr Übersicht nötig
Nach Angaben der BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs gibt es eine entsprechende digitale Plattform zu Organisation und Betrieb des SEV bislang nur im Münchner S-Bahn-Netz. Es sei aber geplant, diese App sukzessive auf ganz Bayern auszudehnen. Laut Stefan Kühn, der den Busverkehr bei DB-Regio Bayern koordiniert, könnte das digitale SEV-Tool in zwei Jahren bayernweit funktionsfähig sein. "Dann werden auch Live-Daten für Fahrgäste in den SEV-Bussen verfügbar sein", kündigte er an.
Der Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen, Stephan Rabl, sprach sich für veränderte Ausschreibungen für den SEV aus. Derzeit würden aus Kostengründen oft ortsfremde Busunternehmen beauftragt, die wenig flexibel agieren könnten und deren Fahrer zumeist keinerlei Ortskenntnisse hätten. Darunter leide die Qualität des SEV. Es müsse darauf hingewirkt werden, dass vermehrt kleine und mittelständische Busunternehmen aus der Region beauftragt würden, um auch die Wertschöpfung vor Ort zu halten.













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