02.09.2018 - 19:04 Uhr
Deutschland & Welt

Mund aufmachen: Immer und überall

Mit Blick auf Chemnitz fordert Außenminister Heiko Maas die Deutschen auf, sich gegen Rassismus zu engagieren. Er hat Recht. Es ist Zeit, den Mund aufzumachen - nicht nur in Chemnitz. Ein Kommentar von Eva-Maria Hinterberger.

Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto "Herz statt Hetze" hält ein Schild in Form eines Herzen hoch.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil
Kommentar

Seit einer Woche schüren Menschen mit rechter Gesinnung in aller Öffentlichkeit Fremdenhass. Es sind Bilder, die in Deutschland lange als undenkbar galten. Es sind Bilder, die Angst machen. Außenminister Heiko Maas fordert deswegen mit Recht, die Deutschen müssten "mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen", um sich für die Demokratie zu engagieren.

So, wie es an diesem Montag vermutlich Tausende in Chemnitz beim Konzert unter dem Motto "Wir sind mehr" machen werden. Sie werden ein wichtiges Zeichen gegen Rassismus setzen. Was sie wahrscheinlich nicht schaffen: AfD, Pegida und Konsorten umstimmen.

Denn denen geht es längst nicht mehr um die Tat von Chemnitz. Die Tatsache, dass ein 35-jähriger Mann ums Leben gekommen ist, ist in den Hintergrund geraten. Es geht diesen Menschen nur noch um Hass und Hetze gegen jeden, der anders ist oder anders denkt als sie selbst.

Sie fordern Recht und Ordnung in Deutschland. Schaffen es aber selbst nicht, sich an die Gesetze des Landes zu halten. Da wird in aller Öffentlichkeit der Hitlergruß gezeigt, es werden Haftbefehle veröffentlicht und Menschen angegriffen. Und dabei handelt es sich nicht nur um Ausländer: Am Wochenende waren es ein SPD-Politiker und ein Journalist.

Ihren Mangel an fundierten Argumenten versuchen diese Demonstranten durch Lautstärke, Gewalt und das Verbreiten von Angst zu kompensieren. Und das wird sich vermutlich auch nicht ändern.

Mit rationalen Argumenten kommt man da nicht weiter. Genau deswegen ist es jetzt umso wichtiger, nicht den Mund zu halten. Es ist umso wichtiger, aufzustehen und zu zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen anders denkt. Und zwar nicht nur Montagabend in Chemnitz, sondern immer und überall.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Richtig, eine Diskussion mit rationalen Argumenten und Fakten ist nicht mehr möglich mit Personen, die sich alternative Faktenlagen jenseits der Realität schaffen und Argumenten gegenüber nicht mehr aufgeschlossen sind!
Jetzt muss jeder anständige Mensch, der nicht wieder im Faschismus landen will, nicht fremdenfeindlich ist, keinem rechtsradikalen und völkisch-nationalistischem Gedankengut anhängt, aufstehen und Widerstand zeigen. Das Pack muss sehen, dass es auf keinen Fall "das Volk" repräsentiert. Sie müssen sehen, dass es nicht nur Linke und Antifa-Aktivisten sind, die sich gegen sie stellen, sondern der gesamte anständige Teil der Bevölkerung bis hin zu Erzkonservativen. Jeder anständige Mensch ist Antifaschist!
Das kann sicherlich kaum einen der verbohrten Hetzer zu einer Umkehr bewegen, vielleicht aber verhindern, dass sich noch unentschlossene, leicht beeinflussbare Personen von diesem Milieu einnehmen lassen.
Manche Städte, haben seit Jahren Initiativen, wie z.B. Regensburg mit der Initiative "Keine Bedienung für Nazis" und derem Slogan "Rassisten werden hier nicht nedient", der sich ein großer Teil der Gastronomie angeschlossen hat. So etwas muss deutschland-, ja sogar europaweit Anklang finden und weitergedacht werden. Warum sollen sich neben anständigen Gastronomen nicht auch anständige Handwerker überlegen, für wen sie arbeiten wollen? Warum sollen nicht anständige Geschäftsinhaber aussuchen, an wen sie ihre Waren verkaufen wollen? Warum sollen sich nicht anständige Kulturschaffende Gedanken machen, für wen sie auftreten? Es gibt bereits einige Beispiele dafür.
Ja, das ist Ausgrenzung! Aber warum sollen genau die, die am meisten ausgrenzen, nicht einmal am eigenen Leib spüren, wie das ist, ausgegrenzt zu werden?

03.09.2018