02.04.2021 - 17:13 Uhr
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Wie zu Hause, nur wilder: Das Metro war früher der nackte Wahnsinn

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Für viele war das Nabburger Metro in den 90ern und 2000ern ein zweites Wohnzimmer. Disco-Team und Gäste fühlten sich wie eine große Familie – die gerne die verrücktesten Partys feierte. Jeden Samstag wurde der Laden aufs Neue zerlegt.

Legendäre Disco: Das Metro steht in Nabburg schon seit den 80ern.
von Julian Trager Kontakt Profil

An einem Abend im Jahr verwandelten sich die Frauen im Metro in wilde Tiere. An Weiberfasching, so erzählt es die ehemalige Barkeeperin Anja, durften bis Mitternacht nur Frauen in die Nabburger Disco. Kurz vor Zwölf warteten sie in Reih und Glied im Eingangsbereich auf die ersten Männer, auf die sie dann „wie die Hyänen“ losgingen. „Die haben die Jungs bis auf die Unterhose ausgezogen“, sagt Anja. Einmal rissen sie einem sogar die Boxershorts herunter, erzählt die Barkeeperin lachend. „Der war halt dann den ganzen Abend nackert unterwegs.“ War aber allen egal, es blieb ja in der Familie. Im Metro gab es damals eine ganz besondere Verbindung zwischen Disco, Mitarbeitern und Gästen. Das berichtet jeder, der dort zu der Zeit regelmäßig verkehrte. „Wie zu Hause, nur lauter“, lautete später der Slogan der Disco. Lauter – und auch wilder. Im Metro wurden die verrücktesten Partys gefeiert. Es war der nackte Wahnsinn.

Die heute 35-jährige Anja war für viele Gäste mehr als eine Barkeeperin, sie war die „Metromutti“. Immer bereit, den Gästen zuzuhören, ihnen zu helfen. „Ich war auch die Station für den Herzschmerz“, sagt Anja, die 13 Jahre im Metro arbeitete, als Bedienung, hinter der Bar, später am Eingang. Redet sie über die „Metrofamilie“, kommt die Schwarzacherin aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Die Gäste haben uns immer unterstützt. Wenn wir mal wieder kein Bier mehr hinter der Bar hatten und ins Lager mussten, wurde da nichts geklaut. Oder sie halfen mit abzuräumen.“ Ab und zu zischte man einen Kurzen mit ihnen. Oder man fuhr manche Gäste am Ende der Nacht nach Hause, erzählt Alwin. Der Pfreimder diente 12 Jahre in der Disco, erst am Ausschank, dann lange als der Mann in der Cocktailbar. Er erinnert sich an einen, der immer Lutscher dabei hatte, nach jeder Bestellung lagen für den Barkeeper zwei Chupa-Chups-Lutscher auf der Theke. Oder der eine, der mal am Tresen eine Rock-im-Park-Szene nachbaute – mit Gummibärchen, zerrissenen Flyer und Zigaretten. „Die Leute im Metro waren einfach herzlich“, freundlicher, persönlicher als in anderen Clubs der Umgebung, wo Alwin nebenbei auch arbeitete.

Der „Becks-Mann“ an der Bar

Das Metro gibt es schon seit den 80ern und war damals Kult bei der heutigen Elterngeneration. Jahre später feierten dort dann ihre erwachsen gewordenen Kinder. Es war die Zeit von Anja und Alwin, eine Zeit, in der das Metro lange nur samstags offen hatte. Offiziell heißt die Disco seit Jahren Metropol, aber eigentlich sagt das kaum einer. Das Metro ist das Metro, aber seit dem Umbau 2010 ist es nicht mehr das alte Metro. Viele der alten Gäste konnten sich seitdem nicht mehr mit der nun schickeren Disco identifizieren, heißt es.

Das alte Metro hatte seinen ganz eigenen Charme. Den Haupteingang rein, an Kasse und Garderobe vorbei in die untere Ebene mit der langen Bar aus Backsteinen, hinter der Anja stand und an der der „Becks-Mann“ mit seinem Käppi und seinem langen, dünnen, geflochtenen Bart lehnte, Becks trank und das Spektakel um sich herum beobachtete. Daneben dunkelbraune Stühle und Tische, auf denen Herzen und andere Liebeserklärungen eingeritzt waren. Eine Couch, die jedes Mal neu überzogen werden musste. „Eigentlich war immer alles müßig, was wir gemacht haben“, sagt Anja, ging ja alles in der Nacht wieder kaputt. Dann die steile Treppe hoch. Links ein kleiner Raum mit weiteren Sofas, die Wände vollgekritzelt, die Luft manchmal etwas süßlich. „Die Lümmelecke“, sagt Anja. Rechts die Disco mit dem DJ-Pult und der abgesenkten Tanzfläche. Hinter einer Schwingtür die kleine, blaue Cocktailbar, hinter der Alwin Touchdowns, Zombies oder Long Island Ice Teas mixte. Vor Anja und Alwins Zeit gab’s sogar noch eine dritte Area, im Keller wurde oft Techno gespielt.

Ein VHS-Fundstück aus dem Metro von 1996

Kaputte Waschbecken

Im Metro waren rund 80 Prozent Stammpublikum, erzählen die Ex-Mitarbeiter. Punker mit grünen oder blauen Haaren, die Alternativszene. An den Füßen Chucks, darüber Carhartt. „Jesus“ war auch da, er trug immer ein Jesus-Shirt. Und natürlich die Jungs aus Schwandorf und Kreith, die ständig an der Bar hingen. „Was haben die mich genervt“, sagt Barkeeperin Anja, lacht und schiebt sofort hinterher: „Aber was haben wir auch für einen Spaß gehabt.“ Ärger mit und unter Gästen gab’s fast nie. Dreck und Scherben hinterließen sie aber ständig.

Gerade in den „Boom-Jahren“, wie Anja und Alwin die 90er und 2000er nennen, war das Metro samstags immer brechend voll. Von der Decke tropfte Wasser, der Boden pappte, auf der gefliesten Tanzfläche lagen haufenweise zerbrochene Gläser. „Ich hatte immer zwei Kleiderschränke“, sagt Anja. „Einen für den Alltag und einen fürs Metro.“ Vor allem in seiner Anfangszeit als Mitarbeiter ab 2002 erlebte Alwin die härtesten Partys in der Nabburger Disco. „Alle paar Wochen war das Waschbecken im Klo wieder kaputt“, sagt er. Irgendwann kam die Keramik raus und ein Teil aus Metall rein.

Weihnachten mit der Prominenz

Der wichtigste Tag der ganzen Metro-Saison war jedes Jahr der erste Weihnachtsfeiertag. „Da war die ganze Prominenz da“, erinnert sich Alwin. „Alles was Rang und Namen hatte.“ Die Generationen von früher, auch solche, die nun schon Kinder hatten. Die Leute standen draußen bis zur Hauptstraße, jeder wollte an diesem Abend ins Metro. „Da hast du drinnen wirklich nicht umfallen können“, erzählt der Pfreimder. „Da hat man dann gut eine Viertelstunde gebraucht, bis man von der Cocktailbar in den Kühlraum und mit dem Biernachschub wieder zurück kam.“

DJ Steve la Roc prägte das Metro musikalisch. „Der hat das ganze auch mit ausgemacht“, sagt Anja. Rage Against the Machine, Foo Fighters, Blink 182, Oasis, auch die Beginner oder Deichkind. Aber keine Charts, kein Black, kein R’n’B. „Damit hat sich das Publikum selbst aussortiert“, erklärt Alwin. „Im Metro waren komplett Gleichgesinnte“, egal ob Gast oder Mitarbeiter. „Wenn „Don’t Stop Believin’“ von Journey lief, haben wir alles liegen lassen und sind auf die Theke, haben getanzt und mitgesungen“, erzählt Anja, die ihre Zeit im Metro als die „schönste in ihrem Leben“ bezeichnet. Zum Abschluss der Partynacht legte DJ Steve la Roc jedes Mal Frank Sinatras „New York, New York“ auf. Und die Metrofamilie grölte mit.

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