09.01.2020 - 20:03 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

Hüterin des kulturellen Erbes geht

Birgit Angerer spricht vom Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen als "dem schönsten Freilandmuseum in der ganzen Welt". Diesen Platz räumt sie und geht in Ruhestand. Tobias Hammerl zieht als Leiter "in das Paradies auf Erden" ein.

Thomas Dürr, "Der Barde von Laaber", sorgt für die passende Musik zur feierlichen Verabschiedung von Birgit Angerer (links). Mit im Bild Bezirkstagspräsident Franz Löffler (vorne rechts) und Angerers Nachfolger als Leiter des Freilandmuseums Neusath-Perschen Tobias Hammerl (rechts daneben).
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Von Irma Held

Bei der Verabschiedung der Museumsleiterin am Donnerstagnachmittag im Ausstellungsgebäude in Neusath ist die Stimmung heiter-humoristisch. Es wird viel gelacht. Und das nicht nur, weil der Altneihauser-Feuerwehr-Kommandant Norbert Neugirg gleich nach dem Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler seine Gedanken zum Abschied von Frau Angerer zum Besten geben darf.

"Das Bezirksgerümpel Neusath-Perschen ist ein Ort, wo Weiber herrschen", weiß er aus eigener Erfahrung. Er verrät den geladenen Gästen: "Als Chefin, die sonst Dirndl hasst, bewies sie auch, dass ihr ein's passt." Nicht nur einmal wird anekdotisch auf die Hamburger Deern angespielt, die es ins Zentrum der Oberpfalz, an die Spitze einer Einrichtung verschlagen hat, die das kulturelle Erbe der Oberpfälzer Vergangenheit pflegt. Die Mitarbeiter drehen den Spieß um. Sie singen ihr, da sie doch ihre liebe Not mit der Oberpfälzer Mundart hat, ein plattdeutsches Lied.

Doch beim Abschied wird für die Liebhaberin klassischer Musik nicht nur die Unterhaltungsmelodie gespielt. Bezirkstagspräsident Franz Löffler verneigt sich tief vor dem Lebenswerk der Frau, die 18 Jahre in Neusath gearbeitet und zwölf davon als Chefin dem Museum ihren Stempel aufgedrückt hat. Sie "hat den Stunden, Tagen und Jahren hier im Museum eine wirklich ganz besondere Qualität gegeben." Franz Löffler zufolge hat sie durch ihre Arbeit Wissen geschaffen, zum Beispiel durch die Museumspädagogik.

Für den Altneihauser-Feuerwehrkommandanten Norbert Neugirg ist gewiss, "die Frau hat ihre Mission erfüllt."

Dabei sei es ihr immer ein Anliegen gewesen, ein differenziertes Bild der ländlichen Kultur der Oberpfalz zu vermitteln. Aus diesem Anspruch heraus, nahm sie soziale Strukturen ebenso in den Blick wie die Natur. Mit der Umweltbildung und der Weltwasserwoche sei sie ihrer Zeit voraus gewesen. Die Anerkennung des Museums als Umweltstation ist für den Bezirkstagspräsidenten eine logische Folge ihres Engagements. Durch ihre ruhige, ausdauernde Art sei es ihr gelungen Konflikte beizulegen, denn nicht immer sei die Bezirkseinrichtung in ruhigem Fahrwasser geschippert. Franz Löffler skizziert sie als gute Netzwerkerin.

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Herbert May, Museumsdirektor in Bad Windsheim, zeigt für die Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Freilichtmuseen die wissenschaftliche Seite Birgit Angerers auf, die neben der Mitarbeit an Ausstellungen ebenso in Aufsätzen in den Begleitbänden zutage tritt. Die studierte und promovierte Kunstgeschichtlerin, Archäologin und Volkskundlerin setzt sich besonders für alte Bauernhäuser an Ort und Stelle ein. Ein Museum sei nur die zweitbeste Lösung. "Heimat - deine Bauten" zählt May zu Birgit Angerers profiliertesten Projekten.

Die Museumsmitarbeiter singen der gebürtigen Hamburgerin ein plattdeutsches Lied.

Dem Vorsitzenden des Fördervereins Oberpfälzisches Bauernmuseum, Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl, und Personalratsvorsitzendem Anton Kraus bleibt nichts mehr hinzu zu fügen. Und die in den Ruhestand verabschiedete Museumsleiterin rät zu mehr Stolz, denn das sei eine Eigenschaft die den Oberpfälzern abgehe. Freut sich ihr Nachfolger Tobias Hammerl auf das Paradies auf Erden, in dem er jetzt arbeiten dürfe, spricht sie vom schönsten Freilandmuseum auf der ganzen Welt. Dazu hallen des Kommandanten Worte nach: "Für Neusath-Perschen gilt, die Frau hat ihre Mission erfüllt."

Frau Dr. Angerer hat den Stunden, Tagen und Jahren hier im Museum eine wirklich ganz besondere Qualität gegeben.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler

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