Kartoffelernte im Landkreis Schwandorf bisher durchwachsen: Zu viel Regen tut auch nicht gut

Nabburg
30.08.2023 - 16:13 Uhr
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Mancher Landwirt hat die Kartoffeln in der sommerlichen Trockenphase schon fast aufgegeben. Der Regen vor einigen Wochen löst, aber schafft auch wiederum Probleme. Direktvermarkter Mathias Hösl aus Perschen ist "eigentlich zufrieden".

Es ist ein Auf und Ab für die Kartoffeln auf den Feldern: erst heiß und trocken, dann feucht und kühl, wieder heiß und trocken und jetzt wieder feucht und kühl. " Das Beregnen hat sich mit Sicherheit rentiert", meint Josef Irlbacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Stulln und Umgebung mit Blick auf die Trockenzeit zu Oberpfalz-Medien. Bewässert hat Direktvermarkter Mathias Hösl Anbauflächen für Frühkartoffeln. "Wo bewässert wurde, hat es gepasst, wo nicht, ist es wie voriges Jahr", sagt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Das heißt die Ernte dort fällt mager aus.

Krautfäule und Durchwuchs

Bei den mittelfrühen Sorten – Irlbacher nennt "Gala" als Beispiel – dasselbe Bild: zufriedenstellender Ertrag bei Bewässerung, ohne deutlich weniger Ertrag. "Der Regen hat bei späten Sorten einiges gerettet." Josef Irlbacher, Landwirt und Verbandsfunktionär, ist vorsichtig optimistisch, denn die Ernte und damit die Qualitätskontrolle stehen erst noch an. Zu viel Nass von oben, besonders nach der Trockenphase, bringt nicht nur Gutes. Der Pilz, der die Krautfäule auslöst, findet einen optimalen Nährboden. Bereits ausgereifte Knollen oder auch die Pflanze treiben nach einer Durststrecke bei Regen noch einmal aus und bilden eine zweite Generation. Josef Irlbacher spricht von Durchwuchs.

Keine großen Vorräte im Haus

Diesen Durchwuchs, auch Zwiewuchs genannt, fürchtet Mathias Hösl ebenso. Die Lagerfähigkeit, besonders der Einkellerungskartoffeln, die in fünf bis sechs Wochen geerntet werden, leidet darunter. Einkellerung bedeutet nicht mehr, dass der Endverbraucher sich einen, zwei oder drei Zentner an Vorrat in den Keller legt. Vielmehr kellern die Direktvermarkter ein. Mathias Hösl hat 2,5, 5 und 12,5 Kilogebinde im Angebot. "Die meisten kaufen 2,5 oder 5 Kilo Kartoffeln." 25 Kilo hat er inzwischen aus dem Sortiment genommen. "Sie sind den Kunden zu schwer und können schlecht gelagert werden." Langsam runtergekühlt und belüftet fühlt sich die Kartoffel bei 4 bis 4,8 Grad am wohlsten. Mathias Hösl ist zuversichtlich Kunden übers Jahr gut beliefern zu können und Josef Irlbacher, der mit weiteren Landwirten in der Erzeugergemeinschaft Burgis versorgt, dass Kollegen Ausfälle bei den Frühkartoffeln mit späteren Sorten ausgleichen können. Im Landkreis Schwandorf liefern zwei Erzeugergemeinschaften im Vertragsanbau an die Verarbeiter Burgis in Neumarkt und Lorenz Snack World in Neunburg vorm Wald.

Zwiewuchs verfüttern

Doch wohin mit dem Zwiewuchs, der für eine Verwertung alles andere als ideal ist, obwohl laut dem Perschener Landwirt der Geschmack nicht darunter leidet. Diese Knollen werden an Enten, Hühner und Gänse oder in Biogasanlagen an Bakterien verfüttert. Mathias Hösl spricht davon, dass die Klimaveränderung da ist. Josef Irlbacher rät, beide Extreme – Trockenheit und Nässe – im Blick zu haben, vor allem aber für Trockenzeiten zum Beispiel mit dem Anlegen von Wasservorräten vorzusorgen. Mit der Beregnung aus natürlichen Wasservorkommen den Ertrag abzusichern, wird seiner Meinung nach zunehmend schwieriger. Stichwort: sinkende Grundwasserpegel. Aus Naab und Schwarzach darf kein Wasser entnommen werden. Eine Bewässerung aus eigenen Teichen oder Brunnen bedarf grundsätzlich auch der Genehmigung. Ein Versöhnliches, egal wie sich der Niederschlag auf die späten Kartoffelsorten, auswirkt hat die Regenzeit nach der Hitzewelle Juli für Josef Irlbacher dennoch: "Mais und Grünland haben sich erholt."

Hintergrund:

Kartoffeln

  • Pflanze: Nachtschattengewächs, vom Botanischen Sondergarten Wandsbek zur Giftpflanze des Jahres 2022 gekürt. Essbar ist nur die Knolle.
  • Unterscheidung: in festkochende, vorwiegend festkochende und mehligkochende Sorten – je nach Verwendung für Kartoffelsalat bis Kartoffelpüree.
  • Reifezeit: liegt bei sehr frühen und frühen Sorten im Juni und August. Mittelfrühe Sorten werden Ende August geerntet, mittelspäte bis späte Sorten im September und Oktober.
  • Lagerung: Abtrocknungsbelüftung, da die Knollen feucht aus der Erde kommen. Die eigentliche Lagerung erfolgt bei einer Temperatur von vier Grad. Vor dem Verkauf werden die Knollen langsam wieder auf zehn Grad Celsius erwärmt.
  • Pro-Kopf-Verzehr: rückläufig, im Durchschnitt rund 56 Kilogramm 2021, 2000 rund 70 Kilogramm, (Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft)
 
 

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