12.07.2019 - 13:30 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

Spielerisch-geniale Originalität

Martina Eisenreich, Andreas Hinterseher und Wolfgang Lohmeier zu Gast im Nabburger Schmidt-Haus - mit Geige, Akkordeon und Schlagzeug.

Martina Eisenreich, Wolfgang Lohmeier und Andreas Hinterseher schaffen mit ihrer Musik Bilder im Kopf.
von Autor KBWProfil

Eine laue Sommernacht, viele Kerzen und drei virtuose Musiker schufen eine be- und verzaubernde Atmosphäre im Innenhof des Schmidt-Hauses. Wieder einmal war Geigerin Martina Eisenreich zu Gast, diesmal im Duo mit dem Akkordeonisten Andreas Hinterseher.

Es ist einfach beeindruckend, welche Vielfalt an Klängen, Tempi, ob gezupft, gestrichen oder "geschlagen" diese Frau ihrem Instrument entlockt. Die Geige flüstert, klagt, gibt sich orientalisch, dominiert, jubiliert, triumphiert. Sie lässt einen dahinschmelzen, macht wehmütig, erzeugt ungemeine Freude und fast andächtige Stille.

Unterstützt wird diese grandiose Performance durch Tontechniker Wolfgang Lohmeier, der genau weiß, wann welches Instrument mehr Power oder Hall benötigt, in Nuancen höher oder tiefer klingen soll. Bei mehreren Stücken ist er als Percussionist mit einer Vielzahl an originellen Schlaginstrumenten auf der Bühne und schafft wundersame Räume für die Musikbilder des Abends: Auf einem Dromedar wird die tunesische Küste im Morgengrauen schwankend erforscht, eine waghalsige Flucht quer über den Balkan nimmt schließlich doch noch ein glückliches Ende. Auf einer malerischen Insel im Golf von Neapel vereinen sich Poesie und eine große Liebe.

Andreas Hinterseher ist für seinen Auftritt im Schmidt-Haus zwischen zwei "Quadro Nuevo" Konzerten fast 1900 Kilometer unterwegs. Am Vorabend beim Jubiläumsfestival in Castelfidardo, der europäischen Hauptstadt des Akkordeons, saß sein großes Vorbild Richard Galliano in der ersten Reihe. Diese eingestandene Nervosität des vergangenen Tages ist in Nabburg wie weggeblasen. Hinterseher führt auf seine ureigenste, verschmitzt-trockene Art durchs Programm, vermittelt augenzwinkernd "wichtige" Erkenntnisse zur Musik und fürs Leben.

An seinem Instrument scheint er dieser Welt zu entschwinden. Er geht völlig in seiner Musik auf. Inbrünstig, federleicht, bombastisch wirbelt er auf dem Akkordeon, variiert, ja meditiert. Das Ganze geschieht scheinbar spielerisch in absoluter Abstimmung mit seiner Partnerin. Es hat schon viele Menschen beglückt, dass Andreas Hinterseher bei der Instrumentenwahl in den 80er-Jahren das Akkordeon - trotz der wesentlich geringeren Erfolgsaussichten beim weiblichen Geschlecht - der Gitarre vorzog und ihm treu blieb. Wenn er dazu noch eine perfekte Bühnenpartnerin wie Martina Eisenreich gefunden hat, bleibt dem Konzertbesucher die Erkenntnis: Zusammen können die beiden be-zaubern.

Martina Eisenreich, Wolfgang Lohmeier und Andreas Hinterseher schaffen mit ihrer Musik Bilder im Kopf.
Martina Eisenreich und ihr kongenialer Partner Andreas Hinterseher schaffen mit ihrer Musik Bilder im Kopf.
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