24.01.2020 - 15:45 Uhr
Deutschland & Welt

Vom Nerd-Thema mitten ins Leben: Entwicklung smarter Haustechnik

Fernseher mit Sprachsteuerung, Kühlschränke, die Auskunft über ihren Inhalt geben und Heizungen, die selbstständig Tarife auswählen – das einstige Nischenthema „Smart Home“ erobert zunehmend Deutschlands Haushalte.

Alexa, mach das Licht blau!“ Zwei Frauen im Wohnzimmer mit Smart TV und LED-Beleuchtung, deren Helligkeit und Farbton sich per Sprachsteuerung anpassen lassen. (Gestellte Szene)
von Agentur DPAProfil

Deutschland wird immer smarter – vor allem zu Hause. Was einst als skurriles Nischenthema vor allem Technikfans in Wallung versetzte, begeistert immer mehr Menschen: die Digitalisierung der eigenen vier Wände durch smarte Endgeräte und deren Vernetzung miteinander. In einem Smart Home kommunizieren die unterschiedlichsten Gegenstände miteinander – von der intelligenten Lampe über den Fernseher bis hin zur Waschmaschine. Die Bedienung erfolgt meist über eine App auf dem Smartphone oder gar per Sprachsteuerung.

"Smart Home" gesucht:

Welcher "Technik-Fan" gewährt Einblick

In der Theorie klingt’s gut: „Smart Home“ erleichtert den Alltag. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Das würden wir gerne an einem Oberpfälzer „Smart Home“ ergründen.

Deshalb sucht Oberpfalz-Medien nach einem „Technik-Fan“, der seine Haustüre öffnet. Einblick in sein „smartes“ Leben gewährt und auch mit Tipps weiterhilft: Welche Anwendungen sind ihr Geld wert, welche versprechen mehr, als sie halten?

Wer die Leser von Oberpfalz-Medien an seinem Erfahrungsschatz teilhaben lassen will, schreibt eine E-Mail an: themen[at]oberpfalzmedien[dot]de

Allein in den vergangenen zwei Jahren ist der Umsatz an Smart-Produkten laut Statista von 2,47 auf 3,64 Milliarden Euro gestiegen. Für 2023 wird ein Marktvolumen von 6,06 Milliarden Euro prognostiziert – das entspräche einem jährlichen Umsatzwachstum von 13,6 Prozent. Verfügen aktuell 16,5 Prozent der deutschen Haushalte über ein oder mehrere smarte Endgeräte, werden es 2023 voraussichtlich mehr als 32 Prozent sein.

Verspäteter Start in Deutschland

„Dabei ist Smart Home gar keine neue Entwicklung“, sagt David Wulf, Geschäftsführer und Redaktionsleiter des Portals Home&Smart. „Das Thema ist mehr als 30 Jahre alt. Allerdings wurde es in Deutschland nie massentauglich, weil man zu lange daran festgehalten hat, einen gemeinsamen Kommunikationsstandard zu fordern, der alle Geräte auch unterschiedlicher Hersteller im Smart Home miteinander vernetzten sollte.“ Ein Vorhaben, das sowohl Anbieter als auch Verbraucher jahrelang zögern ließ.

Der Durchbruch kam 2016 mit dem Amazon-Sprachassistenten Alexa. „Alexa war durch seine riesige Marktmacht quasi der Türöffner für Smart Home in Deutschland“, so Wulf. Laut dem Trendmonitor 2019, für den das Marktforschungsinstitut Nordlight Research 1000 Personen ab 14 Jahren befragt hat, steht inzwischen in vier von zehn deutschen Haushalten ein SmartTV. Mit großem Abstand folgen digitale Sprachassistenten (22 Prozent) und smarte Fitnessarmbänder (17 Prozent).

Smarte Fernseher im Fokus

Diese Tendenz machte sich auch auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin bemerkbar. Dort standen SmartTVs besonders im Fokus – etwa der erste zusammenrollbare Fernseher der Welt, der LG OLED TV R9. Sein Bildschirm ist mit drei Millimetern derart dünn, dass er sich zusammenrollen lässt. Ein smarter Prozessor mit Lernfunktion sorgt dafür, dass Bild und Ton jeweils optimal an die Aufgabe angepasst werden. Die Sprachsteuerung über Alexa oder Siri ist Standard – und kaum noch der Rede wert.

Das Konkurrenzprodukt von Samsung hat einen 219 Zoll großen Bildschirm – umgerechnet rund 5,5 Meter – und trägt nicht umsonst den Namen „The Wall“. In den USA und Korea kann man die riesige TV-Neuheit bereits seit Monaten kaufen, in Deutschland ist sie seit Oktober erhältlich.

Auch Augmented Reality (AR) ist auf Fachmessen ein großes Thema. Unternehmen haben das Potential längst für sich entdeckt und bieten Apps an, mit denen virtuelle Möbel im Wohnzimmer platziert oder neue Kleidungsstücke am eigenen Körper anprobiert werden können. Nun hält AR auch Einzug in Deutschlands Haushalte. Durch smarte Schminkspiegel oder durch Sportprogramme für den Fernseher, die den Hobbysportler vor dem TV-Gerät mittels eingebauter Kamera auf dem Bildschirm neben den persönlichen Trainer im Fitnessstudio positioniert.

Noch nicht im Alltag angekommen

Bislang setzen die Deutschen vor allem auf kleinteilige Plug-and-Play-Anwendungen. „Man tauscht jetzt nicht seine Heizung aus, nur um sie smart zu machen“, sagt Smart-Home-Experte Wulf. Entsprechend liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 4 der „smarten“ Länder – zwar fast gleichauf mit Großbritannien auf Platz 3, aber doch weit hinter den beiden führenden Märkten USA und China, wo umfassende smarte Anwendungen bereits zum Alltag gehören. In Shanghai öffnet man die Haustür per Fingerabdruck und steuert über ein MixPad die komplett vernetzte Wohnung. Lampen anschalten, Radiosender einstellen, die Klimaanlage steuern – das alles kann per Sprachkommando von der Wohnungstür aus erfolgen.

Die Deutschen hingegen interessieren sich derzeit vor allem für smarte Haushaltsgeräte. Deren Umsatzvolumen lag 2017 bei rund 490 Millionen Euro. Bis 2023 soll es jedoch auf 1,36 Milliarden Euro ansteigen – ein Zuwachs von mehr als 277 Prozent. Auch hier zeigten die Hersteller auf der IFA den Weg in die Zukunft: Dann öffnet sich die Backofentür per Sprachbefehl und der Kühlschrank verschickt Bestandsaufnahmen seines Inhalts per Foto aufs Telefon. So kann der Hausbewohner schon im Büro oder von unterwegs nachschauen, ob noch Milch da ist und welche Zutaten fürs Abendessen zur Verfügung stehen.

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