Update 05.03.2021 - 11:00 Uhr
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Die neuen Corona-Regeln in Bayern im Überblick

Mit vielen Wenns und Danns skizziert Bayern die nächsten Schritte in der Coronakrise. Einige Regeln werden entschärft – wenn die Inzidenzwerte stimmen. Was heißt das für die Bürger im Allgemeinen? Und für die Nordoberpfälzer im Speziellen?

Nach den bereits erfolgten ersten Öffnungen bei Schulen und Friseuren sollen nach dem Beschluss der Bund-Länder-Runde nun in einem zweiten Schritt auch Buchhandlungen folgen - wenn die Inzidenzen stimmen.
von Jürgen UmlauftProfil

Der bayerische Ministerrat hat die Berliner Corona-Beschlüsse vom Mittwoch auf Bayern übertragen. Demnach bleiben die Beschränkungen in Hotspots mit einer Sieben-Tages-Inzidenz über 100 unverändert – was derzeit auf die ganze Nordoberpfalz zutrifft. Im Inzidenzbereich von 50 bis 100 gibt es begrenzte Lockerungen, im Bereich unter 50 zum Teil weitreichende. Die Maßnahmen im Einzelnen:

Schulen und Kitas:

Ab dem 15. März dürfen - mit Ausnahme der Hotspots - die Schüler aller Jahrgangsstufen zurück an die Schulen. Bei einer Inzidenz unter 50 gibt es regulären Präsenzunterricht für alle mit Maske und Hygienekonzept, bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 Wechselunterricht in geteilten Klassen. Diese Festlegung gilt jeweils für eine Schulwoche, auch wenn sich der Inzidenzwert im Laufe dieser Woche ändert. Die Osterferien sind regulär schulfrei. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte, man vergesse die Schüler in den Hotspots nicht. Für diese würden zusätzliche Förderangebote vorbereitet. In den Kitas gilt bei einer Inzidenz unter 50 Regelbetrieb, bei 50 bis 100 eingeschränkter Betrieb, über 100 Notbetreuung.

Handel, Kultur und Sport:

Ab dem 8. März darf in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tages-Inzidenz unter 50 der Einzelhandel wieder öffnen. Es gilt dabei Maskenpflicht und eine flächenabhängige Höchstkundenzahl. Öffnen dürfen zudem Museen, Bibliotheken, Zoos und Gedenkstätten. Auch hier gelten Höchstbesucherzahlen. Erlaubt wird zudem kontaktfreier Sport im Freien mit maximal zehn Personen. Sollte der Inzidenzwert am 22. März noch unter 50 liegen, können auch Gaststätten, Theater und Kinos öffnen, zudem ist dann kontaktfreier Sport im Innenbereich und Kontaktsport im Freien zugelassen.

In Regionen mit einer stabilen Sieben-Tages-Inzidenz von 50 bis 100 darf der Einzelhandel für Kunden nach vorheriger Terminbuchung öffnen. Pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche wird ein Kunde zugelassen. Museen, Bibliotheken, Zoos und Gedenkstätten dürfen nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Individualsport ist im Freien für maximal fünf Personen aus zwei Haushalten möglich, Kinder unter 14 Jahre dürfen in Gruppen bis zu 20 im Freien Sport treiben. Sollte der Inzidenzwert am 22. März noch zwischen 50 und 100 liegen, können auch Außengastronomie, Theater und Kinos öffnen, wenn ein tagesaktueller Schnell- oder Selbsttest vorgelegt wird.

"Notbremse":

Steigt der Inzidenzwert über 50 treten die Regelungen für die Regionen mit Inzidenz 50 bis 100 in Kraft, steigt er über 100, gelten wieder die Einschränkungen für Hotspots. Gleiches gilt umgekehrt für das Absinken der Werte unter die nächstniedrige Inzidenzgrenze. Maßgeblich dafür sind stabile Werte an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

Pendler-Quarantäne:

Die Einreisequarantäneverordnung für Grenzpendler wird bis zum 28. März verlängert und verschärft. Die Quarantäne dauert künftig 14 statt 10 Tage, ein Freitesten nach fünf Tagen ist nicht mehr möglich.

Soziale Kontakte

Ab kommendem Montag (8. März) sind wieder Treffen mit bis zu fünf Menschen aus einem anderen Hausstand möglich. Wo die Inzidenz stabil unter 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner sinkt, können Treffen von bis zu drei Haushalten mit maximal zehn Personen erlaubt werden. Ab einer Inzidenz von 100 ab dem zweiten darauffolgenden Werktag werden die Möglichkeiten wieder auf den eigenen Haushalt und eine weitere Person beschränkt – so wie es jetzt geregelt ist. Kinder bis 14 Jahren werden generell nicht mitgerechnet.

Ziehen die Bundesländer alle an einem Strang?

Das bleibt abzuwarten. Erste Risse deuten sich an. Denn wie ihre Vorläufer sind die neuen Bund-Länder-Beschlüsse Großteils nur politische Vereinbarungen. Die Regeln ausbuchstabieren und durchsetzen müssen Länder und lokale Behörden. Schon im Papier selbst gaben Länder Differenzen zu Protokoll. So will Sachsen Öffnungen stärker an Pflichttests knüpfen. Thüringen sähe gerne die Impfquote und die Auslastung der Intensivstationen stärker berücksichtigt. Niedersachsen und Sachsen-Anhalt nennen die Beschlüsse einen Rahmen. – auch die Gerichte machten Vorgaben.

Wie wahrscheinlich ist das Erreichen niedriger
Inzidenzwerte?

Das hängt sehr davon ab, ob die Menschen trotz Öffnungen Masken tragen und Abstand halten. Und ob sie die massenhaft geplanten Corona-Tests so anwenden, dass sie Ansteckungen rechtzeitig merken – und sich dann auch von anderen fernhalten. Denn die ansteckendere britische Virusvariante breitet sich aus. Die Inzidenz war infolge des Lockdowns bis Mitte Februar gesunken. Mit leichtem Auf und Ab steigt sie seither.

Ein Saarbrücker Pharmazie-Professor ist Experte für die Corona-Entwicklung: Thorsten Lehr. Er rechnet damit, dass im April die Sieben-Tage-Inzidenzen bundesweit wieder stark auf 200 steigen. Denn die Kombination aus Lockerungen und Mutante gebe dem Virus Auftrieb. Ohne Lockerung würde laut Lehr eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 erreicht.

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