Für immer verbunden

Das Museum Lothar Fischer in Neumarkt zeigt Käthe Kollwitz - im Nachgang zu deren 150. Geburtstag.

von Irma Held Kontakt Profil

Im Nachgang zum 150. Geburtstag - geboren am 8. Juli 1867 als Käthe Schmidt in Königsberg - würdigt das Museum Lothar Fischer in Neumarkt in einer bemerkenswerten Werkschau die thematische Schaffensspanne der international bekannten Künstlerin von der Geburt bis zum Tod. Die etwa 45 Leihgaben des Käthe-Kollwitz-Museums in Köln, darunter viele plastische Arbeiten, von denen insgesamt nur 19 museal zugänglich sind, trägt den Titel "Paare, verbunden in Liebe und Schmerz". Gerade diese emotionale Verbundenheit in Trauer, Armut, Tod und Leid ist die Klammer ihres Schaffens, seien es Zeichnungen, Druckgrafiken oder plastische Arbeiten. Nicht selten sind es ihre eigenen Gesichtszüge, die sehr eindringlich Gefühle sichtbar machen.

Ist die überzeugte Pazifistin Käthe Kollwitz vielen als Künstlerin bekannt, die den Arbeitern, Entrechteten, den Armen, heute würde man sagen sozial Schwachen, Ausdruck verliehen hat, so finden sich gerade in der Ausstellung in Neumarkt auch heitere, gelöste Bildnisse. Dieses ungetrübte Glück bleibt häufig Mutter-Kind-Beziehungen vorbehalten. Selbst Mutter zweier Söhne schreibt sie in einem Brief: "Sie kann gar nicht anders als, wenn das Kind sie anlächelt, zurück zulächeln. Dieser Strom von nicht verhaltener, sondern mit Wonne gezeigter Liebe hin zum Kinde und zurück zum Kinde, das ist ja was Herrliches." In den "Zwillingen" setzt sie 1923 ihren Enkelkindern Jördis und Jutta ein Denkmal. Die Mutter ist nur stilisiert, doch, wie beschrieben, lässt sich erahnen, mit der Freude geht der Beschützerinstinkt einher.

Denn die Wonne wird oft getrübt durch Alltagsprobleme, zum Beispiel: "Wie sollen die hungrigen Kinder ernährt werden?". Kollwitz bildet hier die Wirklichkeit der 20er Jahre der proletarischen Schicht ab, Armut, Hunger und Elend oder Krankheit, nicht nur von Karl, tödlich erkrankt, muss sie sich verabschieden - "Der Abschied" 1940/41 - auch die Kindersterblichkeit ist hoch. Dieses Thema variiert sie mehrmals.

Ist dies heute in Europa kein Thema mehr, das auf den Nägeln brennt, so steht das Bildnis einer "Frau mit Kind auf dem Rücken", die einer schrecklichen Ungewissheit entgegengeht, für die zeitlose Gültigkeit von Käthe Kollwitz' Schaffen. Genau diese Mutter hätte auch einem Viehwaggon an der Rampe in Auschwitz entsteigen oder aus dem syrischen Aleppo fliehen können. Die Botschaften der Käthe Kollwitz, entstanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, haben nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt.

Besonders eindringlich und berührend: "Die Eltern". Unaufgeregt ausdrucksstark setzt die Frau, die mit ihrem Mann Karl um den Sohn Peter trauert, 1919 das plakative "Nie wieder Krieg!" um. Die Ausstellung hat aber auch einen sehr privaten Aspekt und huldigt darin der Liebe. Da ist zum einen eine Kreidezeichnung - datiert auf 1938 bis 1940 - "Selbstporträt mit Karl Kollwitz". Sie zeigt die gealterte, gebeugte, über 70-jährige Künstlerin an der Seite ihres todkranken Mannes. Fast 50 Jahre war sie mit dem Arzt verheiratet. Und Karl Kollwitz, der als Armendoktor in Berlin praktiziert hat, hat ihre Arbeiten unabsichtlich stark geprägt. In seiner Praxis ist sie auf die Menschen und deren Schicksal getroffen, das sie ihn ihrem Oeuvre verarbeitet hat.

Sehr persönlich, intim, sind zum anderen aber Arbeiten, die sie zu Lebzeiten als "Secreta" unter Verschluss gehalten hat. Es sind sinnliche Zeichnungen von 1909/10. "Liebesszene" und "Liebespaar, sich aneinander schmiegend" offenbaren Hingabe und Lust. Und die Bronzeplastik "Liebesgruppe" (1913) Innigkeit, Verbundenheit in Liebe.

Service:

Ausstellung: Käthe Kollwitz: „Paare, verbunden in Liebe und Schmerz“. Bis 13. Januar 2019.

Ort: Museum Lothar Fischer, Weiherstraße 7a, 92318 Neumarkt.

Kontakt: 09181/510 348.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr. 24./25. Dezember, Silvester und Neujahr geschlossen.

Anfahrt: Über A 3, A 9, B 299, B 8 (Ausschilderung Museumsroute folgen). Vom Bahnhof mit den Stadtbuslinien 564 und 565 (Haltestelle Museum Lothar Fischer).

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