(hwo) Zwischen zwei türkischen Familien schwelte Streit. Es gab, wie sich in einem dreitägigen Prozess vor dem Amberger Landgericht zeigte, Anzeigen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe. Auch die Justiz wurde in zivilen Streitsachen bemüht. Da fuhren am 22. Juni letzten Jahres zwei Männer aus Kelheim nach Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf), um den dort lebenden Kontrahenten einen "Denkzettel zu verpassen".
Nachts um 3 Uhr wurde Benzin vor dem Anwesen ausgeschüttet und angezündet. Das machte ein 20 Jahre alter Syrer, der bei den Türken in Kelheim familiäre Aufnahme gefunden hatte. Sein Begleiter, 48 Jahre alt und türkischer Abstammung, habe ihn dazu angestiftet, hieß es jetzt.
Hoher Rußschaden
Die Flammen, so verdeutlichte nun der Gerichtsvorsitzende, Harald Riedl, seien genaugenommen von selbst wieder ausgegangen. Richtig einerseits. Doch sie verursachten trotzdem einen Rußschaden von 20 000 Euro. In dem Haus befanden sich seinerzeit drei Erwachsene und zwei Kinder. Sollte ihnen körperlicher Schaden zugefügt werden? Die Beschuldigten verneinten. "Das Gegenteil kann nicht bewiesen werden", meinten die Richter. Doch es blieb die Frage zurück, weshalb dann mit Brandbeschleuniger Feuer gelegt wurde? Wo sie doch wussten, dass Menschen im Gebäude schliefen.
Im Zuhörerraum saßen die Angehörigen der türkischen Familie aus Kelheim. Sie konnten kaum fassen, dass es für ihren 48-jährigen Angehörigen zwei Jahre Haft mit Bewährung gab. Eine Ahndung in gleicher Höhe wurde gegen den jungen Syrer ausgesprochen. Auch er, wie der Mittäter seit acht Monaten in U-Haft, konnte danach gehen. Die Männer hatten sich im Prozess gegenseitig die tragende Rolle zugeschoben.
Die Große Jugendstrafkammer ging in ihrer Bewertung von versuchter schwerer Brandstiftung aus und sie schrieb dem 48-Jährigen die Rolle des Anstifters zu. "Es bestand aber keine Gefahr des Übergreifens auf Wohnräume", hieß es einerseits. Doch wieder andererseits: "Hinterhältig und feige." Die Urteile waren im Sinn der Verteidiger Helmut Mörtl, Christian Reiser und Karl Jauernig. Staatsanwältin Manuela Zeller hatte für beide Täter drei Jahre Gefängnis beantragt. Ihr Argument: "Da wollten Leute das Recht in die eigene Hand nehmen."
Sturmhaube und Feuerzeug
Ein Satz des Richters Riedl wird im Gedächtnis bleiben. Er lautete, an die Adresse des Türken gewandt: "Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist. Aber bei uns nimmt man kein Benzin mit, wenn über Querelen geredet werden soll." Richtig und abermals mit einer Frage verbunden: Wer taucht schon nachts um 3 Uhr mit Sturmhaube, Feuerzeug und Treibstoff vor einem Haus auf, wenn er nur diskutieren möchte?
Nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters hätte auch eine Frau aus dem in Kelheim ansässigen türkischen Familienverband mit auf die Anklagebank gehört. Denn sie sei die eigentliche Triebfeder für den Plan gewesen, "in Neunburg vorm Wald etwas zu tun". Aber womöglich, so ist zu vermuten, wäre auch sie mit Bewährung davongekommen.















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