20.03.2019 - 16:27 Uhr
Neunburg vorm WaldDeutschland & Welt

"Oberpfälzer Superlandwirt" ist eine Frau

Corinna Wagner ist die beste Jungbäuerin der Oberpfalz. Die 21-Jährige gewinnt den Bezirksentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend. Dabei geht es vor allem auch darum, den beschädigten Ruf der Landwirtschaft zu verbessern.

von Julian Trager Kontakt Profil

In der Einladung schreibt der Bayerische Bauernverband (BBV) von der Suche nach dem Oberpfälzer Superlandwirt. Gefunden hat man die Oberpfälzer Superlandwirtin. Als ihr Name bei der Siegerehrung im Weidener Agrarzentrum Almesbach fällt, wirkt Corinna Wagner zunächst geschockt. Die 21-Jährige aus Deuerling (Kreis Regensburg) reißt die Augen auf, hält sich die flache Hand vor den Mund. Drei kurze Wörter: "Oh mein Gott." Dann grinst sie - und hört nicht mehr auf zu strahlen.

Wagner, eine von drei Frauen im 19 Landwirtschafts-Azubis umfassenden Teilnehmerfeld, hat den Bezirksentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend 2019 gewonnen hat. Zweiter wurde Michael Bierler aus Nabburg, der wie Wagner auf die Berufsschule in Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) geht. Auch der 22-Jährige strahlt von einem Ohr zum anderen.

Öffentlichkeitsarbeit!

Die zwei Gewinner, die in Theorie und Praxis am meisten überzeugten, verkörpern damit genau das, was sich die Veranstalter - Landjugend und Bauernverband - von modernen Landwirten wünschen: eine positive Ausstrahlung. Damit sich der Ruf der Landwirtschaft, der durch Themen wie Glyphosat, Tiertransporte und Bienensterben in der Gesellschaft gerade ziemlich angekratzt ist, wieder verbessert.

Der Berufswettbewerb dient nicht nur dazu, Wissen und Können der jungen Landwirte zu testen. Heuer steht auch die Öffentlichkeitsarbeit im Fokus. Wie präsentiert man sich der Presse? Wie zeigt ein Bauer der Öffentlichkeit, das ihm Umweltschutz und Tierwohl wichtig sind?

Deswegen ab in den Kuhstall. Dort stehen zwei Prüfer in Blaumann und Gummistiefeln, auch die Schülerin hat sich das Outfit übergezogen. Zwischen Kühen wird die junge Landwirtin aus Cham zum Thema Tierwohl abgefragt. Die Schülerin wirkt nervös, die Tiere neugierig, sie schnuppern an Armen und Beinen der Landwirtin.

Mehr zu den Gewinnern

Neunburg vorm Wald

Prüfer Martin Schmid, Landwirt aus dem Neumarkter Kreis, sagt über die Aufgabe, die es zum ersten Mal in der 68-jährigen Geschichte des Wettbewerbs gibt: "Das ist ganz wichtig." In letzter Zeit sei viel schiefgegangen, die Landwirte hätten einige Fehler gemacht. Die Tiertransporte zum Beispiel. "Die Menschen sind kritischer denn je", sagt der Landwirt, "was gut ist." Zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft sei aber ein Graben entstanden - und der müsse geschlossen werden. Da sieht Schmid vor allem die Bauern in der Pflicht. Die Landwirte müssten sich nach außen besser darstellen, offen zeigen, was sie machen - damit die Öffentlichkeit mitbekommt, wie sich um die Tiere gekümmert wird. "Wir müssen die Menschen wieder teilhaben lassen", sagt Prüfer Schmid.

Bogenschießen mit Traktor

Auf dem Zwischenfruchtfeld knetet ein Kandidat dunkelbraune Erde, die er zuvor herausgestochen hat. Mit den Fingerspitzen streichelt er den Dreck, dann legt er sich fest: "Sandiger Lehm." Bei der Bodenprobe müssen die Teilnehmer die Bodenart bestimmen, den Nährstoffgehalt. Daraus lässt sich ableiten, wie viel und wie oft gedüngt werden muss.

Auch um Spaß geht es bei der dritten praktischen Prüfung, eine Mischung aus Bogenschießen und Fahrschule - nur halt mit einem Traktor samt Anhänger. Mit einer Zinkspitze, am Frontlader angebracht, stechen die Landwirte auf eine Zielscheibe. Danach muss der Anhänger rückwärts eingeparkt werden.

"Das ist nicht so einfach, wie es ausschaut", sagt Prüfer Stefan Adam, Landwirt aus Tirschenreuth. Der Zwei-Achs-Anhänger sei schwer einzuschätzen, vor allem für die Landwirte, die daheim einen Ein-Achs-Anhänger benutzen. Und das Zielstechen? Die Mitte der Scheibe treffen die wenigsten, nur zwei Azubis schaffen das. Selbst ein Lehrer, der seine Berufsschüler begleitet, verpasst die Zehn-Punkte-Marke. Als er den Schlepper verlässt, wirkt sein Lächeln gequält, es scheint ihn zu ärgern. Später versucht er es ein zweites Mal.

Mitglied der Oberpfälzer Bauern-Elite

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.