18.10.2019 - 11:04 Uhr
Neunburg vorm WaldDeutschland & Welt

Pilgern im Zeichen der Kunst

Was haben Yoko Ono und der Vatikan gemeinsam? Beide schätzen die Kunst von Miriam Ferstl aus Neunburg vorm Wald. Warum ihre Werke in Rom so gut ankommen, hat viel mit einem Streben nach Licht und Klarheit zu tun.

Leuchtende Kristalle: Damit bezaubert Miriam Ferstl derzeit die Besucher des Pilgerzentrums in Rom.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Noch bis Donnerstag, 24. Oktober, sind die Werke der Neunburger Künstlerin im Deutschen Pilgerzentrum, dem "Centro Pastorale Pellegrini", direkt gegenüber der Engelsburg ausgestellt. Unter dem Titel "Uniti nella luce" (deutsch: Vereint im Licht) zeigt Miriam Ferstl 33 Spiegel- und Glasarbeiten, für die sie mit der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treek zusammengearbeitet hat. Und Rom ist nicht die einzige Hauptstadt, die Ferstl derzeit in ihren Bann zieht: Aktuell ist sie auch bei der Artionale in München vertreten.

Zentral von unten fotografierte Kristallleuchter und kristalline Strukturen auf Glas: Mit diesen Werken hat Miriam Ferstl in der Vergangenheit für Aufmerksamkeit gesorgt. Viele ihrer Objekte hat sie in Kirchen oder Moscheen vorgefunden und ins Licht gesetzt. Auf die theologische Bedeutung des Lichts in vielen Religionen ging bei der Ausstellungseröffnung auch Benedikt Haller von der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl ein. Das Streben nach Licht und Klarheit sei ein gemeinsames Element in vielen religiösen Strömungen. Auch in der Kunst habe das Licht von den gotischen Kathedralen bis zu den zeitgenössischen Künstlern wie Gerhard Richter oft eine metaphysisch aufgeladene Bedeutung. "In dieser Tradition sind auch die Arbeiten von Miriam Ferstl zu sehen", erklärte er.

Beeindruckt von dem geschichtsträchtigen Ausstellungsort zeigte sich die 33-Jährige Schöpferin der Arbeiten. Eine "Art Pilgerreise" waren für sie die Reisen für diese Arbeit, die eine interreligiöse und interkulturelle Perspektive auf die Gesellschaft werfe, "die sich aus dem speist, was uns alle verbindet". Der Fokus der Künstlerin liegt auf der Einheit in der Vielfalt und auf dem Vereinenden zwischen Religionen und Kulturen. Auch in Rom selbst finde diese Vielfalt ihren Niederschlag. "So viele Menschen aus allen Ländern der Welt kommen hier zusammen, viele große Künstler haben hier gearbeitet und ihre Spuren in der Jahrtausende alten Kunst- und Kulturgeschichte Roms hinterlassen", gibt die Künstlerin zu bedenken. "Ich glaube, dass es gerade in unserer Zeit wichtig ist, dass wir global zusammenarbeiten und verstehen, dass wir alle Bewohner dieser Erde sind und nur gemeinsam etwas erreichen können, damit wir weiterhin hier leben können". Miriam Ferstl freut sich deshalb sehr, dass die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl die Ausstellung mit ihrem verbindenden Charakter unterstützt hat - und nicht zuletzt auch über eine Förderung durch den Unternehmer Claus Hipp.

Wer nicht bis Rom reisen will, kann Werke der Künstlerin derzeit auch in München sehen, und zwar bis 5. November bei der "Artionale". Für die Ausstellung "100 Milliarden" in der Evangelischen Studentengemeinde der Ludwigs-Maximilian-Universität hat die Neunburger Künstlerin unter anderem eine Wunderkammer mit einer Lichtinstallation gebaut, in der Mikroorganismen aus dem Boden in Form von abstrahierten Glasskulpturen auf die Sterne des Himmels treffen. "Mich interessiert die Verbindung zwischen Mikro- und Makrokosmos und die Magie, die hinter dem Alltäglichen, Übersehenen steckt", erläutert Miriam Ferstl. Im Boden sieht sie nicht den Dreck, sondern Mikroorganismen und die Grundlage für alles Leben auf dem Planeten. Die Anerkennung für diesen Ansatz bleibt nicht aus: Die 33-Jährige, die derzeit an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, ist aktuell für das Jubiläums-Stipendium der Landeshauptstadt vorgeschlagen. Noch im Herbst soll sie davon profitieren.

Dem flüchtigen Blick auf kristalline Formen hat die Künstlerin Miriam Ferstl eine dauerhafte Form verliehen. Zu sehen sind ihre Werke bis 24. Oktober im Deutschen Pilgerzentrum in Rom.

Ich glaube, dass es gerade in unserer Zeit wichtig ist, dass wir global zusammenarbeiten und verstehen, dass wir alle Bewohner dieser Erde sind und nur gemeinsam etwas erreichen können.

Miriam Ferstl

Miriam Ferstl

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.