25 Jahre Lichtblicke: Erna Meißner unterstützt ihre gesamte "Senioren-WG"

Sie hatte es in ihrem Leben selbst nicht leicht und doch kümmert sich Erna Meißner heute rührend um die Mitbewohner ihrer "Senioren-WG". Die 56-Jährige ist einfach ein echter Lichtblick.

Erna Meißner (Zweite von rechts) mit ihrer Ersatzmutter Irmgard Bauer (links), deren Lichtblick sie ist; mit im Bild die beiden Töchter Bauers, Elisabeth Nickl (rechts) und Andrea Holfeld.
von Gabi EichlProfil

"Die nächste Flasche Eierlikör geht auf dich", sagt die 91-jährige Irmgard Bauer, als Erna Meißner den Umschlag öffnet, der ihr gerade überreicht worden ist. Die Frührentnerin ist Irmgard Bauers "Lichtblick" - und nicht nur der ihre: Erna Meißner (56) kümmert sich um alle sechs Parteien im Haus.

Die ersten 500 Euro der Aktion "Mein Lichtblick" der Oberpfalz-Medien bekommt eine Frau, die sich trotz eigener Schicksalsschläge - ungezählte Operationen infolge unterschiedlicher, teilweise schwerer Erkrankungen - ein sonniges Gemüt bewahrt hat. Und die mit diesem täglich ihren Nachbarn im Wortsinn ein Lichtblick ist. Für Irmgard Bauer ist Meißner wie eine dritte Tochter, umgekehrt betrachtet Bauer sie als Mutterersatz. Ihre eigene Mutter ist vor sieben Jahren gestorben, im selben Jahr starb auch der Lebensgefährte. Irmgard Bauers Töchter Elisabeth Nickl und Andrea Holweg nennen Meißner als "Frau, die nicht mit Gold aufzuwiegen ist".

Elisabeth Nickl (links) hat Erna Meißner für die Aktion "Mein Lichtblick" vorgeschlagen. "Jetzt kann ich mich endlich einmal revanchieren", sagt sie.

Täglich ein Stamperl

Beide schauen selbst jeden Tag bei der Mutter vorbei, müssen sich aber auch um ihre eigenen Haushalte kümmern. Meißner bringt der Mutter früh die Zeitung, macht das Bett, bringt den Abfall nach unten und beendet den gemeinsamen Tag mit einem seit Jahren gepflegten Ritual: ein Stamperl Eierlikör am Abend. Elisabeth Nickl war es dann, die Meißner für die Aktion "Mein Lichtblick" vorgeschlagen hat. "Jetzt kann ich mich endlich revanchieren für all das Gute, das sie für unsere Mutter tut."

Erna Meißner zuckt die Achseln und sagt, das sei doch alles selbstverständlich, als Elisabeth Nickl aufzählt, was die Nachbarin ihrer Mutter seit Jahren für die Hausgemeinschaft erledigt. Sie übernimmt das Treppenputzen für die anderen, das Straßenkehren und das Schneeschippen; sie kümmert sich um den Vorgarten ("mein Hobby"), den sie liebevoll den Jahreszeiten entsprechend dekoriert. "Das macht sie alles für ein Vergelt´s Gott", sagt Irmgard Bauer.

Und dabei tut sich Meißner mit dem Gehen schwer, "ich mach´ halt langsam", sagt sie. Seit einem Treppensturz, bei dem sie sich das Sprunggelenk gebrochen hat, ist sie Frührentnerin. Längere Strecken kann sie nur mit einem Rollator bewältigen, wobei Erna Meißner ihre ganz eigenen Gehhilfen hat: einen kleinen und einen großen Kinderwagen, die sie je nach Anlass umdekoriert. Aktuell ist der kleine ein Eiswagen, der große eine Badeinsel mit Palme. Ein anderes Mal macht sie einen Brotzeitwagen daraus oder einen Maibaum - immer zur Belustigung der Nachbarn, für die sie im Sommer im Vorgarten grillt. "Wir sind eine Senioren-WG", sagt Meißner lachend.

Der größere der beiden Wägen ist dem Sommer entsprechend als Badeinsel dekoriert; vom Fenster aus beobachtet Irmgard Bauer das Fotoshooting ihres Lichtblicks.

Begeisterte Polizisten

Erna Meißner ist inzwischen auch bei den Bewohnern im Altenheim St. Martin ein gerngesehener Faschingsgast oder im Altenstädter Seniorenheim Hagemann, wo sie selbstgedichtete Gstanzl singt. Einmal hat sie am Rosenmontag sogar die Polizeiinspektion besucht und zwei Stunden Gaudi gemacht. "Die wollten mich nimmer gehen lassen." - Ein Lichtblick, wo sie auftaucht.

Erna Meißner und ihr Rollator, ein umgebauter Kinderwagen, den sie je nach Jahreszeit dekoriert: Im Moment hält sie sich an einem Eiswagen fest.
Ein Lichtblick:

"Mehr im Krankenhaus als daheim" Erna Meißners schwere Kindheit

Erna Meißner wächst als zweitjüngstes von 14 Kindern in Luhe-Wildenau auf. Das lebensfrohe Kind muss früh mit Krankheit Erfahrung machen. Das erste Schuljahr verbringt sie fast ganz im Krankenhaus. Eine eitrige Lungenentzündung kostet sie fast das Leben. Das Schuljahr muss sie zweimal wiederholen. Krankenhausaufenthalte ziehen sich durch ihr Leben ("ich war mehr im Krankenhaus als zu Hause"), ließen sie aber nie verbittern. Das wissen die Tochter und drei Enkel, aber auch Freunde und Bekannte. Seit einem schweren Treppensturz ist sie Frührentnerin. Als vor sieben Jahren ihr Lebensgefährte stirbt, beginnt sie, sich verstärkt um ihre Nachbarn zu kümmern.

Zum 25. Jubiläum der Aktion "Lichtblicke" hatten Oberpfalz-Medien Menschen gesucht, die sich besonders sozial engagieren. Viele wurden von Lesern als "Mein Lichtblick" vorgeschlagen. Wir stellen die Menschen vor, welche von einer Jury ausgewählt wurden. Oberpfalz-Medien stiften je 500 Euro zur Erfüllung eines Wunsches.

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