Fahrlehrer verzweifelt gesucht

Langes Warten auf Fahrstunden ist derzeit die Regel in der Oberpfalz. Und obwohl sich die Fahrlehrer-Situation den Zahlen nach gerade entspannt, finden Fahrschulen nur schwer neue Fahrlehrer. Das könnte auch an den Schülern liegen.

In der Oberpfalz fehlen Fahrlehrer – junge Fahrlehrer. Händeringend suchen Fahrschulen nach Ausbildern – denn auch das Durchschnittsalter der Fahrlehrer, die es gibt, steigt immer weiter an.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Will man derzeit in der Oberpfalz seinen Führerschein machen, muss man Geduld mitbringen. Es fehlen Fahrlehrer, Termine für Fahrstunden sind heiß begehrt. Das erzählt unter anderem Fahrschüler Armin Meyer. "Allzu viele Fahrstunden würden mir nicht fehlen - aber es ist schwierig, Termine zu bekommen", sagt der 25-jährige Neustädter.

Er begann im März mit Fahrstunden. Die Theorieprüfung hatte er ohne Fehler im Juli in der Tasche. Trotzdem saß er schon seit einem Monat nicht mehr in einem Fahrschulauto. Nun hielte er den Schein gerne so schnell wie möglich in Händen - doch es zieht sich. Laut Statistik des Kraftfahrt Bundesamts (KBA) sind das die Ausläufer des Fahrlehrermangels - in Bayern und deutschlandweit. Zwar ist der größte Mangel überwunden, die absolute Fahrlehrerzahl hat sich wieder etwas erhöht. Trotzdem gibt es 2019 im Vergleich zu 2016 3,4 Prozent weniger Fahrlehrer in Bayern.

Stellenangebote ohne Ende

Der Regionalreport Bayern 2019 der "Moving International Road Safety Association" bestätigt, dass es im Vergleich zu 2014 heute auch weniger Fahrschulen in Bayern gibt. Vor allem die kleinen Fahrschulen (Umsatzgrößenklasse unter 100 000 Euro) seien die Verlierer. Ebenfalls problematisch: Das Durchschnittsalter der Fahrlehrer steigt weiter an: 21 Prozent aller Fahrlehrer in Deutschland sind zwischen 65 und 74, 33 Prozent zwischen 55 und 64 Jahre alt.

"In den Fahrlehrer-Gruppen auf Facebook gibt es Stellenangebote ohne Ende. Und wenn ich ehrlich bin, dann sind die arbeitssuchenden Fahrlehrer meist auch aus einem guten Grund arbeitslos." Das sagt Christian Buchfelder. Er leitet eine Fahrschule in Neustadt/WN, seit 2007 unterrichtet er Auto-Fahrschüler, seit 2008 auch angehende Motorrad- und Lkw-Fahrer. Angestellte hat er keine, doch tut er sich schwer auf der Suche nach Hilfskräften. Damit ist er nicht alleine. 60 Prozent der bayerischen Fahrschulen suchen laut Regionalreport einen oder mehrere Fahrlehrer, im März 2019 standen bayernweit 45 arbeitslose Fahrlehrer 130 offenen Stellen gegenüber.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch einer von Buchfelders ehemaligen Kollegen aus Eschenbach. "Grundlos ist kein Fahrlehrer arbeitslos", sagt er. Und: "Früher konnten sich Fahrschulen bei personellen Engpässen gegenseitig aushelfen, heute ist das nicht mehr möglich."

Work-Life-Balance: ungenügend

Christian Buchfelder kann nur spekulieren, woran das liegen mag: "Ich kenne ausgebildete Fahrlehrer, die den Job am Ende doch nicht gemacht haben, weil er der gewünschten Work-Life-Balance nicht entsprochen hat." Zwar gebe der Beruf Flexibilität, sagt Buchfelder. Einerseits. Auf der anderen Seite stünden zum Beispiel Nachtfahrten, die absolviert werden müssen, wenn andere Leute Feierabend haben.

Wer Fahrlehrer werden will, muss mindestens 21 Jahre als sein, seit mindestens drei Jahren eine Fahrerlaubnis der Klasse B sein Eigen nennen. "Zusätzlich muss eine Fahrerlaubnis Klasse BE vorhanden sein", sagt Jörg-Michael Satz von der Moving International Road Safety Association. In Bayern, sagt er, kostet die Ausbildung inklusive Reflexionstraining und Prüfgebühren 14 000 Euro.

Wer das zahlt? Satz: "Wir wissen aus verschiedenen Befragungen, dass rund die Hälfte der Fahrlehrer ihre Ausbildung durch die Agentur für Arbeit über die sogenannten Bildungsgutscheine finanzieren. Rund ein Drittel finanziert die Ausbildung über Bafög. Auch übernehmen immer häufiger die Fahrschulen die Ausbildung bei einzelnen Anwärtern." Letzteres kann auch als Zeichen des akuten Mangels gesehen werden.

Mentalität der Schüler

Doch nicht nur die Lehrer werden weniger, auch auf seiten der Schüler habe sich etwas verändert, sagt Fahrlehrer Christian Buchfelder. Die Mentalität nämlich: "Viele wollen für den Führerschein nicht mehr arbeiten, sie kommen mit einer "wir-holen-uns"-Mentalität zu den Fahrstunden und sind unaufmerksam." Auch im Gespräch mit Kollegen habe sich diese Beobachtung bestätigt. Eines der Probleme für ihn sind Helikopter-Eltern: "Einige Jugendliche müssen sich nicht mehr ständig selbst um Mitfahrgelegenheiten kümmern. Die Eltern stehen nachts um drei auf und holen sie ab - das macht den Führerschein natürlich unattraktiver." Die Ausbildung ziehe sich so oft in die Länge, sagt Buchfelder. Ein Teufelskreis.

Die Ausbildung zum Fahrlehrer:

Phase 1: In den ersten acht Monaten durchläuft der angehende Fahrlehrer einen Grundausbildungslehrgang. Es folgen: Fachkundeprüfung (schriftliche und mündliche) sowie eine fahrpraktische Prüfung mit einem BE-Fahrzeug.

Phase 2: Mindestens vier Monate Lehrpraktikum in einer Ausbildungsfahrschule; zum Abschluss müssen zwei Lehrproben absolviert werden.

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