Saisonende im Schildkrötengarten

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Landschildkröte Amanda lebt im Garten von Nicole Reichl in Neustadt/Waldnaab.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Was Landschildkröten richtig glücklich macht, hat Nicole Reichl aus Neustadt/WN erst nach dem Kauf durch Fachbücher erfahren. Um einen optimalen Lebensraum zu schaffen, gestaltete sie eine Ecke ihres Gartens um. „Schildkröten sind keine Kuscheltiere“, sagt sie und rät jedem, sich vor dem Kauf gut zu informieren.

Bereits als Kind erlebte sie die Reptilien hautnah, als „der Opa eine angeschleppt hat“. Seitdem haben sie die Tiere nicht mehr losgelassen. Also fuhr sie vor einem Jahr zu einem Schildkrötenzüchter und entschied sich für eine Griechische und eine Maurische Landschildkröte. Amanda und Charly heißen die zwei und drei Jahre alten Tiere und das obwohl man „das Geschlecht erst nach sieben Jahren erkennen kann“.

Ihren ersten Sommer verbrachten die Tiere bereits in Reichls Garten. „Das waren aber maximal zwei Quadratmeter Rasenfläche“, blickt sie zurück. Auch gab es nicht so viele Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten. Das Schildkrötenglück war bis zu dem Zeitpunkt perfekt, als im Herbst die Temperaturen sanken und die Tiere sich in der Erde vergruben. Wie man Schildkröten richtig über den Winter bringt, wusste Reichl nicht. „Erst dann habe ich mir ein Buch über Schildkröten gekauft“, erzählt sie.

Sommerresidenz für Schildkröten

Inzwischen hält Nicole Reichl ihre Tiere in einem 20 Quadratmeter großen Freigehege. „Die Sommerresidenz beziehen die Schildkröten von Mitte März bis Ende Oktober“, erzählt sie. Dass jede Schildkröte zehn Quadratmeter benötigt, ist wohl vielen Haltern von Landschildkröten nicht bekannt. Reichl kennt einige Schildkrötenhalter, die ihre Tiere das ganze Jahr in einem Terrarium halten, für sie eine „schreckliche Vorstellung“, denn „Schildkörten leiden stumm“.

Gehege mit Klettermöglichkeiten

Amanda und Charly sind gut zehn Zentimeter groß und wiegen circa 130 Gramm. „Da empfindet man die 20 Quadratmeter als sehr viel Platz“, erzählt sie. Entgegen der Meinung, dass diese Tiere langsam sind, können Schildkröten sehr gut klettern und sind sehr aktiv. Charly büchste vergangenes Jahr sogar aus dem Gehege aus. Die 20 Quadratmeter stellt sie ihren Tieren gerne zur Verfügung. Das Gehege ist in Gras- und Kiesflächen aufgeteilt. Dazwischen hat Reichl Höhlen aus Wurzeln, Steinen oder Blumentöpfen vorbereitet. Sie bieten Schutz vor Feinden aus der Luft. Wasser nehmen die Tiere über flache Schalen auf, die an verschiedenen Stellen aufgestellt wurden.

Freigehege mit Frühbeet

Damit sich ihre Landschildkröten tierisch wohlfühlen, gehört zur Gehegeausstattung ein Frühbeet. In der Nacht und an kalten, regnerischen Tagen ziehen sich die Schildkröten dorthin zurück. An der Decke hängen zusätzliche Licht- und Wärmelampen. „Die Wohlfühltemperatur der Schildkröten liegt bei 30 bis 40 Grad.“ Ein Thermostat sorgt für die richtige Temperatur. Die künstliche Sonne scheint am Tag bis zu acht Stunden. „Ende September verkürze ich die Zeit, um die Tiere auf die Winterstarre vorzubereiten“, erklärt sie.

Tiere auf Winterstarre vorbereiten

Die jährliche Winterstarre gehört zum Lebensrhythmus der Schildkröten. Fallen die Temperaturen auf 10 bis 15 Grad bereiten sich die Tiere auf die Winterstarre vor. „Die Tiere sind sehr schlau und merken schnell, dass die Tage kürzer werden“, berichtet sie. Ab September werden die Tiere träger, fressen weniger und lassen sich nicht so häufig im Gehege blicken.

In freier Wildbahn dauert die Winterstarre zwischen drei und vier Monaten. „Da bei uns die Temperaturen bereits im September deutlich zurück gehen, beginnen die Tiere zu früh mit den Vorbereitungen.“ Um das zu verhindern, muss Nicole Reichl die Körpertemperatur der Tiere konstant oben halten. Nur so bleiben sie aktiv und fressen weiterhin. Licht und Temperatur werden bis in den Oktober hinein reduziert, so dass sich die Tiere langsam vorbereiten können.

Vier Monate im Kühlschrank

Wenn sie nichts mehr fressen und immer tiefer eingraben, ist es soweit: Ende Oktober ziehen Charly und Amanda dann um – in ihren eigenen Kühlschrank. Jede Schildkröte wird dafür in eine Box mit speziellem Substrat und Blättern aus dem Garten gelegt. Über die Haut nehmen die Schildkröten während der Winterstarre die Flüssigkeit auf. Das Substrat hat Reichl auch in ihrem Frühbeet eingestreut. Die spendet den Tieren auch im Sommer Feuchtigkeit.

Schildkröten im Kühlschrank in der Küche zu überwintern, ist keine gute Idee. Zwar können die Tiere nicht besonders gut hören, sie nehmen aber die feinsten Schwingungen in ihrer Umgebung war. In den Wintermonaten sollte daher ein separater, aber nicht zu alter Kühlschrank verwendet werden, da diese meist sehr laut und unruhig sind.

Die Vibrationen, die vom Kühlgerät ausgehen, sind für die Tiere nicht angenehm und sollten vermieden werden. Den Kühlschrank stellt Reichl auf eine konstante Temperatur von fünf bis sieben Grad Celisus ein. „Steigt die Temperatur, kann dass den Stoffwechsel der Tiere anregen und sie aus der Starre holen“, erklärt Reichl. Minusgrade können tödlich sein.

Für frischen Sauerstoff öffnet Reichl für eine Minute ein bis zwei Mal in der Woche die Kühlschranktüre. Und dann heißt es warten und darauf vertrauen, dass die Natur weiß, was sie macht. „Für mich war es letztes Jahr sehr schwierig, nicht ständig nach ihnen zu sehen“, blickt Reichl zurück.

Schildkröten mögen Unkraut

Bei artgerechter Haltung können Landschildkröten über 100 Jahre alt, 25 Zentimeter groß und 2,5 Kilogramm schwer werden. Damit Charly und Amanda dieses Alter erreichen, muss auch bei der Fütterung einiges beachtet werden. „Am liebsten fressen die beiden Löwenzahn und Spitzwegerich“, berichtet Reichl und fügt lachend hinzu „eigentlich alles, was für uns Unkraut ist“. Eine ausgewogene Ernährung ist für Landschildkröten jeglicher Art von sehr großer Bedeutung. In ihrem natürlichen Lebensraum fressen die Tiere fast ausschließlich grüne und trockene Pflanzenteile.

Keine Früchte füttern

Auf die Fütterung von Früchten sollte man ganz verzichten. Damit die Schildkröten einen gesunden und stabilen Knochen- und Panzer bilden können, empfiehlt es sich noch zusätzlich Kalzium anzubieten. Die besten Kalziumlieferanten sind Sepiaschalen und leere Schneckenhäuser, welche von den Schildkröten selbstständig aufgenommen werden können.

Auf Futtermittel aus dem Handel verzichtet Reichel ebenfalls. „Werden die Tiere zu übermäßig oder zu eiweißreich gefüttert, kann das zu einem zu schnellen Wachstum führen“, erklärt sie. Knochen- und Panzererweichungen sind die Folge. Falsche Fütterung kann auch die Organe für immer schädigen.

Die hohe Lebenserwartung von Schildkröten ist ein Aspekt, der ebenfalls vor dem Kauf beachtet werden sollte. „Wenn Charly und Amanda mich überleben, übernimmt sie meine Tochter“, sagt Reichl.

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Pirk

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Hütten bei Grafenwöhr
Hintergrund:

Meldepflicht

  • Schildkröten zählen zu den besonders geschützten Arten und unterliegen der Melde- und Anzeigepflicht. Ab Beginn der Tierhaltung müssen die Tiere bei der Unteren Naturschutzbehörde angemeldet werden.
  • Die Behörde benötigt einen Herkunftsnachweis, Hinweise zur Art, und Verwendungszweck. Zusätzlich muss ein Foto des Brust- und Bauchpanzers mit einem Vergleichsobjekt, wie einem Lineal, angefertigt werden.
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