Wasserstoff-Schub für Bus, Bahn und Industrie

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Es klingt wie der Stein der weisen Energiegewinnung: Wasserstoff hinterlässt beim Verbrennen so gut wie keine Abgase. Eine Verheißung für energieintensive Unternehmen und Verkehr. Neustadt/Waldnaab ist seit 2019 eine Art Start-Up-Wasserstoff-Region.

Das Brennstoffzellensystem eines Antriebsstrang-Exponats in einem Forschungszentrums des Automobilherstellers BMW in Garching, das mit zwei 700 Bar-Tanks für insgesamt 6 Kilogramm Wasserstoff ausgestattet ist und in dieser Form in einem BMW X5 platz findet.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Um hochtrabende Titel ist die Regierung selten Verlegen: Mit der Initiative "HyLand-Wasserstoffregionen in Deutschland" - eine Wortschöpfung aus Hydrogen und dem legendären Highlander - will Bundesverkehrsminister Andi Scheuer die H2-Förderung in der Fläche unterstützen.

Der Landkreis Neustadt bewarb sich erfolgreich als "Hy-Starter": "Wir sehen das nicht so sehr als Instrument, um gleich große Fördersummen an Land zu ziehen, sondern als Plattform, passende Interessenten aus der Region zu gewinnen", erklärt Landrat Andreas Meier. "HyStarter bietet uns vor allem Expertise in technischer, wirtschaftlicher und auch rechtlicher Sicht, um Ideen zu entwickeln und auf Machbarkeit hin abzuklopfen."

Immerhin zeigt die bisherige Erfolgsgeschichte des deutschen Förder-Programms, dass in Stufe 2 "HyExperts" 13 Regionen mit jeweils 300:000 Euro ausgestattet wurden, um Wasserstoffkonzepte mit konkreten Projektideen auszuarbeiten. Noch mehr klingelt die Kasse in Stufe 3 bei den "HyPerformern": Für die drei Gewinner stehen je 20 Millionen Euro zur Umsetzung regionaler Konzepte mit Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie bereit.

So startete der Landkreis Neustadt/WN als HyStarter.

Neustadt an der Waldnaab

Meier: Wasserstoff-Züge

Am Donnerstag wollte das Landratsamt nun die Öffentlichkeit über die Fortschritte beim Aufbau eines handlungsfähigen Netzwerks informieren. Doch Corona macht auch vor der Zukunft nicht halt: Aufgrund der angespannten Lage muss die Veranstaltung verschoben werden. Zu erzählen hat Meier dennoch einiges. Seit Anfang des Jahres sammelt der Landrat zusammen mit den Partnern - unter anderem die OTH, Stadtwerke Weiden, Bayernwerk, ÖPNV-Linien, Transport- und Energieunternehmer, Mineralstoffhändler und Tankstellenbetreiber - Ideen für die regionale Energie- und Verkehrswende.

"Wir sehen Einsatzmöglichkeiten zunächst weniger im Individualverkehr, als eher in der Transport und ÖPNV-Branche", fasst Meier zusammen. "Außerdem bei der Energiespeicherung und dezentralen Produktion sowie dem Einsatz von Wasserstoff, wo andere Energieträger fehlen." Oberste Priorität: "Es soll grüner Wasserstoff sein."

Meier kann sich aber auch noch andere Anwendungsbereiche vorstellen: "Denkbar wären Wasserstoff-Züge im ÖPNV auf kleineren Nebenstrecken oder auch als Ergänzung zur Elektrifizierung von Strecken." Auch von großem Interesse für die Region: "Die Frage, ob man sich durch die Umwandlung elektrischen Stroms und Wasserstofferzeugung vor Ort bei den Windanlagen im Norden Stromtrassen sparen und Wasserstoff im bestehenden Gasnetz transportieren kann."

BHKW verwandelt grünen Wasserstoff in Strom

Ein wichtiger Partner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden ist Dr. Raphael Lechner, Geschäftsführer im Kompetenzzentrum für Kraft-Wärme-Kopplung. Er ist mit verantwortlich für eine als Blockheizkraftwerk des Jahres in Haßfurt ausgezeichnete Anwendung: "Die Kraft-Wärme-Kopplung kann gesicherte Leistung dezentral und flexibel zur Verfügung stellen", erklärt Lechner die Stabilisierung der Netze durch diese Technologie.

"Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme ist das KWK hocheffizient und besonders klimafreundlich." Gleichzeitig könne in Haßfurt überschüssiger Windstrom mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und die Energie so gespeichert werden. "Das Blockheizkraftwerk verwandelt grünen Wasserstoff wieder in Strom zurück - ohne lange Transportwege." Ein großer Vorteil: "Wir können die Anlage in Haßfurt alternativ mit Erdgas oder Wasserstoff betreiben", sagt Lechner.

Raphael Lechner, Geschäftsführer im Kompetenzzentrum für Kraft-Wärme-Kopplung, gibt Einblick in aktuelle Entwicklungen, insbesondere beim "Top-Thema Wasserstoff".

Wasserstoffantrieb bei großen Reichweiten

Für den Verkehr sei Wasserstoffantrieb bei großen Reichweiten für Nutzfahrzeuge, Lkw und Busse interessant: "Müllfahrzeuge in den Innenstädten oder Gabelstapler in der Werkslogistik eignen sich gut." Die Fahrzeuge seien noch teuer, aber Förderprogramme sorgten für Anreize.

Lechner sieht die Debatte um E-oder Wasserstoff-Mobilität nicht als Widerspruch: "Es wird ein Nebeneinander beider Technologien geben, vor allem für kleinere Fahrzeuge wird sich E-Mobilität durchsetzen." Anwendungen für Mini BHKW gebe es auch im Einfamilienhausbereich.

E- und Wasserstoff-Antrieb

Lechner erhofft sich die Umsetzung konkreter Projekte, die über Pilotanlagen hinausgehen. Für die Hochschule ergäben sich dadurch Synergieeffekte: "Es ist immer besser, vor der Haustür zu kooperieren." In Haßfurt habe man bereits ein Energy-Lab gegründet."

Lechner kann sich auch vor Ort neue Ausgründungen vorstellen, in denen Zukunftstechnologien entwickelt würden: "So ein Leuchtturmprojekt wirkt sich positiv auf die Studentenzahlen aus, weil es künftig einen Bedarf an Fachleuten geben wird." Spezielle Studienschwerpunkte für die Ausbildung künftiger Hy-Experts seien in Planung.

Der Truck Two des US-Fahrzeughersteller Nikola Motors, der auf mit Wasserstoff betriebene Lkw spezialisiert ist.
Wuppertal gehört zur NRW Wasserstoff-Modellregion: Elektrische Schwebebahn und Wasserstoffbus.
Info:

Wasserstoff-Technologie: Praxisbeispiele

  • Wasserstoffregion Ebersberg: Zusammen mit den Kreisen München und Landshut gehört Ebersberg zu den „HyLand-Wasserstoffregionen“. Geplant ist, Strom aus erneuerbaren Quellen für die Gewinnung von Wasserstoff im Kraftwerk Uppenborn I an der Isar (Landkreis Landshut) zu gewinnen. Der Wasserstoff soll für den Betrieb von Bussen und Lkw genutzt werden. Dazu ist bereits eine Tankstelle in Schlacht bei Glonn geplant.
  • MAN setzt auf Wasserstoff: Der Nürnberger Lastwagenbauer MAN muss seine Produktion umbauen: von Dieselmotoren auf klimafreundliche Antriebe. Der Freistaat will das Traditionsunternehmen dabei unterstützen.
  • Wasserstoff aus Plastikmüll: In Zusammenarbeit mit anderen Universitäten haben Chemiker der Universität Oxford eine Methode entwickelt, Kunststoffabfälle in Wasserstoffgas, das als sauberer Brennstoff verwendet werden kann, und in hochwertigen festen Kohlenstoff umzuwandeln.
  • Chance für Wasserstoff-Auto: Forschern des Leibniz-Institutes für Katalyse (Likat) ist ein Durchbruch bei der Rückumwandlung von Methanol in Wasserstoff gelungen: Mit dem Kaskaden-Verfahren gelingt dies schon bei Temperaturen von unter 100 Grad Celsius und damit effizienter. Voraussetzung für die Anwendung auch in Pkw.

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