28.11.2019 - 15:18 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Ideen für Wasserstoffregion Neustadt/WN tanken

Wasserstoff ist in aller Munde. Erst recht, seit der Landkreis Neustadt für diese revolutionäre Energietechnik als Modellregion ausgewählt wurde. Erste Ansätze, was dazu geplant ist, stellen Experten dem Kreistag vor.

An der Glaswanne von Pilkington in Weiherhammer geht es energieintensiv zu. Das Werk verbraucht zurzeit bis zu 300 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde. Wie er vor Ort gewonnen werden kann, ist eine Zukunftsfrage, die auch im Arbeitskreis der Wasserstoff-Modellregion Neustadt eine Rolle spielen könnte.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nehmen wir ein Unternehmen aus der Glasindustrie. Dort herrschen in der Produktion Schmelztemperaturen von über 1000 Grad. Um die zu erreichen, kommen technische Gase ins Spiel, etwa Wasserstoff (H2). Eine Zukunftsfrage ist, wie er vor Ort gewonnen werden kann. H2 gilt zudem als absolut sauberer Antrieb von Autos und Bussen.

Bevor das alles ausgereift ist, können noch zwei, drei Jahrzehnte vergehen. In der Modellregion Neustadt soll es nach Möglichkeit schneller so weit sein, erklärte Anke Schmidt den Kreisräten. Sie ist Mitarbeiterin der Nürnberger Choice GmbH, einer von fünf Fachfirmen, welche die H2-Aktivitäten im Landkreis begleiten werden.

Der Fahrplan sieht so aus: Demnächst soll sich ein etwa 15-köpfiger Akteurskreis zusammenfinden, der bis Ende 2020 in mehreren Workshops ein Konzept erarbeitet, wie regionale Wasserstoffnutzung in der Region bis 2050 aussehen könnte. Mitwirkende sollen unter anderem energieintensive Unternehmen sein, Energiegenossenschaften wie Zeno, das Institut für Energietechnik der OTH sowie Fachleute der Kreistagsfraktionen.

Bereit für Förderung

Das bedeutet nicht, dass in diesem Zirkel Visionen für 2050 oder später ersponnen werden, betont Barbara Mädl, Wirtschaftsförderin am Landratsamt. "Schon während der Ideenphase sollen Vorschläge auf Machbarkeit, Klimaschutz und juristische Details überprüft werden, um schnell Projekte einreichen zu können, sobald von Bund und Land ein Förderaufruf kommt."

Dabei kann es um viel Geld gehen. In der Anfangsphase schießt das Bundesverkehrsministerium 200 000 Euro zu, sobald es an die Umsetzung geht, dürfte es um zweistellige Millionenbeträge gehen. Neben dem Einsatz im produzierenden Gewerbe und beim Thema Mobilität kann sich Landrat Andreas Meier Wasserstoff auch für eine gemeinsame Bioabfallanlage vorstellen, die der Landkreis eventuell einmal mit Weiden und Tirschenreuth baut.

Fehlendes Gasnetz als Vorteil

Die anderen acht "Hystarter", wie die Modellregionen heißen, sind auch erst in dieser Findungsphase, teilte Roman Wolf von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) mit. Was unter anderem für Neustadt gesprochen habe, sei neben der sehr guten Bewerbung, der Grenznähe und einigen Automobilzulieferern die Tatsache gewesen, dass es im Landkreis kein flächendeckendes Gasnetz gibt. Das Gasnetz ist bislang fast das einzige Speichersystem für Wasserstoff. Im Landkreis würde eine solche Infrastruktur also neu aufgebaut. „Dabei könnte auch Wärmeversorgung eine Rolle spielen, wenn etwa ab 2026 Ölheizungen in Neubauten verboten sind“, sagt Anke Schmidt. Bei aller Technikbegeisterung sind sich die Kreisräte aber einig: Wasserstoff, der in dieses neue Netz fließt, soll möglichst aus regenerativer Energie erzeugt werden, sonst wäre der Umwelteffekt gleich verpufft.

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