16.08.2018 - 17:39 Uhr
NittenauDeutschland & Welt

Unglaubliche Jagd-Tragödie

Eine Jagd-Gesellschaft muss sich an viele Vorschriften halten. Dennoch kann es zu Querschlägern kommen. Einer davon tötete wohl bei Nittenau den 47-Jährigen Beifahrer eines vorbeifahrenden Autos.

Bei der Jagd gelten viele Vorschriften, dennoch können Querschläger nicht ausgeschlossen werden.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

(msh/ch) Alexander Flierl, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes und CSU-Landtagsabgeordneter, ist fassungslos. "Was bei Nittenau passiert ist, ist unfassbar tragisch." Der Beifahrer, der während der Fahrt auf der B 16 bei Goppeltshof (Kreis Schwandorf) tot zusammensackte, wurde von einer Kugel aus einem Jagdgewehr getroffen. Die Polizei konzentriert sich auf die Teilnehmer einer in der Nähe stattfindenden Jagd. Die Gewehre und die verwendete Munition werden untersucht.

"Der Umgang mit der Waffe spielt bei der Ausbildung der Jäger eine zentrale Rolle. Der Jagdverband betont immer den umsichtigen Umgang mit Waffen", sagt Flierl. Ob es sich tatsächlich um eine Erntejagd gehandelt hat, kann er nicht bestätigen. Allerdings werden bei der Jagd immer auch Schussbereiche festgelegt. "Diese werden so angelegt, dass keine Gefahr für andere besteht", erklärt Flierl. Es werde also nicht in Richtung einer Straße oder einer Ortschaft geschossen. Außerdem müsse auch immer der Kugelfang gegeben sein. Das bedeutet, dass die Kugel bei einem Schuss zum Beispiel im Boden landet, sollte der Jäger das Ziel verfehlen oder die Kugel das Wild durchdringen. "Das alles wird sicherlich bei den Ermittlungen eine Rolle spielen", ist sich Flierl sicher.

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Möglicherweise ist ein Querschläger die Ursache für den Tod des 47-Jährigen. "Es ist schon möglich, dass eine Kugel so abprallt, dass sie in eine andere Richtung weiterfliegt", sagt Jäger und Jagdaufseher Dieter Wiessnet. Flierl bestätigt: "Ja, ein Querschläger ist möglich. Harte Gegenstände, wie zum Beispiel ein Stein können schon reichen." Wiessnet ist kein Freund von Drück-, Treib- oder Erntejagden. "Fünf bis zehn Jäger umstellen ein Feld, man sieht den Gegenüber nicht, weil das Getreide bis zu zwei Meter hoch ist. Ungefährlich ist das nicht", erklärt er.

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Der Schwandorfer Kreisgruppenvorsitzende des Jagdverbandes, Johann Vornlocher, verweist auf drei Grundsätze, die jedem Jäger in der Ausbildung eingebläut werden: Das Ziel muss einwandfrei "angesprochen" werden können, also eindeutig erkennbar sein. Zweitens muss das Schussfeld frei sein. "Da darf kein Ast und nichts im Weg sein," sagt Vornlocher. Drittens, und ganz wichtig: Der natürliche Kugelfang muss gegeben sein. Idealerweise wird nach unten oder in Richtung eines Hanges geschossen. "Ein Wald reicht als Kugelfang nicht", warnt Vornlocher.

Die Kugel eines Jagdgewehrs könne auch in drei bis fünf Kilometern Entfernung noch gefährlich sein. Die Gefahr von Querschlägern oder Abprallern steigt, je flacher der Auftreffwinkel des Projektils auf den Untergrund ist. "Jeder Schütze ist für seinen Schuss verantwortlich. Die Entscheidung, ob er schießt oder nicht, kann ihm niemand abnehmen", sagte Vornlocher. Er nannte den Vorfall nahe Nittenau "unglaublich tragisch". Ein Sachverständiger untersucht momentan die beschlagnahmten Waffen, bestätigte das Polizeipräsidium Oberpfalz. Demnach steht zwar fest, dass das Projektil aus einer Jagdwaffe stammt. Aus welcher, muss die Untersuchung ergeben.

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