15.08.2018 - 16:27 Uhr
NittenauDeutschland & Welt

Querschläger tötet Beifahrer bei Nittenau

Nach dem Todesschuss bei Nittenau deutet immer mehr auf einen Jagdunfall hin. Alles weitere hängt nun von einem Gutachten eines LKA-Schusswaffen-Experen ab.

Ein Querschläger an einem Maisfeld entlang der B16 tötete wahrscheinlich den 47-Jährigen Mann bei Nittenau.

(dpa/nt/az) Der getötete Beifahrer auf der Bundesstraße 16 bei Nittenau ist von einem Geschoss aus einem Jagdgewehr getroffen geworden. Das habe die Obduktion des Leichnams ergeben, teilte die Polizei am Dienstag mit. Der 47-Jährige war am Sonntag während einer Autofahrt in Nittenau (Landkreis Schwandorf) auf dem Beifahrersitz plötzlich zusammengesackt. Zuvor war die Fensterscheibe zerborsten. Der Fahrer des Autos versuchte vergeblich, dem verletzten Mann zu helfen.

Zum Zeitpunkt des Unglücks waren am Tatort nahe des Nittenauer Ortsteils Goppeltshof mehrere Jäger an einer sogenannten Erntejagd beteiligt. Laut Bild-Zeitung soll es sich um fünf Personen handeln. Die Polizei stellte mehrere Jagdgewehre sicher. Ob das Projektil einem dieser Gewehre zugeordnet werden kann, war zunächst unklar. Klarheit soll das Gutachten eines Sachverständigen des Landeskriminalamts liefern.

Nach Einschätzung der Jagdvereinigung Nittenau wurde der 47-Jährige von einem Querschläger getroffen. "Es muss ein tragischer Unfall während einer Erntejagd gewesen sein", sagte der Vorsitzende Otto Storbeck der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). Bei dieser Jagdvariante umstellen die Jäger ein Feld, in dem Wildtiere nach Nahrung suchen. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands sind im vergangenen Jahr zwei Menschen durch Schusswaffen bei der Jagd gestorben und zwei verletzt worden. Im Jahr 2016 seien neun Menschen verletzt worden.

Erst Mitte Juli war es in Thüringen zu einem tödlichen Jagdunfall gekommen. Ein 56-jähriger Jäger wurde bei einer Erntejagd in einem Feld bei Unterwellenborn von einer Kugel getroffen und starb. Wenige Tage zuvor war ein sechsjähriges Mädchen in einer Kleingartenanlage im thüringischen Großsaara angeschossen worden und musste operiert werden.

Im März hatte ein 76-jähriger Jäger im Landkreis Celle in Niedersachsen lebensgefährliche Verletzungen erlitten, als sich aus dem ungesicherten Gewehr seines Schwiegersohnes ein Schuss löste.

Ähnlicher Fall in Oberfranken:

Erst im April hatte das Landgericht Hof einen Jäger und Büchsenmacher wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Mann hatte im September 2012 bei Schönwald in Oberfranken versehentlich einen 26-Jährigen erschossen – ebenfalls bei der Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld. Das Amtsgericht Wunsiedel hatte den Schützen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. In der Berufungsverhandlung reduzierten die Richter dann die Strafe für den 57-Jährigen. (wüw)

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