Deutschland und die Welt
27.06.2019 - 16:50 Uhr

Nur Tropfen auf den heißen Stein

Die Festnahmen im Fall Walter Lübcke sind ein Erfolg – und gleichzeitig doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Kommentar von Eva-Maria Hinterberger.

Symbolbild:  Christoph Schmidt/dpa

Relativ schnell nach dem Mord an Walter Lübcke hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Mittlerweile hat Stephan E. gestanden. Ein Erfolg für die Ermittler. Nun wird bekannt, dass es weitere Festnahmen gegeben hat. Zwei Männer werden der Beihilfe an der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten beschuldigt. Ein weiterer Erfolg.

Trotzdem sind das aber nur Tropfen auf den heißen Stein, wie auch der Jahresbericht des Bundesamts für Verfassungsschutz zeigt: Laut diesem gelten 24 100 Personen in Deutschland als Rechtsextremisten. Rund 12 700 werden als gewaltbereit eingestuft. Sie wären wohl bereit, andere Menschen zu verletzen oder gar zu töten, um ihren Ansichten Nachdruck zu verleihen. Dies zu verhindern, ist nun vor allem Aufgabe von Polizei und Verfassungsschutz. Aber nicht nur.

Wir alle können einen Teil dazu beitragen, dass sich Fremdenhass, Rechtsextremismus und Gewaltbereitschaft nicht immer weiter ausbreiten: Indem wir uns nicht unterkriegen lassen und keine Angst haben, für eine offene und friedliche Welt einzutreten. Indem wir denen, die diese gefährden, offen entgegentreten - egal ob es sich um Beleidigungen auf der Straße handelt oder Kommentare im Internet. Auch Walter Lübcke war anfangs nur Opfer von Beleidigungen in sozialen Medien. Nun ist er tot.

 
Kommentare

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A. Schmigoner

Die ekligen Kommentare einiger AfD-Kreisverbände nach dem Mord an Walter Lübcke, durch einen bekennenden Rechtsradikalen, sprechen Bände. Regelmäßig treten hohe Funktionsträger aus der Partei aus, weil ihnen die braune Gesellschaft nicht mehr behagt. Die AfD ist ein Prüffall und Teile der Partei sind Beobachtungsfälle des VS. Das ist gut so. Im übrigen hat der EUGH später klargestellt, dass das Handeln der Bundesregierung 2015 nicht gegen Gesetze verstoßen hat, zu diesem Thema hatte sich Walter Lübcke in einer Bürgerversammlung geäußert. Die AfD fodert "politische Korrektheit" immer nur vom Rest der Gesellschaft gegenüber der AfD ein. Selbst pflegt man eine agressive Ausdrucksweise, die das politische Klima in Deutschland verändert und den Mord an Lübcke ermöglicht hat.

01.07.2019
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