Mit dem 9-Euro-Ticket raus aus der Oberpfalz
Die Zahlen sprechen für sich: Millionen von Tickets wurden bereits verkauft. Und auch ich habe mir schon im Mai mein 9-Euro-Ticket zugelegt. Meine Reise nach Dresden stand seit Januar fest. Umso besser, dass ich über das Pfingstwochenende Benzingeld sparen konnte.
Meine Freundin und ich haben schon Anfang des Jahres unseren Kurzurlaub nach Dresden geplant. Sie wohnt nahe Braunschweig – mit dem ICE nach Dresden ist günstig, solange man frühzeitig bucht. Für mich sieht das schon anders aus. Fernbusse fahren mittlerweile selten nach Dresden – am Pfingstwochenende nur nachts von Bayreuth aus. Also gab es für mich nur zwei Optionen: Bahn oder Auto. Dank der hohen Spritpreise habe ich mich schnell für die Deutsche Bahn entschieden – ohne das 9-Euro-Ticket hätte mich die Fahrt nach Dresden und zurück allerdings über 80 Euro gekostet. Klar war ich vor Fahrantritt aufgeregt. "Es ist Pfingsten und die Züge sind sicher bis zum Rand hin voll", dachte ich mir. Meine Hoffnung lag auf meiner Verbindung: Von Immenreuth ging es über Hof nach Dresden – der Andrang sollte da nicht so groß sein, oder?
Unterwegs in vollen Zügen
Ich bin am Freitag in Immenreuth im Landkreis Tirschenreuth gegen drei Uhr am Nachmittag losgefahren – mit der Agilis-Bahn Richtung Bad Steben. Am Bahnsteig selbst war ich die Einzige, die auf den Zug gewartet hat. Gutes Zeichen? Die Agilis war zwar gut gefüllt – aber einen Sitzplatz zu finden war nicht schwer. Erleichtert und mit Musik im Ohr fuhr ich knapp eine Stunde bis nach Hof. Dort musste ich umsteigen. Die Umsteigezeit betrug 50 Minuten. Glücklicherweise war mein Zug schon eine halbe Stunde vor Abfahrt da – der Zug war halbleer. Noch. Denn etwa zehn Minuten vor Abfahrt kam ein anderer Zug am Gleis gegenüber an. Es dauerte nur wenige Minuten und mein Zug füllte sich mit Menschen. Kein Sitzplatz blieb frei, die Gänge waren voll – auch mit Gepäck, weil die Gepäckablagen für die ganzen Koffer, Rucksäcke und Taschen nicht ausgereicht haben.
Dennoch war es eher ruhig im Vergleich zu dem, was in anderen Städten vor sich ging. Mein Halbbruder setzte ein Foto des Hamburger Bahnhofs in seinen WhatsApp-Status: Die Menschenmassen glichen einem Festival. Ein Bekannter erzählte, dass sich am Pegnitzer Bahnhof die Leute wortwörtlich geprügelt haben, um einen Platz im Zug zu bekommen. Volle Züge sind nicht neu – ich musste in der Vergangenheit schon oft genug stehen. Drei Stunden Fahrt nach Dresden im Sitzen – mit 9-Euro-Ticket am Pfingstwochenende – waren diesmal aber scheinbar Luxus.
Von Dresden zurück nach Immenreuth
Wir haben am Pfingstmontag um kurz vor elf Uhr aus unserem Hotel ausgecheckt – mit der Straßenbahn ging es zum Bahnhof. Mein Zug sollte um 11.50 Uhr losfahren. Der Zug stand schon da – die Türen blieben aber zu. Der Bahnsteig füllte sich schnell, doch erst zehn Minuten vor Abfahrt gingen die Türen auf. Das gleiche Spiel wie bei meiner Anreise setzte sich auch auf der Rückfahrt fort. Ich habe einen Sitzplatz bekommen, einige Leute mussten aber stehen. Mit einer Stunde Verspätung kam ich in Hof an, nach einer Wartezeit von circa 30 Minuten ging es mit der Agilis nach Immenreuth. Hier musste niemand stehen. Nach über fünf Stunden Fahrt stieg ich aus.
Für mich waren beide Fahrten – Hin- und Rückfahrt – entspannt. Ich hatte in allen vier Zügen einen Sitzplatz, trotz Pfingstwochenende. Auch wenn mein Zug auf der Rückfahrt über eine Stunde Verspätung hatte, kann ich mich nicht beklagen. Schließlich habe ich nur neun Euro bezahlt. Somit war mein erstes Erlebnis mit dem Ticket vollkommen stressfrei.
Weitere Ausflugsziele
Meine nächste Städtereise ist deshalb bereits geplant: Ende Juni geht es für mich nach Würzburg. Von Weiden aus bin ich knapp über drei Stunden unterwegs – zweimal muss ich umsteigen. Doch was ist mit Zielen weit weg von Bayern? Im Mai gab es in den Sozialen Medien gefühlt nur ein Thema, wenn es um das 9-Euro-Ticket ging: Sylt. Für wenig Geld ans Meer fahren, klingt schon verlockend. Beispielsweise fährt man von Neumarkt in der Oberpfalz nach Sylt fast 14 Stunden – inklusive siebenmal umsteigen. Nach Rügen sind es ebenfalls über 13 Stunden. Und da sind Ausfälle und Verspätungen noch gar nicht eingerechnet. Für mich ist das nichts. Ich bleibe bei Städtereisen in meiner Nähe. In Bayern gibt es so viele schöne Ecken – nicht nur die bekannten Großstädte, wie Würzburg, München oder Regensburg müssen dabei auf der Liste stehen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Ausflug nach Rothenburg ob der Tauber? Die mittelfränkische Kleinstadt im Landkreis Ansbach liegt an der Grenze zu Baden-Württemberg. Die mittelalterliche Altstadt ist wirklich sehenswert. Von Weiden aus braucht man etwa dreieinhalb Stunden nach Rothenburg. Von Amberg aus eine Stunde weniger. Was sich im Sommer natürlich auch anbietet, sind Ausflüge an einen See. Beispielsweise braucht man von Schwandorf knappe vier Stunden nach Bernau am Chiemsee, von Weiden aus sind es wenige Minuten mehr. Nach Ramsberg am Brombachsee in Mittelfranken reist man etwa drei Stunden vom Weidener Bahnhof aus.
Das Problem am Land
Das 9-Euro-Ticket so viel wie möglich nutzen – das ist auch mein Plan. Doch das Auto komplett stehen lassen, kann ich nicht. Warum? Weil in meinem Wohnort kein Bahnhof existiert. Ich wohne in Eschenbach, der nächste Bahnhof ist in Pressath – etwa zehn Kilometer weit weg. Einfach so in den Bus steigen, kann ich nicht. Die Busverbindungen sind schlecht. Es fahren zwar Busse, aber selten und zu Uhrzeiten, die dann wiederum nicht zu den Abfahrtszeiten am Bahnhof passen. Da siegt dann wieder die Bequemlichkeit und ich setze mich ins Auto, um zu einem Bahnhof zu fahren. Das habe ich auch am Pfingstwochenende gemacht, als es nach Dresden ging. Meine Mama wohnt in Immenreuth – mein Auto kann ich dort ohne Probleme abstellen. Doch das Problem am Land betrifft nicht nur Wochenendausflüge – in die Arbeit nach Weiden fahre ich auch weiterhin mit dem Auto. Von Eschenbach aus fahren Busse zu Uhrzeiten, da liege ich noch im Bett. Und statt einer halben Stunde brauche ich dann die doppelte Fahrzeit – schließlich hält der Bus gefühlt in jedem Ort an.
Klar ist das Meckern auf hohem Niveau und generell bin ich froh über die Möglichkeit, günstig mit dem 9-Euro-Ticket von A nach B zu kommen – aber das Ziel ist nicht, nur ein günstiges Ticket anzubieten und dann war es das. Langfristig muss der öffentliche Nahverkehr – vor allem in der ländlichen Region – ausgebaut werden. Sonst geht es nie ganz ohne Auto.
Rund um das 9-Euro-Ticket
- Das Ticket ist Teil eines Energie-Entlastungspaketes der Bundesregierung. Es soll die gestiegenen Energie- und Spritpreise für Bürgerinnen und Bürger kompensieren.
- Das Ticket ist in Apps, Kundenzentren, an Fahrkartenschalter und anderen Verkaufsstellen der jeweiligen Verkehrsunternehmen und Verbünde erhältlich.
- Kinder unter sechs Jahren fahren in Begleitung einer erwachsenen Person kostenfrei mit und benötigen keine eigene Fahrkarte. Kinder ab sechs Jahren brauchen ein eigenes 9-Euro-Ticket.
- Das Ticket gilt jeweils für Juni, Juli und August. Insgesamt kosten drei Monate also 27 Euro.
- Das Ticket gilt bundesweit in allen Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Zügen des Nah- und Regionalverkehrs der zweiten Klasse.
- Das Ticket gilt auch für Fähren, die – beispielsweise in Berlin oder Hamburg – Teil des öffentlichen Nahverkehrs sind.
- Nicht genutzt werden kann das Ticket im ICE, Intercity und Eurocity, in Flixbussen und Flixzügen.
- Für Abo-Kunden gilt: Ihr Abo wird durch das Verkehrsunternehmen automatisch auf neun Euro abgesenkt oder der Differenzbetrag in den Folgemonaten ausgeglichen, durch Gutschrift oder Erstattung.





















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