23.09.2021 - 18:00 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Fliegendes Diebesgut: Warum immer wieder Bienenvölker gestohlen werden

In den vergangenen drei Jahren wurden gehäuft Bienenvölker entwendet. Auch Pfarrer Stefan Fischer aus Hirschau ist Opfer eines solchen Diebstahls geworden. Doch was steckt dahinter?

Stefan Fischer, der evangelische Pfarrer in Hirschau an der Stelle, wo sich die Insekten niedergelassen hatten.
von Esther LärmerProfil

Der Hirschauer Pfarrer Stefan Fischer ist immer noch verärgert. Eigentlich hatte er vor, den Honig aus seiner Kirche zu verkaufen. Schon zu Zeiten seines Vorgängers hatten sich oberhalb der Sakristei Bienen häuslich eingerichtet. Sogar ein eigenes Einflugloch hatten die Insekten. Der Honig sei schon von der Decke der Sakristei getropft. Während der Renovierungsarbeiten wurde der Kasten mit dem Bienenvolk vor der Kirche abgestellt. Dann machte der Pfarrer den neuen Standort auf Facebook öffentlich.

Am nächsten Morgen war das Bienenvolk gestohlen. Genauso die Planen der Bauarbeiter mit denen die Diebe das Bienenvolk offenbar abtransportiert haben. "Es muss ein Imker gewesen sein", nimmt er an. "Weil sonst wüsste der gar nicht, dass man die Bienen in der Nacht abholen muss". Die Polizei sucht noch immer nach Hinweise, erklärt der Pressesprecher der Polizei Oberpfalz, Florian Beck. Es gibt auch noch keine Hinweise auf die Täter.

Hirschau ist kein Einzelfall

Obwohl der Fall der gestohlenen Bienen in Hirschau außergewöhnlich klingt, ist er es nicht. 2018 waren bei Wenzendorf (Kreis Regensburg) 10 000 bis 15 000 Bienen geklaut worden. Im März 2019 wurden einem Imker in seiner Hütte zwei Bienenvölker in der Nähe von Guteneck (Schwandorf) entwendet. Einem 65-jährigen Hobbyimker aus dem Kreis Amberg-Sulzbach wurden Ende März 2020 vier Bienenvölker gestohlen. Auch in der Gemeinde Reuth bei Erbendorf (Tirschenreuth) verschwand im Mai 2020 ein Bienenkasten, in Schönreuth (Tirschenreuth) Ende Februar 2021.

Imker als Hauptverdächtige

Florian Winkler hat zumindest eine Vermutung, wer die Täter sein könnten. Der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Amberg kann sich vorstellen, dass es jemand ist, der sich in diesem Metier auskennt. Er hat zwar schon von diesen Diebstählen gehört. Jedoch ist ihm von seinen Vereinsmitgliedern noch kein Fall gemeldet worden.

"Es muss jemand sein, der zumindest weiß, wie man die Bienen transportiert." Zum Beispiel ein Imker, der seine Verluste aus dem Winter ausgleichen will. "Ein Bienenvolk ist nicht gerade günstig." Bei den Kästen käme es auf die Größe an - zwischen 100 und 250 Euro, führt Georg Erl, der Vorsitzende des Imkervereins Weiden und Umgebung aus.

Und auch die Bienen verursachen Kosten. "Zwischen 100 und 150 Euro werden Bienenvölker gehandelt." Hinzu kommt die finanzielle Einbuße durch den verschwundenen Honig. Da die meisten Verluste im Winter passieren, könnte dies die Diebstähle im Frühjahr erklären, sagt Florian Winkler.

Doch wie kann man seine Tiere schützen? Ein Zaun schützt die Tiere nicht nur vor Diebstahl, sondern auch vor neugierigen Augen, ergänzt Erl. Auch er vermutet, wie sein Kollege aus Amberg, aus den gleichen Gründen Imker hinter den Diebstählen. Deswegen sollte man den Standort nur Menschen verraten, denen man vertraut, sagt Florian Winkler.

Brandzeichen und Aufkleber

Aber ist es möglich, nach dem Diebstahl das gestohlene Volk wiederzufinden? Winkler kennt da zwei Möglichkeiten. Damit man das Material wieder erkennen kann, sind zum Beispiel Brandzeichen auf den Holzrahmen eine Option. "Bei den Fällen, von denen ich gehört habe, wurden nicht die ganzen Kästen, sondern nur die Rähmchen gestohlen." Eine Methode, um das Bienenvolk wieder zu identifizieren, ist die Königin mit einem Aufkleber zu markieren, wie Florian Winkler erklärt. Diese sind meistens mit einer Zahl versehen und farblich codiert. Jedes Jahr hat seine eigene Farbe und diese wiederholen sich alle fünf Jahre. "Wie die Tüv-Plakette am Auto", scherzt Florian Winkler.

Ob der Pfarrer Stefan Fischer seine Bienen wohl zurück bekommen wird? Die Idee, den Honig der eigenen Bienen aus der Kirche zu verkaufen, ist auf jeden Fall in diesem Jahr nicht mehr umsetzbar. "Wenn ich jetzt neue Bienenstöcke hinstelle, dann ist das nicht mehr der Honig von unseren Bienen." Die Insekten, die sich in der Kirche niedergelassen hatten, waren eben etwas ganz Besonderes.

Besonders im Frühjahr werden Bienenvölker geklaut

Bayern

Mehr zum Bienen-Diebstahl in Hirschau

Hirschau
Hintergrund:

Fakten über Honigbienen

  • Für ein Kilo Honig muss ein Bienenvolk drei bis fünf Millionen Blüten anfliegen.
  • Es legt dabei ca. 100 Tausend Kilometer zurück.
  • Die Biene gilt als drittwichtigstes Nutztier hinter Schwein und Rind.
  • Bienen fliegen bevorzugt blaue und gelbe Blüten an, weil sie die Farbe Rot nicht erkennen können.
  • In ihrem vier bis fünf Wochen langen Leben produziert eine Biene zwei Teelöffel Honig.
  • Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 40 Milliarden Honigbienen.
  • Das Sammelgebiet eines Volkes beträgt fast 50 Quadratkilometer
  • In Deutschland gibt es 130.000 Imker. Davon sind etwa 2 Prozent Berufsimker.
  • Von 100 Kilogramm Honig entnimmt der Imker 25 Kilogramm. Den Rest behalten die Bienen für sich selbst.
  • Ein Bienenvolk besteht aus etwa 60.000 Arbeitsbienen, mehreren hundert Drohnen und einer Königin.
  • Königinnen können bis zu fünf Jahre alt werden.
  • Sie können im Sommer 1200 bis 2000 Eier legen
  • Quelle: https://www.beebetter.de/10-fakten-rund-um-die-honigbiene
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.