Frauenarzt und Krimi-Liebhaber: Autor Thomas Bäumler im "Kulturkiosk"

Oberpfalz
03.02.2023 - 17:55 Uhr
OnetzPlus

Thomas Bäumler ist Frauenarzt. Sein Hobby: schreiben. Sechs Krimis hat er bereits veröffentlicht, Schauplatz ist die nördliche Oberpfalz. Warum er Autor wurde und welche Hobbys er sonst noch hat, erzählt er im Podcast "Kulturkiosk".

Wenn er jeder Protagonist in einem Roman sein könnte, wäre er Meisterdetektiv Hercule Poirot. Thomas Bäumler liebt Krimis und schreibt auch selbst welche. Die Geschichten spielen in der nördlichen Oberpfalz. "Meine Bücher sollen Lesern meine Heimat näherbringen", sagt er. In seinem zuletzt erschienenen Buch "Stiftlandsirtaki" ist beispielsweise die Basilika in Waldsassen Schauplatz eines Mordes. "Die Region hat viel anzubieten und wird oft unterschätzt. Die Leute sind bescheiden und die Landschaft sowie die Kultur beeindrucken mich. Und natürlich ist der Zoigl das beste Bier."

Zur Podcastfolge mit Thomas Bäumler:

Der 61-Jährige wohnt in Altenstadt/WN, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Geboren ist er in Neustadt/WN. Bäumlers Krimis entführen aber auch ins Ausland, wie auf die Insel Kreta, nach Rom, Prag oder Namibia. "Meine Bücher sind eine Mischung aus Heimat und Ferne. Alle Orte, die ich auswähle, habe ich auch schon persönlich besucht."

Ein Charakter, den Fans lieben

Nicht nur die Schauplätze seien interessant, sondern auch eine bestimmte Protagonistin: Gerti Zimmermann. "Die junge Journalistin deckt zusammen mit der Polizei Mordfälle auf. Als Leser bekommt man aber auch einen Einblick in Privatleben mit allen Höhen und Tiefen", sagt Bäumler. "Die Fangemeinde wächst, Gerti kommt bei den Lesern gut an." 2015 erschien das erste Buch der Zimmermann-Reihe, "Priester Neffe Tod." Fünf Fortsetzungen folgten – unter anderem "Liebe, Tod und Zoigl" und "Frauengrund".

Ein Frauenarzt, der Krimis schreibt

Bereits zwei Jahre zuvor hat Bäumler seinen ersten Kurzroman als E-Book veröffentlicht. "Askifou" wagt einen Blick in ein verarmtes Deutschland im Jahr 2042 und schildert die Flucht eines 81-jährigen Psychotherapeuten nach Griechenland. "Ich war selbst auf Kreta im Urlaub. Ich hatte wenig zu tun, also habe ich einfach Papier und Stift in die Hand genommen", erzählt Bäumler. "Seither ist Schreiben für mich Hobby und Erholung."

Schon als Kind verschlang Bäumler ein Buch nach dem anderen. "Mein Lieblingsautor ist Hermann Hesse", sagt er. "Meinen Brüdern habe ich am Abend auch immer Gute-Nacht-Geschichten erzählt." Nach der Schulzeit entschied sich Bäumler aber Arzt und nicht Schriftsteller zu werden. "Eigentlich wollte ich Forstwirtschaft studieren, aber meine Sehschwäche hat das verhindert." Nach einem Praktikum in der Geburtshilfe entschied er sich, Gynäkologe zu werden. Bis heute betreibt er eine Praxis in Neustadt. "Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich jedes Jahr ein neues Buch herausbringen. Aktuell brauche ich für etwa 200 Seiten ein Dreivierteljahr bis Jahr", erzählt er.

Kein zurechtgelegter Plan

Inspiriert wird Bäumler von anderen Detektivgeschichten. "Ich bin großer Fan von englischen Krimis. Sie sind spannend und nicht zu ernst. Bisschen Humor trotz Mord und Totschlag muss einfach sein." Auch das wahre Leben lässt der Autor in seine Bücher mit einfließen. "Oft sind es Erzählungen von Bekannten, die mich auf eine Idee bringen. Ich habe nie ein Konzept. Am Anfang weiß ich nie, was am Ende passiert. Nicht mal der Mörder steht schon von Beginn an fest."

2000 Exemplare des Zoigl-Krimis wurden bereits verkauft. Das große Geld bleibe aber aus, sagt Bäumler. Pro Buch bekomme er etwa fünf bis zehn Prozent Anteil, der Rest gehe an seinen Verlag, den "Main"-Verlag mit Sitz in Frankfurt. "Schreiben ist Liebhaberei. Reich werde ich dadurch nicht. Das ist mir aber auch nicht wichtig. Ich bin froh, wenn ich wenigen Menschen eine Freude machen kann und positive Rückmeldung bekomme."

Krimi Nummer 7

Bücher schreiben ist aber nicht sein einziges Hobby. Eine seiner größten Leidenschaften ist die Heimatarchäologie. "Ich gehe über Felder und suche historische Artefakte. Mein ältestes, eine Art Werkzeug, ist ungefähr 20 000 Jahre alt", erzählt Bäumler. Unter Dreck und Steinen das Außergewöhnliche finden – das sei der Grund, wieso er sogenannte "Begehungen" so sehr liebe. "Ich bekomme den Kopf frei, es ist wie meditieren." Zum Thema "Heimatarchäologie" hat Bäumler auch mehrere Texte in der "Oberpfälzer Heimat" veröffentlicht, ein wissenschaftliches Jahrbuch, das Themen aus der Oberpfalz aufgreift, auch historische.

Für die Zukunft hat der Autor noch einiges vor. "Ich denke darüber nach, eine Art Entwicklungsroman zu schreiben", sagt Bäumler. "Allerdings erst, wenn ich in Rente bin." Der nächste Krimi sei aber schon so gut wie fertig und erscheine vielleicht noch dieses Jahr. "Es hat was mit einer alten Sage aus Venedig zu tun, das kann ich schon mal verraten. Und natürlich ist Gerti Zimmermann wieder am Start."

Hintergrund:

Zur Person: Thomas Bäumler

  • Steckbrief: geboren 1961 in Neustadt/WN, wohnt in Altenstadt, verheiratet, zwei Söhne, Medizinstudium 1982 in Erlangen
  • Beruf: Gynäkologe; seit 1994 eigene Praxis in Neustadt mit Schwerpunkt Brustdiagnostik
  • Hobbys: Krimis schreiben, Heimatarchäologie
  • Die Krimis: Priester Neffe Tod (Band 1), Frauengrund (2), Liebe, Tod und Zoigl (3), Kain Abel Oberpfalz (4), Glaslandblues (5), Stiftlandsirtaki (6)
  • Lieblingsautor: Hermann Hesse
OnetzPlus
Waldsassen14.10.2021
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
 
 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.