29.01.2020 - 19:27 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Immer mehr Bauern vor Burnout

Düngeverordnung, Preiskampf an der Supermarkt-Theke und Zukunftssorgen: Der Druck auf die Landwirte in Bayern wächst - und das hinterlässt Spuren in der Seele.

Immer mehr Landwirte ertragen den Druck nicht mehr: Vorschriften und Regeln für mehr Umweltschutz sowie Imageverlust zehren an den Nerven. Die Nachfrage nach psychologischer Hilfe steigt – das belegen jetzt alarmierende Zahlen.
von doa Kontakt Profil

"Wir beobachten aktuell, dass die Nachfrage nach psychosozialen Angeboten steigt", zeigt sich Ely Eibisch, stellvertretender Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, gegenüber Oberpfalz-Medien besorgt. "Durch neue Verordnungen und Anforderungen in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion wie etwa Düngeverordnung, Artenschutzgesetz, Aufzeichnungspflichten und die dazugehörigen Kontrollen entsteht eine psychische Belastung, die neben den alltäglichen Aufgaben bewältigt werden muss." Das führe nicht selten auch zu Depressionen.

Ely Eibisch, stellvertretender Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, ist besorgt um das Wohl der Landwirte.

Während es in der Vergangenheit besonders Frauen waren, die sich wegen familiärer Probleme an spezielle Beratungseinrichtungen für Landwirte gewendet haben, melden sich mittlerweile auch immer öfter Männer aufgrund depressiver Verstimmungen und Burnout.

Für Landwirte gibt es spezielle Krisen-Hotlines. Und die sind sehr gefragt.

Niederschwellige psychosoziale Hilfsangebote speziell für Menschen aus landwirtschaftlichen Betrieben bieten in Deutschland gleich mehrere Einrichtungen an. Seit 2018 betreibt etwa die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) eine Krisenhotline. Ausgebildete Psychologen und psychiatrische Fachpflegekräfte stehen dort rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, beratend zur Seite.

Konflikte mit der Familie und dem Hof

Die Nachfrage ist seit der Einführung enorm gestiegen, wie Zahlen der internen Auswertung belegen. Auch hier zeigt sich: Während es anfänglich vor allem Frauen waren, die telefonischen Rat gesucht haben, überwiegen immer öfter die Männer. Die häufigsten Anruf-Gründe sind dabei immer noch familiäre Konflikte (17 Prozent), Partnerschaft/Ehe (16 Prozent), Probleme mit der Erziehung (15 Prozent). Auf den Plätzen vier und fünf rangieren Arbeitsbelastung (8 Prozent) und wirtschaftliche Existenzgefährung (5 Prozent).

Kein Tabuthema mehr

"Die Sorge um den Betrieb, Stress am Arbeitsplatz, Konflikte in der Familie, kritische Lebensereignisse - irgendwann wird es einfach zu viel, um mit den Belastungen alleine fertig zu werden", weiß Stefan Adelsberger von der SVLFG. Er ist überzeugt: "Seelische Gesundheit darf kein Tabuthema sein."

Oberpfälzer Landwirte haben Gesprächsbedarf.

Schmidmühlen

Ein weiteres Hilfsangebot ist das MontagsTelefon der BBV-Stiftung "Land und Leben". Rund 80 Prozent der dortigen Anrufer sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Die Themen beinhalten zumeist familiäre Beziehungen, Partnerschaftsprobleme, Ängste, depressive Verstimmungen, Einsamkeit und Hofnachfolge.

Bauern helfen Bauern

Die meisten Anrufer kommen aus Oberbayern, die Oberpfalz liegt auf Platz 3 mit knapp 18 Prozent. Dass der Druck für Landwirte steigt, kann auch die fachliche Leiterin Katharina Stanglmair bestätigen. "Viele Anrufer klagen etwa über die Belastung durch Bürokratie im Arbeitsalltag. Gleichzeitig will man aber auch die Familie nicht vernachlässigen."

Die Kummer-Nummer wird von sechs Bäuerinnen ehrenamtlich betrieben. "Wir hören zu, versuchen einen Perspektivenwechsel einzuleiten und den Weg für ein vertiefende Beratung zu ebnen."

"Bauern als Buhmann der Nation"

Harlesberg bei Theisseil

Ein wichtiges positives Signal der Politik an die Bauern folgte zu später Stunde am Mittwoch: Die große Koalition sagte den Landwirten eine Finanzspritze in der Höhe von einer Milliarde Euro zu als Unterstützung bei der Umsetzung der verschärften Düngeverordnung.

Streit wegen Bauernproteste

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Unter diesen Nummern gibt's Hilfe: :

Jeder Mensch erlebt neben guten Lebensphasen zwangsläufig auch Krisen. Bei einer seelischen Notlage Unterstützung anzunehmen kann helfen, die jeweilige Situation einzuordnen und zu bewältigen.Die Krisenhotline der SVLFG ist 24 Stunden täglich unter der Telefonnummer 0561/78510101 erreichbar. Bei Bedarf sind auch weiterführende Gespräche mit Spezialisten möglich.

Das MontagsTelefon bietet immer montags unter der Telefonnummer 0800 1311310 von 9 bis 13 Uhr und von 16 bis 20 Uhr ein offenes Ohr bei Sorgen und Nöten an. Die Gespräche sind anonym.

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