06.04.2021 - 17:01 Uhr
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Jetzt impfen auch die Hausärzte: "Neue Zeitrechnung"

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Ab Mittwoch geht es los: Hausärzte in ganz Bayern impfen gegen Corona. Trotzdem ist erst einmal noch viel Geduld gefordert von den Patienten.

Auf den jetzt beginnenden Impfungen bei niedergelassenen Ärzten ruhen große Hoffnungen.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) haben sich im gesamten Freistaat rund 8500 Praxen bereit erklärt, ihren Patienten eine Impfung gegen Covid-19 anzubieten. Wie viele Impfungen wirklich stattgefunden haben, wisse man aber erst im Nachgang, heißt es auf unsere Anfrage hin aus der Zentrale in München.

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) spricht jedoch bereits von "einer neuen Zeitrechnung im Kampf gegen Covid-19". Die drei Vorsitzenden Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp erklären in einer aktuellen Pressemitteilung: „Mit dem Beginn der Kampagne in allen impfbereiten bayerischen Praxen beginnt nun eine neue Phase, um Covid-19 nachhaltig bekämpfen zu können." Die Zahl der gelieferten Impfdosen werde sich jetzt, im zweiten Quartal, im Vergleich zum ersten deutlich erhöhen, so dass der erfolgreiche Abschluss der größten Impfkampagne in der Geschichte Bayerns nur über niedergelassene Ärzte führe. Zunächst mehrheitlich über Hausärzte, mit steigender Anzahl der Impfdosen im April aber zunehmend auch über Fachärzte.

Vorerst nur Biontech-Vakzin

Deutschlandweit beginnen 35000 der insgesamt 50000 Hausarztpraxen mit den Corona-Schutzimpfungen. Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mitteilte, würden in den ersten beiden Wochen jeweils 940 000 Impfdosen des Herstellers Biontech an die Praxen ausgeliefert. Zum Monatsende könnte sich die Zahl aber bereits auf drei Millionen Impfdosen erhöhen. Indem man mit Impfungen in den Arztpraxen beginne, würden Strukturen etabliert, die künftig für mehr und schnellere Impfungen sorgen könnten.

Die Priorisierung der Coronavirus-Impfverordnung bildet laut Bundesgesundheitsministerium auch die Grundlage für die Impfungen in den Arztpraxen. Derzeit stünden vor allem Menschen mit chronischen Vorerkrankungen im Mittelpunkt. Allerdings könnten die Ärzte auch selbst über die Impfreihenfolge entscheiden, wenn dies für eine effiziente Organisation und eine zeitnahe Verwendung der Impfstoffe notwendig sei. Was vor allem in der Nordoberpfalz von Bedeutung sein dürfte: "Ausdrücklich zulässig ist eine Abweichung von der Impfreihenfolge auch, um eine dynamische Ausbreitung des Coronavirus aus hochbelasteten Grenzregionen und in oder aus deutschen Hochinzidenzgebieten zu verhindern", schreibt das Ministerium auf seiner Webseite.

Jeder, der sich impfen lassen will, wird diesen Schutz zeitnah bekommen.

Dr. Wolfgang Ritter, Mitglied im Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes

Für Dr. Wolfgang Ritter, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes, ist der Impfstart in Bayern ein „gutes und hoffnungsvolles Signal im Kampf gegen die Corona-Pandemie." Die Hausärzte seien Impfprofis und könnten flächendeckend große Bevölkerungsgruppen schützen. "Wir werden zunächst denjenigen Patientinnen und Patienten ein Impfangebot machen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen zu den vulnerablen Gruppen gehören. Wir bitten deshalb alle anderen Patienten, sich noch zu gedulden. Aber jeder, der sich impfen lassen will, wird diesen Schutz zeitnah bekommen“, sagte Ritter anlässlich des vorgezogenen Impfstarts in ausgewählten Praxen.

Geduld bleibt gefragt

Wer es geschafft hat, einen Impftermin in seiner Hausarztpraxis zu bekommen, aber bereits im digitalen Meldeportal "BayIMCO" angemeldet war, sollte sich dort sofort nach der Erstimpfung austragen, betont die KVB. Denn die Hausärzte selbst hätten keinen Zugriff auf das Portal. Auch die KVB bittet alle Patienten um Nachsicht mit dem Praxis-Personal und vor allem um Geduld: „Wir hoffen, dass die Impfzusagen der Hersteller in Zukunft eingehalten werden, da die Impfstofflieferungen bis auf weiteres der Flaschenhals der Impfkampagne bleiben." Zugleich gibt man sich optimistisch: "Ist die kontinuierliche Versorgung mit Vakzinen sichergestellt, ist der schnellste Weg zur so genannten Herdenimmunität die Verimpfung aller verfügbaren Impfstoffe über uns Niedergelassene“, schreibt der Vorstand der KVB in seiner aktuellen Pressemitteilung.

Kommentar zum Impfen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Impfen beim Hausarzt

 

  • Beim vorgezogenen Impfstart vom 31. März bis zum 5. April haben Hausarztpraxen in der Oberpfalz 2229 Impfungen verabreicht.
  • Es ist derzeit nicht vorgesehen, dass Impfstoffdosen für die Zweitimpfung in den Arztpraxen zurückgelegt werden. Die Ärztinnen und Ärzte müssen die Termine entsprechend planen und dann die benötigten Dosen für die Zweitimpfungen bestellen.
  • Aufgrund der derzeitigen Impfstoffknappheit besteht auch weiterhin keine Möglichkeit, dass Patienten den Impfstoff eines bestimmten Herstellers selbst wählen.
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